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Obama-Besuch: Was kommt auf die Herrenhäuser zu?

US-Präsident in Hannover Obama-Besuch: Was kommt auf die Herrenhäuser zu?

Für viele Hannoveraner bringt der Obama-Besuch Ende April etliche Einschränkungen mit sich. Im Zooviertel wissen die Bewohner zumindest, was auf sie zukommt, in Herrenhausen herrscht dagegen Ratlosigkeit.

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Im Zooviertel verteilte die Polizei in dieser Woche Handzettel mit Informationen zum Obama-Besuch. In Herrenhausen wissen die Anwohner noch nicht, was auf sie zukommt.

Quelle: Dröse

Hannover . Straßensperren, Ausweiskontrollen, Winkverbot – im Zooviertel wissen die Anwohner inzwischen, was der Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama in ihrem Viertel bedeutet. Lange bevor Obama im festlichen Kuppelsaal am Sonntag, 24 April, zu seiner Eröffnungsrede für die Hannover Messe ansetzt, wird das Congress Centrum weiträumig abgesperrt. In Herrenhausen dagegen bleiben die Anwohner im Unklaren. Fest steht jedoch, dass der Präsident sich am frühen Sonntagnachmittag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Schloss Herrenhausen trifft. Das Catering ist bereits gebucht, ein Pressezentrum soll eingerichtet werden, es fehlt aber noch immer eine offizielle Bestätigung für das Zusammentreffen.

Aktion in der Innenstadt: Eine Kunstfigur vom US-Präsidenten Barack Obama sorgt für Interesse.

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Bei einem Besuch von Barack Obama im Herrenhäuser Schloss, müssen sich die Anwohner auf ähnlich massive Einschränkungen wie im Zooviertel einstellen. Es wird erwartet, dass auch rund um den Treffpunkt ein weiträumiger Sicherheitsradius eingerichtet wird, Personen- und Fahrzeugkontrollen wären dann an der Tagesordnung.

Sportvereine bangen um Punktspiele

Die Sportvereine in Herrenhausen rechnen damit, den Spielbetrieb einstellen zu müssen, wenn am 24. April der US-Präsident zu Besuch in den Gärten ist. „Wenn Barack Obama in Hannover zu Gast ist, müssen wir eben Kompromisse eingehen“, sagt Reinhard Schwitzer, Vorsitzender der SG 74. Sicherheit gehe nun einmal vor. Ausgefallene Punktspiele im Fußball müssten nachgeholt werden. Beim SV Odin nimmt man die drohenden Ausfälle eher zähneknirschend hin. „Wir müssen uns fügen“, sagt der Vereinsvorsitzende Armand Pampovs.

Im Zooviertel ist es dem HSV Hannover gelungen, seine Handballspiele zu verlegen. Zunächst hieß es, dass die Wettkämpfe stattfinden könnten, wenn sich die Sportler auf die Hintereingänge der Halle an der Lüerstraße beschränkten. Die Halle befindet sich in der Sperrzone um das HCC. Doch die Polizei änderte die Auflagen. Dank der Unterstützung anderer Vereine kann der HSV seine Spiele nun in einer Halle am Sahlkamp austragen. „Ich bin schon verwundert, dass unsere Absprachen mit der Polizei so kurzfristig geändert wurden“, sagt Spartenleiter Andreas Multhaupt. asl/lis

Doch gut zwei Wochen vor dem Ereignis hat die Polizei, anders als im Zooviertel, noch immer nicht bekannt gegeben, wann und wo die Absperrungen beginnen sollen. Nach HAZ-Informationen gibt es hinter den Kulissen derzeit ein Gerangel um die Größe der Sperrzone in Herrenhausen. Klar ist aber, dass Obama in den Herrenhäuser Gärten vor die Presse treten wird. Etliche Journalisten aus aller Welt werden erwartet, voraussichtlich wird die Orangerie als Pressezentrum dienen. Möglicherweise wird der Präsident in Herrenhausen sogar mit militärischen Ehren begrüßt, damit käme seine Visite zur Messeeröffnung doch noch einem Staatsbesuch gleich.

Die Gastronomen, deren Restaurants unmittelbar am Herrenhäuser Schloss liegen, nehmen eine mögliche bevorstehende Sperrung des Viertels gelassen entgegen. „Mit uns hat noch keiner Kontakt aufgenommen. Das ist zwar schade, denn wir haben am Sonntag bereits einige Reservierungen, aber nicht zu ändern“, sagt Agir Baser vom Restaurant Sultan Palace. „Ich kenne das schon von der Cebit, dann ist hier auch immer alles gesperrt“, sagt Vassilios Vassiliou vom Restaurant Castello. Bislang habe man ihn nicht informiert. „Ich hoffe, dass das bald geschieht, damit auch wir planen können“, sagt der Gastronom.

„Wir werden jetzt bei der Stadt nachfragen, womit wir zu rechnen haben“, sagt Anika Kirchner, Pressesprecherin des Sea Life. Das Aquarium befindet sich gleich neben dem Eingang zum Berggarten und dürfte in der Sicherheitszone liegen. Man habe bereits darüber nachgedacht, das Aquarium am letzten Aprilwochenende zu schließen.

Feuerwehr plant Großeinsatz

Auch die Berufsfeuerwehr bereitet sich wegen des Besuchs des amerikanischen Präsidenten in Hannover auf einen Großeinsatz vor. „Das liegt schon allein daran, dass er sich über mehrere Tage hinziehen wird“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Hintz.    

Derzeit sind die Brandbekämpfer in enger Absprache mit der Polizei und Einsatzleiter Thomas Rochell damit beschäftigt, zu planen, wie viel Personal und wie viele Einsatzfahrzeuge sie für den Sonnabend mit der Großdemonstration und den Sonntag und Montag für den Obama-Besuch benötigen. Eine Urlaubssperre wie bei der Polizei gibt es bei der Feuerwehr zwar nicht. „Wir haben aber die Kollegen sensibilisiert, wenn möglich an dem besagten Wochenende zur Verfügung zu stehen“, sagt Hintz. Nicht auszuschließen ist, dass die Feuerwehr Hannover zusätzliche Einsatzfahrzeuge von anderen Feuerwehren benötigen wird. „Wir rechnen mit einem erhöhten Einsatzaufkommen“, sagt der Feuerwehrsprecher.
Dem Vernehmen nach gibt es auch Überlegungen, im Sicherheitsbereich im Zooviertel so lange Rettungskräfte dauerhaft zu stationieren, bis die Absperrungen wieder aufgehoben werden. Zudem hat die Feuerwehr die Krankenhäuser in der Stadt und dem Umland kontaktiert und darum gebeten, dass die Notaufnahmen der Kliniken während des Obama-Besuchs Plätze vorhalten. Doch weil einige Details rund um die Eröffnung der Hannover Messe mit dem amerikanischen Staatsoberhaupt erst kurzfristig entschieden werden, ist auch bei der Feuerwehr Flexibilität gefragt. „Wir sind auf jede Lage gut vorbereitet“, sagt Hintz. tm

Im Zooviertel sehen viele Anwohner dem Obama-Besuch mit Skepsis entgegen. „Das schränkt schon sehr ein, die ständigen Kontrollen“, sagt Eliška Mikulašková. Auch, dass sie bei Obamas Ankunft nicht am Fenster stehen darf, stört sie. „Das macht doch keinen Sinn. Wir fahren deswegen auch extra übers Wochenende weg.“ Andere Anwohner dagegen freuen sich über den hohen Besuch. Kenneth Suthers ist Amerikaner und wohnt mit seiner Freundin Saskia Bernard zusammen in der Mars-La-Tour-Straße. „Ich habe zweimal für ihn gevotet, und ich habe ihn noch nie gesehen“, sagt Suthers. Leider wird das aber auch so bleiben, das Paar fährt gerade an diesem Wochenende ins Rheinland. „Das macht mich schon traurig“, sagt Suthers.

Auch Ines Bleil von der Wirtschaft Leisewitzstübchen freut sich einerseits über den anstehenden Besuch. „Aber das ist natürlich auch schwierig für Gastronomen“, sagt sie. Bisher liegt das Lokal an der Leisewitzstraße nicht in der Sicherheitszone. „Aber wir rechnen damit, dass das noch kurzfristig erweitert wird“, sagt Bleil. Dann müsste die Wirtschaft am Wochenende geschlossen bleiben. „Der Aufwand, alle Gäste zu kontrollieren, wäre einfach zu hoch“, sagt sie.

Polizei verteilt Flyer zum Obama-Besuch - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Andine Wijgers, die in der Schackstraße und somit in der Sicherheitszone wohnt, hat eine ganz andere Sorge: „Mein Entbindungstermin steht vor der Tür“, sagt die Hochschwangere. Sollte das Baby tatsächlich während des Präsidenten-Besuchs kommen, müsste Oma Waltraud auf den dreijährigen Arved aufpassen. „Wir haben sie schon mal vorsorglich als Besuch angemeldet“, sagt Wijgers.

Von Johanna Stein, Andreas Schinkel und Tobias Morchner

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