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Was tun, wenn der Hund sich langweilt?

Einblicke in ein Hundeleben Was tun, wenn der Hund sich langweilt?

Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Die einen schätzen seine Treue, die anderen halten ihn und seine Hinterlassenschaft für eine Zumutung. Nie zuvor waren sich Mensch und Hund so nah – auch dank der Trainer, Heilpraktiker und Tierdolmetscher. Einblicke in die hündische Seele.

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Spurensuche in Bothfeld: Labradorhündin Emma liebt die Schnüffeltour namens Mantrailing – endlich kann sie mal bestimmen, wo´s langgeht ...

Quelle: Wiechers

Hannover. Bereits Philosophen lobten sein grundehrliches Wedeln. 45.000 seiner Art soll es mittlerweile in der Region Hannover geben; Dicke und Dünne, Große und Kleine, Zottelige und Kurzhaarige. Der Hund hat geschafft, was keinem anderen Vierbeiner bisher gelungen ist. Er bekommt nur das Beste auf den Teller, er erholt sich im Tier-Wellnesshotel am Pool, tanzt einen Boogie, und wenn die Hüfte schmerzt, geht’s in die hochtechnisierte Kleintierklinik oder auf die Massagematte bei der Physiotherapeutin. Früher war der Mensch der Chef. Heute wird an der Mensch-Hund-Beziehung gearbeitet, mit professioneller Hilfe.

Ilka Schumacher ist Beziehungsprofi. Vor fünf Jahren gab die 35-Jährige den Job in der IT-Branche auf und machte eine Ausbildung als Hundetrainerin. Ihre eigene Hundeschule nannte sie SyMeHu; nicht aus Liebe zu China, sondern als verkürztes Bekenntnis zur „Symbiose-Mensch-Hund“. Wer noch an den Rudelführer glaube, habe nichts verstanden, sagt sie. Mensch und Hund müssten sich vertrauen, sich kennen und verstehen. Wie in einer guten, gleichberechtigten Ehe.

Nur Gassi-Gehen? Langweilig.

Sarah Wingendorf ist eine der vielen Kundinnen von Ilka Schumacher. Vor zwei Jahren suchte sie nach einer Beschäftigung für ihre Labradorhündin Emma. Nur Gassi-Gehen? Langweilig. Apportieren? Stumpfsinnig. Emma sollte etwas Anspruchsvolles geboten bekommen, das Höchstleistung verlangt, und so landete Sarah Wingendorf im gut besuchten Mantrailing-Kurs von Ilka Schumacher.

Emma ist mittlerweile ein passionierter Freizeit-Personenspürhund, der sich nach dem Abschnuppern eines „Geruchsträgers“ (Schal) mit Verve der Spur (Duftmolekülen wie Hautschuppen) der Versteckperson, kurz VP, folgt, die sie in der Regel auch findet. Die dunkle Nase dicht über den Boden, mit aufgeregt schaukelndem Schwanz, zerrt sie an der langen Leine, an deren Ende Frauchen bemüht ist, Schritt zu halten, ohne die Passanten in der Bothfelder Einkaufszeile anzurempeln. Links gleiten die Glastüren einer Fleischerei geräuschlos auseinander, und die Hundenase hebt sich sehnsüchtig Richtung Theke. Doch die „Versteckperson“ ist nicht in dem Geschäft. Emma weiß, was von ihr erwartet wird; also kehrt marsch, weiter!


Platz! Sprechstunde bei Christian Ergenzinger: Patientin Suri, eine Yorki-Mix-Hündin, erträgt die Ultraschalluntersuchung an der Seite von Claudia Helms, ihrer Vertrauensperson, mit Würde – unter wachsamer Beobachtung von Rauhhaardackeldame Dora.     

Quelle: Wiechers

Christian Ergenzingers große Liebe heißt nicht Emma, sondern Franz. Franz ist ein hochbetagter Rauhhaardackel, den Ergenzinger vor 16 Jahren verwahrlost und krank an der Autobahn auflas. Kurze Zeit später beschloss der erfolgreiche, aber gestresste Vertriebsingenieur, nicht mehr vom Porsche zu träumen, sondern sein Leben zu ändern und ein Tierheilpraktiker mit bescheidenem Einkommen zu werden. Seit zehn Jahren betreibt der 48-Jährige seine Praxis in Ricklingen, wo er vor allem chronische Leiden der Vierbeiner behandelt und auf die Zahlungsfähigkeit seiner Kunden achten muss. Zu seinen bewährten Helfern gehören saugende Blutegel, deren Speichel beim Wirtstier entkrampfende Wirkung hat, oder Akupunkturnadeln, die Arthrose-Schmerzen lindern.

Suri, von Besitzerin Claudia Helms auch Mucki-Funki oder Kuni genannt, kam als hoffnungsloser Fall in die Praxis. Die Ärzte der Tierärztlichen Hochschule hatten die Welpendame der Rasse Yorki Mix fünf Tage stationär untersucht, um den Grund für ihre Appetitlosigkeit zu finden. Am Ende gab es eine saftige Rechnung und einen Medikamentenplan, aber keine Diagnose. Suri fraß auch weiterhin nicht und wurde mit Pillen vollgepumpt. Schließlich nahm sich Heilpraktiker Ergenzinger der Sache an und empfahl, es mal mit Kängurufutter zu probieren. Siehe da - Patientin Suri gefiel das. Derzeit leidet sie zwar an einer Infektion, aber ansonsten verpasst die Hündin keine Mahlzeit.

Ergenzinger ist ein Schwärmer, der Hunde um ihr Glück beneidet, sich nicht um die Zukunft zu scheren. „Der Hund ist die Summe seiner Vergangenheit. Zukunft gibt es nicht.“ Dies sei eine Gnade. Außerdem sei die Liebe des Hundes zu „seinem“ Menschen unverbrüchlich. Wo findet man das sonst? Auch für Heilpraktiker Ergenzinger ist der Hund kein Diener oder Rudelmitglied, sondern Sozialpartner - so wie Franz und Dackeldame Dora, die in der Praxis die Besucher empfängt.

Hundestadt Hannover

Das Internet-Portal „Issn’ Rüde!“ hat die „hundefreundlichste Stadt Deutschlands 2015“ gesucht – und gefunden. Hannover landete auf Platz vier. Sieger wurde Leipzig. Die niedersächsische Landeshauptstadt konnte vor allem bei der Tierarztdichte (210 Hunde pro Tierarzt – in Dortmund müssen sich rein rechnerisch 2500 Hunde einen Tierarzt teilen), bei der Anzahl der Hundesalons (350 Hunde pro Salon) und beim Angebot an Hundeauslaufflächen punkten. Die guten Noten reichten am Ende trotzdem nicht für einen Spitzenplatz im Städteranking, weil die Hundesteuer in Hannover vergleichsweise hoch ausfällt. 372 Euro zahlt ein Hundebesitzer für zwei Tiere im Jahr. In Hamburg sind gerade einmal 180 Euro fällig.

Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Skopos im Auftrag der Heimtierbranche wurden im vergangenen Jahr in 38 von 100 Haushalten Heimtiere gehalten: 11,8 Millionen Katzen, 6,8 Millionen Hunde, 5,9 Millionen Kleintiere sowie vier Millionen Ziervögel. Darüber hinaus gab es 2,1 Millionen Aquarien, 1,8 Millionen Gartenteiche mit Zierfischen und 800 000 Terrarien. 57 Prozent aller Familien mit Kindern haben ein Heimtier.

Man könnte diese Geschichte mit einem Besuch bei Karin Müller beenden. Bei ihr melden sich Kunden, wenn der Tierarzt nichts findet, der Heilpraktiker die Schultern zuckt und die Unterwasserbehandlung der Physiotherapeutin keine Wirkung zeigt. „Ich bin häufig der letzte Strohhalm, wenn es in der Beziehung zwischen Mensch und Tier Probleme gibt und niemand eine Lösung weiß“, sagt Karin Müller, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Tierdolmetscherin. Zu ihren speziellen Gaben gehört die Kommunikation mit dem Hund. Telepathie nennt man das, oder schlicht „sechster Sinn“. Manchmal reicht zur Kontaktaufnahme auch ein Foto. Sie spüre, was im Argen liegt, sagt Karin Müller. „Wie eine Telefonnummer, die hilft, den Kontakt herzustellen.“ Das Ergebnis des „Gesprächs“ fasst Karin Müller in einem mehrseitigen Protokoll zusammen, das der Hundebesitzer erhält. „Es ist die subjektive Momentaufnahme aus Sicht des Tieres.“

Und was steht drin in dieser „Momentaufnahme“? Manchmal rät sie beim Tierarzt, die Erkrankung an einer anderen Stelle zu suchen, nicht an der Schulter, sondern an der Hüfte. Häufig empfiehlt sie dem Hundebesitzer, sich selbst zu prüfen. Denn das Tier sei oft der Spiegel des Menschen. Es komme vor, dass der Hund Symptome zeige, die der Mensch bei sich unterdrückt. Dann gehöre nicht der Hund, sondern der Mensch in Therapie. Manchmal helfe es allein schon, Rituale zu ändern: zum Beispiel das Handy bei Gassigehen in der Tasche zu lassen.

Fehlen noch die Philosophen. Was empfehlen sie? Der Hund sei die Chance, sich von der Falchheit des Menschen zu erholen, heißt es. Er könne sogar den menschlichen Gesichtsausdruck lesen, stellten Wiener Forscher fest. Anlass für ein Tänzchen? Inka Burow, Bloggerin und Besitzerin einer Hundeschule, hat sich auf Dogdancing spezialisiert. Ein durchaus vergnügliches Angebot.

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