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Was wurde aus Hannes?

HAZ-Serie Was wurde aus Hannes?

Hannes ist nun seit September ein Schulkind - wie ist der Start in der Grundschule für den Jungen mit dem Downsyndrom verlaufen? Die HAZ hat ihn für die Serie "Was wurde aus...?" noch einmal besucht und einen glücklichen Erstklässer getroffen.

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Hannes Hillmer ist von seinen Klassenkameraden gut aufgenommen worden. 

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Hannes Hillmer ist kein Freund der großen Worte. Außerdem hatte der pfiffige Erstklässler Besseres zu tun, als ausgerechnet in den Ferien über die Schule zu reden. Er spielt im Wohnzimmer der Familie Hillmer mit einer Kugelbahn und verfolgt konzentriert die Bahnen der Kugeln. „Schön“, sagt er also nur knapp, wenn man ihn fragt, wie die Zeit seit seinem Grundschulstart verlaufen ist.

Dass Hannes Hillmer das findet, ist nicht selbstverständlich. Es ist nicht einmal selbstverständlich, dass Hannes überhaupt in einer normalen Grundschule ist. Denn der Siebenjährige ist ein Kind mit Downsyndrom. Vor mittlerweile sechs Jahren trat zwar die UN-Menschenrechtskonvention in Kraft, die bestimmt, dass jeder Mensch, ob mit oder ohne Behinderung, ganz selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Die Regel ist diese Teilhabe aber noch nicht, auch in Hannovers Grundschulen nicht.

Während seiner ersten Tagen in der Schule war Hannes sehr aufgeregt.

Während seiner ersten Tagen in der Schule war Hannes sehr aufgeregt.

Quelle: Kutter

Ein paar Tage nach dem Beginn des neuen Schuljahres hatte die HAZ Hannes deshalb besucht - und ihn und seine Eltern befragt, wie er den Sprung vom Kindergarten in die Grundschule geschafft hat. Der Siebenjährige geht in eine sogenannte Inklusionsklasse an der Otfried-Preußler-Grundschule. Dort unterrichtet man Kinder mit geistiger Beeinträchtigung nach einem besonderen Modell. Immer vier von ihnen gehen in dieselbe Klasse. Weil jedes der Kinder Anspruch auf eine bestimmte Anzahl von Förderstunden hat, ist fast die gesamte Unterrichtszeit hindurch neben dem Grundschullehrer ein Förderlehrer in der Klasse.

Auch am Tag des ersten HAZ-Besuchs im September zeigte sich Hannes eher wortkarg. Es war Nachmittag, er hatte einen langen Tag hinter sich: vier Stunden Schule, danach eine Stunde Betreuung in der Schule, danach Nachmittagsbetreuung bis 15 Uhr. Auch viele Erstklässler ohne Handicap sind zu Beginn ihrer Grundschulzeit nach so einem Tag groggy. Es ist anstrengend, sich plötzlich so viele Stunden am Stück zu konzentrieren, nicht mehr spielen zu können, wie man will.

Gefällt die Grundschule? Klar!

Hannes lag eine ganze Weile schlapp auf dem Wohnzimmerteppich. Aber irgendwann während des Gesprächs mit Mutter Ilona Hillmer holte er seinen Ranzen und seine Schultüte ins Wohnzimmer. Er strahlte vor Stolz übers ganze Gesicht. Klar gefiel ihm die Grundschule.

Wenn man ihm jetzt ein bisschen Zeit gibt, dann gerät er über „seine Schule“ ins Schwärmen. Auf Hannes-Art eben. Wenn man ihn fragt, was er am liebsten mag, zählt er einfach alles auf, was an einem schönen Schultag kurz vor den Ferien passiert ist: Mathe, Zahlen schreiben, gemeinsam in der Klasse frühstücken, dann „fliegt der Luftballon nach oben, puff, puff“. Sport mag Hannes neben Musik besonders gern.

„Ich finde, Hannes macht es einfach toll“

Seine Eltern sprudeln vor Begeisterung förmlich über, wenn es um das Schulleben ihres Sohnes geht. Hannes könne mittlerweile seinen Namen buchstabieren und schreiben. Er forme Buchstaben mit dem Knetgummi - und wenn seine Mutter ihn abhole und er Mathe hatte, könne es passieren, dass er ihr einfach mal eine Zahlenreihe rauf und runter zähle. Er sei gut bei den Klassenkameraden angekommen, hätten die Lehrer beim ersten Lernentwicklungsgespräch gesagt. Er mache gute Fortschritte. Nur Malen möge er nicht so gern, sagt Ilona Hillmer. Aber die Lehrer hätten gesagt, das sei nicht schlimm. Er sei eben ein typischer Junge.

Sind die Eltern zufrieden mit ihrem Entschluss, Sohn Hannes nicht in eine Förderschule, sondern in eine Regelschule gegeben zu haben? „Natürlich hatte man am Anfang eine gewisse Unsicherheit“, sagt Vater Thomas Hillmer. Aber man merke jetzt ganz klar, dass es in der Grundschule funktioniere. „Langsamer zwar, aber es klappt“, sagt er heute. „Ich finde, Hannes macht es einfach toll“, sagt Mutter Ilona Hillmer stolz - und die zehnjährige Schwester Paula nickt bestätigend. Mehr braucht man dazu wohl nicht zu sagen.

Die Vorgeschichte

Die ersten Tage in der Schule waren für Hannes anstrengend. Im September war HAZ-Redakteurin Jutta Rinas schon einmal bei den Hillmers zu Hause, um sich erklären zu lassen, wie das mit Hannes’ sogenannter inklusiver Beschulung funktioniert. Also waren die Hillmers damals optimistisch, dass es gut klappen würde für Hannes an der Otfried-Preußler-Schule.
Das lag auch an den guten Erfahrungen von Hannes’ Schwester Paula. Sie ist nicht behindert und ging an derselben Schule ebenfalls in eine Inklusionsklasse. „Es war eine schöne Erfahrung“, sagt Mutter Ilona Hillmer rückblickend. Der Kontakt unter den Kindern habe gestimmt. Und schulisch habe Paula in dieser Klasse so viel gelernt wie in einer normalen. Die Gruppe habe im Vergleich zu den Parallelklassen auch notentechnisch gut abgeschnitten.

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