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Aus der Stadt Wasserstadt wird Heimat für moderne Selbstversorger
Hannover Aus der Stadt Wasserstadt wird Heimat für moderne Selbstversorger
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06:16 16.09.2012
Neben den alten Conti-Gebäuden der Wasserstadt Limmer sollen  große Gärten zum Feldbau entstehen. Quelle: Nico Herzog
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Hannover

Die Wohnungsgenossenschaft Gartenheim geht neue Wege im Wohnungsbau. Nachdem das Unternehmen in der Südstadt vor Jahren Schlagzeilen mit Hannovers ersten hochpreisigen Genossenschaftshäusern („Vasati-Wohnen“) produziert hatte, rückt jetzt das Gegenteil ins Visier. Gemeinsam mit der Initiative Transition Town und dem Pestel-Institut entwickelt Gartenheim-Chef Günther Haese ein Wohnareal für Menschen, „die nicht Schränke voller Luxusgüter wollen, sondern gutes gemeinschaftliches Wohnen mit Selbstversorgungsmöglichkeit“. Die Kaltmiete soll bei rund 5,50 Euro pro Quadratmeter liegen - ein ambitioniertes Projekt.

Als Standort ist die ehemalige Conti-Brache in Limmer auserkoren. Auf der dortigen Halbinsel zwischen Leine-Abstiegskanal und Stichkanal Limmer entwickelt Bauunternehmer Papenburg das Wohngebiet Wasserstadt. Zur Wunstorfer Straße hin aber besitzt die Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG) zwei Gebäude, die bereits von der Transition-Town-Initiative genutzt werden. Dort solle „Wohnraum für Menschen aus den kreativökonomischen Bereichen der unteren sozialen Lagen“ entstehen, sagt Thomas Köhler. Er arbeitet im hannoverschen Pestel-Institut, das sich mit Städtebau beschäftigt, und ist Vorstandsmitglied der Transition-Town-Initiative, die neue Lebensstile etwa mit den limmerschen „KüchenGärten“ ausprobiert. „Das sind keine Spinner, die unter Brücken schlafen“ hat Genossenschafter Haese festgestellt, „sondern gebildete Menschen, die ressourcenschonend zusammenleben und wirtschaften wollen.“

Die Initiatoren wollen jetzt mit der HRG Verhandlungen über den Kauf der ehemaligen Gebäude von Conti-Betriebskrankenkasse und -Werksfeuerwehr aufnehmen. Zusammen bieten sie gut 2500 Quadratmeter Nutzfläche, was etwa für 50 Bewohner reicht. Dort sollen aber eher kleine Wohnungen und große Gemeinschaftsräume geschaffen werden, betont Köhler. Haese hat den Begriff der „Existenzminimalisten“ für die Zielgruppe geprägt - eine wachsende Gruppe von Menschen, die dem Konsumstreben abschwört und eher Wert auf gemeinsame Beziehungserfahrungen und stressfreies Leben legt.

Weil die Bewohner sich weitgehend selbst versorgen sollen und wollen, sind große Flächen zum Garten- und Feldbau möglich. Damit steigen die Kosten des Grundstückskaufs allerdings. Zudem ist noch nicht endgültig geklärt, ob die bestehenden Gebäude umgebaut werden sollen, was den Transition-Town-Aktivisten allein schon unter Nachhaltigkeitsaspekten gefallen würde, oder ob abgerissen und neu gebaut wird. Das favorisiert Haese, der die Architektur gerne etwas sinnlicher gestalten würde. „Zu verdienen gibt es mit dem Projekt wohl nichts“, schwant Haese, „aber Genossenschaften haben ja einen gemeinnützigen Förderauftrag - und wir sammeln spannende Erfahrungen.“ Baustart könnte bestenfalls 2013 sein.

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