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Wege aus der Eskalation

Fußballfans Wege aus der Eskalation

Eine neue Forschungsgruppe aus Hannover will die Probleme mit gewaltbereiten Fußballfans lösen.

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1. St.Pauli Fans kommen am Bahnhof Stammestrasse in Hannover an.

Quelle: Martin Steiner

Hannover. Die Leibniz Universität hat ein neues Prestige-Projekt. Die vor Kurzem von Fußballfanforscher Prof. Gunter A. Pilz am Institut für Sportwissenschaft ins Leben gerufene Kompetenzgruppe „Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit“, kurz KoFaS, ist bundesweit einmalig. Gemeinsam mit sechs Nachwuchsforschern, die alle im Bereich der Sportgewaltprävention tätig sind, will Pilz ab sofort Vereine, deren Fans - besonders die der zum Teil gewaltbereiten Ultra-Gruppierungen - sowie Vertreter der Polizei zu Gesprächen über die Probleme in den Stadien an einen Tisch bringen. Auf diese Weise soll der Versuch unternommen werden, „aus der Eskalationsspirale herauszukommen“, sagt Pilz. Gelingt der Versuch, würden die Betroffenen erstmals systematisch ernsthaft mit- statt übereinander reden.

In der vergangenen Saison hatte es in verschiedenen Stadien der ersten Spielklasse, aber auch in den unteren Ligen immer wieder Ausschreitungen gegeben. Ultras in den Fanblöcken zündeten Pyrotechnik, vielfach wurden Gegenstände auf das Spielfeld geworfen. In Hannover eskalierte die Situation im Oktober 2011: Beim Heimspiel gegen Bayern München stürmte die Polizei einen Ultrafanblock, weil der Verdacht bestand, dass dort bengalische Feuer gezündet werden sollten. Dabei wurden 36 Personen verletzt. Die Ultras reagierten während des Pokalspiels gegen Mainz auf den Vorfall. Sie entrollten in der Kurve ein Banner mit unflätigen Beleidigungen gegen Polizeibeamte. Die Beamten stellten das Spruchband sicher und leiteten ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Beleidigung ein. Insgesamt musste Hannover 96 in der vergangenen Saison rund 90.000 Euro Strafe wegen derartiger Vorfälle zahlen.

Die hannoverschen Fanforscher um Gunter A. Pilz hoffen, dass die neue Herangehensweise zum Rückgang der Gewalt in den Stadien beiträgt. Denn zum ersten Mal soll nach den Vorstellungen der Mitglieder der Kompetenzgruppe gemeinsam mit den Fans eine Art Verhaltenskodex während der Fußballspiele erarbeitet werden. „Die Ideen dazu sollen aus der Fanszene kommen, wobei bestimmt Dinge, beispielsweise das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion, natürlich nicht verhandelbar sind“, sagt Fanforscher Pilz.

Auch die Gesprächspartner können die Ultras selber bestimmen. Im Fall des 1. FC Köln, der als erster Bundesligaklub mit der neuen Kompetenzgruppe arbeiten wird, wünschten sich die FC-Fans den Forscher Jonas Gabler als Vermittler, der seit Kurzem in Hannover tätig ist, und akzeptierten schließlich auch Pilz selbst als Gegenüber. „Wir können nur etwas bewegen, wenn die Ultras das auch wollen und wir sie dann mit ins Boot nehmen“ sagt der Forscher. Jahrelang hatte er sich den Unmut der Szene zugezogen, weil er die gewaltbereiten Anhänger der Ultragruppierungen in seinen Veröffentlichungen gerne als „Hooltras“ bezeichnete. Im Rheinland sollen die ersten Gespräche bereits in den nächsten Tagen beginnen. Dort sorgte in der vergangenen Saison die Ultra-Gruppierung „Wilde Horde“ für Schlagzeilen. Am letzten Spieltag kam es zu massiven Ausschreitungen im Stadion. Der Verein reagierte und entzog dem Zusammenschluss den Status als Fanklub. Der Geißbock-Klub musste für die Verfehlungen der „Wilden Horde“ noch tiefer in die Tasche greifen als 96. Allein der vom DFB wegen der Ausschreitungen am 34. Spieltag verhängte Zuschauerausschluss beim ersten Heimspiel der kommenden Saison kostet den Verein laut Kölner Stadt-Anzeiger rund 500000 Euro.

Pilz ist davon überzeugt, dass die neu gegründete Kompetenzgruppe auch bei 96 zum Einsatz kommen sollte: „Hannover könnte so etwas gut gebrauchen.“ Zwar gebe es über das Fanprojekt regelmäßigen Kontakt in die Ultraszene. Doch für die gemeinsame Erarbeitung eines Verhaltenskodex mit den Forschern müsste der Verein eine nicht unerhebliche Summe in die Hand nehmen. „Billig wird ein solches Projekt nicht, vielleicht können aber dadurch viele Strafzahlungen eingespart werden“, sagt Pilz.

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