Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Nun werden die ersten Straßen umbenannt

Wegen Nazi-Verstrickung Nun werden die ersten Straßen umbenannt

Die Sonreystraße in die erste Straße, die wegen der Nazi-Verstrickung ihres Namensgebers umbenannt wird. Die Kritik an der Maßnahme reißt weiter nicht ab. Zehn Straßen im Stadtgebiet Hannover stehen insgesamt auf der Liste. 

Voriger Artikel
Das war der Morgen in Hannover am 11. April
Nächster Artikel
GVH kommt mit Tausenden Anträgen nicht hinterher

Auftakt in der Südstadt: Sohnreystraße wird zur Lola-Fischel-Straße.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Bis zur Kommunalwahl im Herbst dauert es noch ein paar Monate, einen Tipp für diesen Septembersonntag hat Dieter Küßner schon jetzt. „Ich rate jedem, sich seinen Frust bis zur Wahl zu bewahren und dann das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen."

Küßner ist Ratsherr der CDU und Mitglied im Südstädter Bezirksrat, man ahnt, welche Stelle auf dem Zettel er für richtig hält. Die Union verlor vor Kurzem im Bezirksrat eine Abstimmung, als SPD und Grüne durchsetzten, dass die Sohnreystraße in Zukunft einen anderen Namen tragen soll. Um das zu verhindern, hatte die Union Unterschriften im Viertel gesammelt, was die Mehrheit im Bezirksrat aber nicht beeindruckte - sie folgte lieber einer Empfehlung des städtischen wissenschaftlichen Beirates.

Sohnrey gilt Fachleuten als Publizist und Lehrer, der fremdenfeindliches und rassistisches Gedankengut verbreitete. Künftig soll die Straße Lola-Fischl-Straße heißen. Nach Ansicht der CDU hätte es gereicht, in einem Legendenschild über Sohnrey aufzuklären. Küßners Rat für den September gilt nun enttäuschten Anliegern.

Die Sohnreystraße in der Südstadt ist die erste Umbenennung im Zuge einer über Monate kontrovers geführten Debatte. Zehn Straßen, verteilt über das Stadtgebiet, sollten nach Ansicht des Beirates einen neuen Namen bekommen, da deren Träger mit ausgeprägter nationalsozialistischer Gesinnung in Verbindung gebracht werden. Auch in Badenstedt schloss sich der Bezirksrat dem Beirat an und entschied, den Miegelweg aus dem Straßenverzeichnis zu tilgen. Agnes Miegel gilt als „eine Stütze des NS-Regimes“.

Bezirksräte sind die einzig zuständigen Gremien. Nach deren Entscheidung ist das Verfahren jedoch noch nicht beendet. Im Anschluss werden betroffene Anwohner von der Stadt um ihre Meinung gebeten, deren Votum Bezirksratpolitikern vorgelegt wird, die dann erneut entscheiden. Gegen diesen Beschluss können Bürger klagen, die den Kampf nicht aufgeben wollen.

Werden weitere Straßen umbenannt?

Über künftige Namen acht weiterer Straßen ist nichts entschieden. Es gibt Empfehlungen des Beirates, aber keine politischen Beschlüsse. In Groß-Buchholz, dort sind drei Straßen zur Umbenennung vorgeschlagen, ist Bezirksbürgermeister Henning Hofmann nach Lektüre eines Magazin-Artikels ein weiterer Streichkandidat ins Blickfeld geraten: Knut Hamsun. Vom norwegischen Autor und Literaturnobelpreisträger (1859 bis 1952) sind antisemitische und hitlerfreundliche Äußerungen belegt, ein norwegisches Gericht verurteilte ihn nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Kollaboration mit den deutschen Besatzern. Hofmann hat beim Beirat nachgefragt, warum die Hamsunstraße nicht in der Liste der Straßen auftauche, die besser einen neuen Namen tragen sollten. „Ich sehe da noch viele Fragezeichen.“

Der Beirat ist vom Rat der Stadt beauftragt worden, dem politischen Hintergrund aller Personen nachzuspüren, die zwischen 1845 und 1928 geboren wurden und in Hannover mit einem Straßennamen gewürdigt worden sind. Es handelt sich um 497 Männer und Frauen. Vorsitzender des Gremiums ist Hannovers Kulturdezernent Harald Härke.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Groß-Buchholz
Der norwegischen Dichter und Nobelpreisträger Knut Hamsun.

Kaum hat Bezirksbürgermeister Henning Hofmann in der HAZ angekündigt, die Umbenennung der Hamsunstraße in Groß-Buchholz prüfen zu lassen, regt sich auch schon Widerstand. 

mehr
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Trauerfeier für Stadtsuperintendent Hans Werner Dannowski

Mit einer Trauerfeier haben sich Stadt und Kirche am Montag vom ehemaligen Stadtsuperintendenten Hans Werner Dannowski verabschiedet. In seiner Predigt in der Marktkirche vor 800 Trauergästen bezeichnete Landesbischof Ralf Meister den Verstorbenen als Vermittler zwischen Stadt und Kirche.