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Aus der Stadt Nun werden die ersten Straßen umbenannt
Hannover Aus der Stadt Nun werden die ersten Straßen umbenannt
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00:15 14.04.2016
Von Gunnar Menkens
Auftakt in der Südstadt: Sohnreystraße wird zur Lola-Fischel-Straße. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Bis zur Kommunalwahl im Herbst dauert es noch ein paar Monate, einen Tipp für diesen Septembersonntag hat Dieter Küßner schon jetzt. „Ich rate jedem, sich seinen Frust bis zur Wahl zu bewahren und dann das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen."

Küßner ist Ratsherr der CDU und Mitglied im Südstädter Bezirksrat, man ahnt, welche Stelle auf dem Zettel er für richtig hält. Die Union verlor vor Kurzem im Bezirksrat eine Abstimmung, als SPD und Grüne durchsetzten, dass die Sohnreystraße in Zukunft einen anderen Namen tragen soll. Um das zu verhindern, hatte die Union Unterschriften im Viertel gesammelt, was die Mehrheit im Bezirksrat aber nicht beeindruckte - sie folgte lieber einer Empfehlung des städtischen wissenschaftlichen Beirates.

Sohnrey gilt Fachleuten als Publizist und Lehrer, der fremdenfeindliches und rassistisches Gedankengut verbreitete. Künftig soll die Straße Lola-Fischl-Straße heißen. Nach Ansicht der CDU hätte es gereicht, in einem Legendenschild über Sohnrey aufzuklären. Küßners Rat für den September gilt nun enttäuschten Anliegern.

Die Sohnreystraße in der Südstadt ist die erste Umbenennung im Zuge einer über Monate kontrovers geführten Debatte. Zehn Straßen, verteilt über das Stadtgebiet, sollten nach Ansicht des Beirates einen neuen Namen bekommen, da deren Träger mit ausgeprägter nationalsozialistischer Gesinnung in Verbindung gebracht werden. Auch in Badenstedt schloss sich der Bezirksrat dem Beirat an und entschied, den Miegelweg aus dem Straßenverzeichnis zu tilgen. Agnes Miegel gilt als „eine Stütze des NS-Regimes“.

Bezirksräte sind die einzig zuständigen Gremien. Nach deren Entscheidung ist das Verfahren jedoch noch nicht beendet. Im Anschluss werden betroffene Anwohner von der Stadt um ihre Meinung gebeten, deren Votum Bezirksratpolitikern vorgelegt wird, die dann erneut entscheiden. Gegen diesen Beschluss können Bürger klagen, die den Kampf nicht aufgeben wollen.

Werden weitere Straßen umbenannt?

Über künftige Namen acht weiterer Straßen ist nichts entschieden. Es gibt Empfehlungen des Beirates, aber keine politischen Beschlüsse. In Groß-Buchholz, dort sind drei Straßen zur Umbenennung vorgeschlagen, ist Bezirksbürgermeister Henning Hofmann nach Lektüre eines Magazin-Artikels ein weiterer Streichkandidat ins Blickfeld geraten: Knut Hamsun. Vom norwegischen Autor und Literaturnobelpreisträger (1859 bis 1952) sind antisemitische und hitlerfreundliche Äußerungen belegt, ein norwegisches Gericht verurteilte ihn nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Kollaboration mit den deutschen Besatzern. Hofmann hat beim Beirat nachgefragt, warum die Hamsunstraße nicht in der Liste der Straßen auftauche, die besser einen neuen Namen tragen sollten. „Ich sehe da noch viele Fragezeichen.“

Der Beirat ist vom Rat der Stadt beauftragt worden, dem politischen Hintergrund aller Personen nachzuspüren, die zwischen 1845 und 1928 geboren wurden und in Hannover mit einem Straßennamen gewürdigt worden sind. Es handelt sich um 497 Männer und Frauen. Vorsitzender des Gremiums ist Hannovers Kulturdezernent Harald Härke.

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