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Weitere türkisch-kurdische Konflikte befürchtet

Auseinandersetzungen in Hannover Weitere türkisch-kurdische Konflikte befürchtet

Der niedersächsische Verfassungsschutz rechnet mit weiteren Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden – möglicherweise auch in Hannover. Er befürchtet jederzeit „gewaltbezogene Affekttaten“, solange der Konflikt zwischen Regierung und PKK schwelt.

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Nach einem Angriff auf zwei Autos mit türkischen Insassen nimmt die Polizei am Sonnabend einen Mann an der Goseriede fest. 

Quelle: Uwe Dillenberg

Hannover. Auch zwei Tage nach den Ausschreitungen zwischen Türken und Kurden in der hannoverschen Innenstadt ist die Lage zwischen den beiden Lagern angespannt. Der niedersächsische Verfassungsschutz rechnet damit, dass es zu weiteren gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern kommen könnte. „Derzeit ist jederzeit mit vereinzelten, gewaltbezogenen Affekttaten - insbesondere durch jugendliche Anhänger - beider Seiten zu rechnen“, sagt Behördensprecher Frank Rasche. Die Türkische Gemeinde Niedersachsen bedauert zwar, dass die Lage zwischen Kurden und Türken mittlerweile auch in Hannover eskaliert, möchte sich jedoch nicht in die politische Diskussion einmischen. Ganz im Gegensatz zum Demokratischen Gesellschaftszentrum der Kurden in Deutschland (Nav-Dem), das die Schuld bei der Gegenseite sieht. „Die Türken bringen den Terror aus der Türkei nach Deutschland“, sagt Ayten Kaplan von Nav-Dem.

Mehrere Hundert Menschen demonstrieren in der Innenstadt von Hannover gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. 

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Am Sonnabend war ein 26 Jahre alter kurdischer Flüchtling aus Syrien lebensgefährlich verletzt worden, als sich Anhänger der kurdischen Arbeiterpartei PKK und nationalistische Türken Auseinandersetzungen in der City lieferten. Noch am Abend konnte die Polizei als Tatverdächtigen einen 50 Jahre alten Mann mit türkischem Migrationshintergrund ermitteln, der sich daraufhin der Polizei stellte. Das Opfer wurde noch am Nachmittag notoperiert. Sein Zustand ist mittlerweile stabil. Am Montag veröffentlichte die Kurdische Jugend Hannover ein Bild des jungen Mannes, der wieder bei Bewusstsein ist. „Wir konnten ihn jedoch noch nicht vernehmen“, sagt Polizeisprecher Holger Hilgenberg.

Kurz nachdem der Messerangriff am Sonnabend bekannt wurde, hatte Nav-Dem bereits eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie den Angriff auf den Kurden als „eine Fortsetzung der Angriffe auf kurdische Zivilisten in der Türkei“ bezeichnete. Der Verfassungsschutz hingegen hat beobachtet, dass es vor allem unter den niedersächsischen PKK-Anhängern zu einem Anstieg der „Aktions- und Mobilisierungsbereitschaft“ gekommen ist. „Sollten die gegenseitigen Angriffe zwischen der Türkei und der PKK fortgesetzt werden, werden nicht nur die Demonstrationen von PKK-Anhängern anhalten, sondern auch militante Aktionen gegen türkische Einrichtungen wahrscheinlicher“, sagt Rasche. Insbesondere jugendliche PKK-Anhänger seien bereit, auch gewaltsame Aktionen zu starten, die sich gegen türkische Einrichtungen, türkische Nationalisten, Salafisten, aber auch gegen Einsatzkräfte der Polizei richten können.

Einen Tag nach den Ausschreitungen bei der Anti-PKK-Demo in Hannover ist die Polizei mit einem Großaufgebot in der Innenstadt präsent. Am Mittag startete eine Solidaritätskundgebung für den 26-jährigen Kurden, der am Sonnabend lebensgefährlich verletzt worden war.

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Diese Bereitschaft wird noch angeheizt von Mitgliedern und Anhängern der rechtsextremen türkischen Ülkücü-Bewegung, die als „Graue Wölfe“ bekannt sind. Sie nutzen vor allem soziale Netzwerke im Internet, um die Anhänger der PKK zu provozieren. „Auch aus diesem Lager ist jederzeit mit vereinzelten, gewaltbezogenen Affekttaten zu rechnen“, sagt Rasche.

Mutmaßlicher Täter auf freiem Fuß

Der 50 Jahre alte Mann, der am Sonnabend den 26-jährigen Kurden an der Reitwallstraße mit einem Messer am Hals verletzt haben soll, wurde noch am Abend wieder auf freien Fuß gesetzt. Offenbar sagte der Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund in seiner Vernehmung aus, er habe aus Notwehr gehandelt. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung soll er nun sogar unter Polizeischutz stehen, da die Behörde mit kurdischen Vergeltungsaktionen rechne. Zudem könne es nach Informationen der Polizei sein, dass der mutmaßliche Täter doch noch in Haft komme. „Dafür müssen wir aber die Befragung des Opfers abwarten“, sagt eine Sprecherin der Behörde.

Das könnte schon bald geschehen. Obwohl der Kurde nach bisherigen Informationen an der Hauptschlagader verletzt wurde, konnten die Ärzte der MHH ihn mit einer Notoperation retten. Gestern war der junge Mann bereits bei Bewusstsein.

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Angriff auf Kurden
Der Messerangriff ereigente sich am Sonnabend an der Reitwallstraße.

Nach dem Messerangriff auf einen Kurden hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt. Der 50-Jährige stellte sich in der Nacht. Er soll an dem Angriff beteiligt gewesen sein, der sich nach einer Anti-PKK-Demo am Steintor ereignete. Der 26-jährige Kurde wurde dabei lebensgefährlich verletzt.

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