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Hier fährt das Hochzeitspaar mit der Kutsche lang

Welfenhochzeit Hier fährt das Hochzeitspaar mit der Kutsche lang

Die Hochzeit Ernst August Erbprinz von Hannover und Modedesignerin Ekaterina Malysheva wird ein gesellschaftliches Ereignis von europäischem Rang. Nun werden immer mehr Details bekannt: So wird das Paar in einer geschlossenen Kutsche von der kirchlichen Trauung nach Herrenhausen fahren.

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Quelle: Archiv/Montage

Hannover. Jetzt sind Details der Planungen bekannt geworden. Danach erwartet die internationalen Besucher ein sehr hannoversches Spektakel: „Dem Brautpaar ist es ein besonderes Anliegen, seinen Gästen die zahlreichen schönen Seiten von Stadt und Region zu zeigen“, erklärt das Welfenhaus. Besonders berührt sei das Paar vom Engagement, das örtliche Institutionen vom Knabenchor bis zu Schützenvereinen an den Tag legten, um die Trauung unvergesslich zu machen: „Wir sind sehr glücklich über diese so herausragende Unterstützung“, sagt der 33-jährige Ernst August: „Ein schöneres Willkommen für meine zukünftige Frau könnte ich mir nicht wünschen.“ Das Paar wolle sich in der Region niederlassen: „Wir beabsichtigen, bald hierher zu ziehen.“

Taufe Erbprinz Ernst-August von Hannover auf der Marienburg: Der erstgeborene Sohn von Prinz Ernst-August von Hannover (r.) und Ehefrau Chantal wurde 1983 in der Kapelle des Schlosses getauft. 

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Standesamtlich wird das Paar am 6. Juli von Oberbürgermeister Stefan Schostok in der Ratsstube des Neuen Rathauses getraut – und zwar in deutscher und englischer Sprache, denn die Braut spricht noch nicht gut Deutsch: Ihre Familie stammt aus Russland, Ekaterina Malysheva lebt seit langem in London, wo sie ein eigenes Modelabel hat. Im Anschluss an die Trauung ist nach Informationen der HAZ ein kleiner Empfang mit Mittagessen geplant, aller Voraussicht nach im Fürstenhaus in Herrenhausen. Das Anwesen wird gerade aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Gärtner mähen den Rasen und beschneiden Büsche. Auch im Inneren soll das Gebäude auf Vordermann gebracht werden.

Prinz Ernst August (1914–1987) und Ortrud, Prinzessin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, gingen 1951 den Bund der Ehe ein. Tausende säumten die Straßen und den Weg des Brautpaares von der Marktkirche durch die Lindenallee nach Herrenhausen.

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Am Freitag soll es dann den Polterabend im Brauhaus Ernst August geben – und am Sonnabend folgt der Höhepunkt der Trauung: Der Loccumer Abt Horst Hirschler, ein alter Freund der Familie, traut das Paar in der Marktkirche – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nach Informationen der HAZ ist die Braut vor wenigen Tagen zum Protestantismus konvertiert. Getauft werden musste sie dafür nicht eigens, da sie bereits der orthodoxen Kirche angehört hatte. „Sie ist jetzt Mitglied der Marktkirchengemeinde“, bestätigte Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann.

Bei der Trauung wird der Knabenchor unter der Leitung von Jörg Breiding Stücke von Händel singen. Vor der Kirche stehen dann rund 100 Schützen der Schützenbruderschaft „Das Große Freie“ Spalier. Mit einer historischen Kutsche, die schon 1843 bei der Hochzeit des späteren Königs Georg V. zum Einsatz kam, fährt das Brautpaar anschließend zu einem Empfang im Galeriegebäude, wo Dirigent Ernst Müller mit seinem Orchester spielt. Unter den rund 500 Gästen dort sind auch zahlreiche Hannoveraner.

Hochzeit von Prinz Ernst August von Hannover und der Schweizerin Chantal Hochuli 1981 in Pattensen.

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Für den Abend ist eine private Feier auf der Marienburg geplant – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Gästeliste steht noch nicht endgültig fest, doch erwartet werden neben Künstlern und Prominenten aus der Showbranche auch Gäste aus Europas Hochadel.

Prinz William und Herzogin Kate werden allerdings nicht als Vertreter der britischen Royals erscheinen. Und auch der Vater des Bräutigams wird voraussichtlich nicht dabei sein: Ernst August senior ist seit Jahren gesundheitlich angeschlagen, er lebt zurückgezogen im österreichischen Grünau.

Knabenchor singt zum Abschluss Händels Halleluja

Viel Zeit zum Proben bleibt nicht mehr, schließlich sind die jungen Sänger fast schon in den Ferien. Trotzdem ist es für sie Ehrensache, dass sie dabei sind: Der Knabenchor Hannover wird bei der Trauung in der Marktkirche von der Empore singen. „Viele Familien haben sogar ihre Urlaubsplanung danach ausgerichtet“, sagt Jörg Breiding. Der Leiter des Knabenchors wird auch selbst einen Tag später als geplant in Urlaub fahren.

„Wir haben von der Hochzeit aus der HAZ erfahren“, sagt der 44-Jährige. Er kam daraufhin mit dem Brautpaar ins Gespräch. „Wir freuen uns sehr, dass sich daraus dann dieser Auftritt ergeben hat.“ Nach Informationen der HAZ singt der Knabenchor zwei Stücke von Georg Friedrich Händel, der als hannoverscher Hofkomponist gewissermaßen ein Angestellter der Familie des Bräutigams war. So erinnert der Chor musikalisch daran, dass es bereits 300 Jahre vor der Hochzeit des hannoversch-britischen Paares Verbindungen zwischen London und Hannover gab: Das Stück „Zadok the priest“ aus den Coronation Anthems komponierte Händel für den Welfen Georg II. Seit 1727 wurde es bei jeder Krönung eines britischen Monarchen gespielt, zuletzt 1953 für Queen Elizabeth. Fußballfreunde – Bräutigam Ernst August ist leidenschaftlicher Fan von Hannover 96 und dem FC Fulham – kennen das Motiv außerdem aus der Hymne der Champions League.

Zum Abschluss des Gottesdienstes intoniert der Knabenchor dann Händels berühmtes Halleluja aus dem Messias. Möglicherweise erklingt auch ein Stück, das auf die russischen Wurzeln der Braut Bezug nimmt. Der große Konzertchor werde mit 60 Knaben antreten, sagt Breiding. Das ist auch nötig, um klanglich mit dem Barockorchester L’Arco mithalten zu können, das ebenfalls spielt. Es dürfte also keine Trauung der leisen Töne werden. Rein musikalisch gesehen.

Schützenbruderschaft steht vor der Kirche Spalier

„Und wenn es junge Hunde regnet – wir werden dabei sein“, sagt Heinz Köneke entschlossen: „So ein Ereignis kommt schließlich nie wieder!“ Der 75-Jährige ist Ehrenvorsitzender der Schützenbruderschaft „Das Große Freie“. Rund 100 Schützenbrüder werden nach der Trauung vor der Marktkirche Spalier stehen, mit den Fahnen und in den Uniformen ihrer jeweiligen Vereine.

Die Schützenbruderschaft vertritt Schützenvereine aus 14 Orten von Anderten bis Haimar, die unter den Welfen seit dem Mittelalter verschiedene Privilegien genossen. „Bei uns gibt es noch eine gewisse Welfentreue“, sagt Köneke. Der Vater des Bräutigams, Ernst August senior, hatte den Schützen 2001 einen goldenen Orden gestiftet, der seither alle drei Jahre neu ausgeschossen wird. Und als die Schützen 2013 in der Iltener Schulaula ihr 150-jähriges Fahnenjubiläum feierten, war der junge Erbprinz dabei: „Er war so begeistert, dass er fast seinen Flug nach London verpasst hätte“, sagt Köneke.

Mit dem Besuch hatte Ernst August junior auch ein altes Versäumnis wettgemacht: Bei der Fahnenweihe 1863, so erzählt man, war nämlich sein Urururgroßvater, König Georg V., eingeladen gewesen. Er hatte jedoch gekniffen, weil er Wind davon bekommen hatte, dass man ihn bei dem Besuch drängen wollte, die ungeliebte Vereinigung der Ämter Ilten und Burgdorf zurückzunehmen.

Inzwischen steht die Verbindung zwischen Welfen und Schützen wieder in hoher Blüte. Auch das Jagdhornbläserkorps „Das Große Freie“ will vor der Marktkirche spielen. Von der Idee, die Vorderladerschützen mit ihren Musketen Salutschüsse abfeuern zu lassen, habe man jedoch Abstand genommen, sagt Dietmar Müller, der Vorsitzende der Schützenbruderschaft. „Wir wollen schließlich nicht, dass vor der Kirche die Pferde des Landgestüts Celle durchgehen.“

Eine Kutsche mit Geschichte

In einer geschlossenen Kutsche wird das Brautpaar nach der kirchlichen Trauung zum Empfang im Galeriegebäude fahren. Die Route führt über Köbelingerstraße, Karmarschstraße, Brühlstraße und Herrenhäuser Allee. Begleitet wird der Vierspänner von Reitern des Landgestüts Celle und Reitern der Polizei.

Die Kutsche – auch sie ist eine Leihgabe des Landgestüts – hat eine besondere Geschichte: Der Urururgroßvater des Bräutigams, der spätere König Georg V., hatte den Zweisitzer bereits bei seiner Hochzeit mit Marie von Sachsen-Altenburg benutzt. Die Trauung des blinden Kronprinzen im Februar 1843 feierte der Welfenhof fünf Tage lang: „Solche Art Repräsentation war wichtig für das internationale Ansehen“, schrieb die Historikerin Anna Eunike Röhrig.

Am Tag der Vermählung wurden damals auch die drei Kronprinzeneichen gepflanzt, die am Waterlooplatz bis heute an diese Hochzeit erinnern. Unter anderem gab es damals einen Ball für 800 Gäste. Und Papst Pius IX. kredenzte den protestantischen Brautpaar einen Marmortisch mit einem Blumenmuster, das in 23-jähriger Arbeit aus winzigen Steinen zusammengefügt worden war.

Der Großvater des Bräutigams hatte die Kutsche dem Landgestüt in den Fünfzigerjahren geschenkt – als Dank dafür, dass während der Bombennächte des Krieges welfische Kunstschätze nach Celle ausgelagert werden konnten. Der rote Wagen mit dem Unionswappen aus der Zeit der hannoversch-britischen Personalunion ist bei jeder Hengstparade zu sehen.

Früher sei die Kutsche wahrscheinlich von vier „Herrenhäuser Weißgeborenen“ gezogen worden, doch die Rasse gebe es heute nicht mehr, sagt Axel Brockmann, Leiter des Landgestüts. Stattdessen würden nun vier braune Hengste zum Einsatz kommen. „Stilechter wären eigentlich Schimmel“, sagt Brockmann. Doch die wenigen, die dafür in Frage kommen, seien am Tag der Trauung im Deckeinsatz.

Erinnerungen an 1951

Die Welfenhochzeit in der Marktkirche weckt bei vielen Hannoveranern Erinnerungen an das Jahr 1951. Damals heiratete der Großvater des heutigen Bräutigams, der ebenfalls Ernst August hieß, Ortrud Prinzessin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Tausende säumten die Straßen, als das Brautpaar damals nach Herrenhausen fuhr. Getraut wurde das Paar von Landesbischof Hanns Lilje. Das spektakuläre Ereignis bescherte Hannover in der grauen Nachkriegszeit etwas feudalen Glanz. Ein wenig davon ist auch in den historischen Filmaufnahmen zu spüren, die der HAZ vom Welfenhaus zur Verfügung gestellt wurden.

Das Video wurde mit freundlicher Genehmigung von Heinrich Prinz von Hannover und dem MatrixMedia-Verlag entnommen aus Peter Steckhans Buch "Welfenbericht" mit beiligender Film-DVD.

Ernst Müllers Welfenorchester spielt in Herrenhausen

Nach der Trauung in der Marktkirche gibt es einen Empfang für etwa 500 geladene Gäste im Galeriegebäude in Herrenhausen – und dort wird Dirigent Ernst Müller die Besucher mit seinem Orchester willkommen heißen. „Das ist eine große Ehre für uns“, sagt der 75-Jährige.

Für den Leiter des „Hausorchesters Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen von Hannover“ schließt sich damit ein Kreis: Er hat bereits für den Großvater des Bräutigams gespielt; erstmals, als dieser 1967 eine Feier für seine Mitarbeiter ausrichtete. Später machte er bei der Taufe des Erbprinzen auf der Marienburg Musik, ebenso wie im österreichischen Grünau bei der Taufe von dessen Halbschwester Alexandra, der 1999 geborenen Tochter von Ernst August senior und Caroline von Monaco.

Ernst Müller ist Dirigent des Hausorchesters der Welfen und wird bei der Hochzeit am 8. Juli auch wieder für die Musik sorgen.

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Die Auswahl der Stücke für Herrenhausen müsse er noch mit dem Brautpaar absprechen, sagt Müller: „Das Programm muss zum Anlass und zu den Gästen passen.“ Sein „Welfenorchester“ feiert sein 50-jähriges Bestehen im August stilecht mit einem Konzert auf der Marienburg.

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