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Wer darf über Krippenplätze entscheiden?

Betreuung Wer darf über Krippenplätze entscheiden?

Noch immer fehlen Betreuungsangebote für Kleinkinder. Und das Problem für junge Eltern verschärft sich obendrein, weil selbst die vorhandenen begehrten Krippenplätze auf ausgesprochen ineffiziente Art verteilt werden. Zu diesem deutlichen Urteil kommt eine neue Studie des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung.

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Das bisherige dezentrale Vergabesystem der Betreuungsplätze ist für junge Eltern mit viel Stress verbunden.

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Hannover. Die beiden Autoren, Sissa Carlsson und Stephan Thomsen, sehen es als Hemmschuh an, dass jede einzelne Kindertagesstätte selbst über die Aufnahme neuer Kinder entscheidet. Die bereits vergebenen und die noch freien Plätze würden nicht einheitlich und auch nur lückenhaft erfasst, kritisieren die Wissenschaftler. Die Zuteilung der Plätze erstreckt sich über einen sehr langen Zeitraum und erfordert einen hohen Verwaltungs- und Organisationsaufwand. Eltern melden ihr Kind in der Angst, leer auszugehen, bei zahlreichen Kitas an. Damit blockieren sie Plätze, wenn sie später ihre eigene Entscheidung hinauszögern oder vergessen, bei nicht mehr infrage kommenden Kitas abzusagen.

„Die Verzögerungen führen dazu, dass Eltern lange in Unsicherheit darüber bleiben, ob sie wieder arbeiten können“, sagt Sissa Carlsson. Sie und Thomsen plädieren deshalb für eine zentrale Vergabe der Krippenplätze - und wollen sich dabei auch in die Debatte in Hannover einmischen. Die beiden haben ein Modell untersucht, das auf einer Methode zur Zuteilung von Schülern an New Yorker Schulen beruht. Dafür bekam der verantwortliche Forscher Al Roth im vergangenen Jahr sogar den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

Hannover plant bislang nur eine zentrale Anmeldung

In dem Szenario der Wissenschaftler aus Hannover übermitteln die Bewerber einer zentralen Vermittlungsstelle eine Rangliste mit ihren Wunschkitas. Die Betreuungseinrichtungen legen ebenfalls Kriterien fest - zum Beispiel, ob sie Geschwisterkindern den Vorrang geben wollen, oder wie viele Jungen und Mädchen sie für ihre freien Plätze suchen. Der persönliche Kontakt zwischen Eltern und Kita-Mitarbeitern muss dabei nicht wegfallen. „Die Eltern könnten der Vermittlungsstelle als erstes ihre Wünsche zum Beispiel zu Betreuungszeiten und Entfernung von der Wohnung mitteilen und bekommen dann die betreffenden Kitas genannt“, erklärt Carlsson. Danach könnte die Familien diese Kitas besichtigen und ihre Wunschliste erstellen. Die Vermittlungsstelle gleicht im nächsten Schritt die Prioritätenlisten von Kita und Eltern ab. Die Kita erhält danach nur Infos über Kinder, deren Eltern diese Kita relativ weit oben auf ihre Liste gesetzt haben. Wenn die Anforderungen von beiden Seiten passen, ist der Platz vergeben. Die Vergabe sämtlicher Plätze kann fast gleichzeitig vonstatten gehen.

Hannover plant bisher nur eine zentrale Anmeldung, die Vergabe der Plätze soll weiter bei den Kitas liegen. Die Ausschreibung für das EDV-System wird aktuell vorbereitet, in der zweiten Jahreshälfte 2014 soll umgestellt werden. Carlsson geht das nicht weit genug: „Bei einer zentralen Vergabe können Eltern ihre Interessen klarer bekunden.“

Bisheriges System bereitet jungen Eltern viel Stress

Das bisherige dezentrale System ist für junge Eltern mit viel Stress verbunden. „Jede Einrichtung gestaltet die Anmeldeprozedur unterschiedlich“, sagt Ilka Sommer, die es mitgemacht hat. Allein die Recherche, wann und wie eine Anmeldung möglich ist, verschlinge viel Zeit. Manchmal sind Bewerbungsmappen mit Fotos von Eltern und Kind gefordert. Danach sei regelmäßiges Nachfragen nötig. „Kitas haben oft sehr genaue Vorstellungen und nehmen in einem Jahr vielleicht nur Jungen zwischen 18 und 21 Monaten.“ Die Vergabephase ziehe sich von Februar bis zum Sommer. „Um beruflich zu planen, wäre es sinnvoll, ein halbes Jahr vorher Bescheid zu wissen“, sagt Sommer. Sie hält eine zentrale Anmeldung jedoch inzwischen für ausreichend. Ihr älteres Kind geht zur Kita einer Elterninitiative. „Aus unserer Sicht wäre es fatal, wenn uns Familien zugewiesen werden.“

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