Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
„93 Prozent der Wetterprognosen stimmen“

Wetterexperte Sven Plöger „93 Prozent der Wetterprognosen stimmen“

Wetterexperte Sven Plöger eröffnet am Donnerstag in Hannover die Reihe "Nvoember der Wissenschaft" von Hochschulen und Forschung. Im Interview erklärt er, wie komplex Wetterprognosen sind – und wo die Fallstricke liegen.

Voriger Artikel
Neues Wohnheim für 130 Studenten bereits in Planung
Nächster Artikel
Pastor will falsche Überweisung nicht zurückzahlen

Diplom-Meteorologe Sven Plöger.

Quelle: dpa

Hannover. Kühle Temperaturen, trüber Himmel, Regenwolken - wettermäßig hat der November wenig zu bieten. Wie gefällt er Meteorologen?

Ich habe noch vor zwei Tagen 17 Grad und Sonnenschein erlebt. Allerdings in München. Ich mag den November, es ist ein Monat des Wechsels. Eigentlich freue mich immer auf die Jahreszeit, die als Nächstes kommt, weil sie lange nicht da war. Auch auf den Herbst.

Viele Leute sagen: Der Wetterbericht stimmt ja doch nicht. Wie zuverlässig sind Ihre Prognosen?

Statistisch lässt sich belegen, dass die Prognosen für den Folgetag zu 93 Prozent stimmen. Dass manche das Gefühl haben, das vorhergesagte Wetter ist nicht eingetreten, mag auch ein psychologisches Phänomen sein. Wenn ich für einen bestimmten Tag Regen ankündige, und ausgerechnet dann scheint die Sonne, merkt man sich das viel nachhaltiger. Und wenn ich von einem Gewitter im Oberharz spreche, aber der Fernsehzuschauer in Hannover hört gerade nicht richtig hin, wundert er sich vielleicht, warum es in seiner Stadt nicht blitzt und donnert. Aber sicher, ich liege auch falsch - in 7 Prozent der Fälle.

Wie langfristig sind Prognosen möglich?

Für drei Tage ist das seriös machbar, für sechs bis sieben Tage auch noch. Wettertrends sind für zwei Wochen vorherzusehen. Alles, was danach kommt, liegt unter der sogenannten statistischen Signifikanz von 66 Prozent - man kann auch einfach sagen: Es ist Zufall.

Service

Sven Plöger wird am Donnerstag (3. November) um 18 Uhr im Neuen Rathaus den „November der Wissenschaft“ eröffnen, den Hannovers Hochschulen und Forschungsstätten veranstalten. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht nötig.

In zwei Minuten und 19 Sekunden schildern Sie Fernsehzuschauern die aktuelle Wetterlage. Schaffen Sie das auch, um das Phänomen Wetter zu erklären?

Ich probiere es mal. Antriebsmotor des Wetters ist die Energie der Sonne. Riesige Luftmassen in der Atmosphäre werden durch sie in Bewegung gesetzt. Es geht um den Ausgleich der Temperaturen zwischen den kalten Polen und dem heißen Äquator. So entstehen Gebiete mit hohem und tiefem Luftdruck. In einem Hoch erwärmen sich die Luftmassen, es ist mit gutem Wetter zu rechnen. In einem Tief kühlt die Luft ab, es bilden sich Regenwolken. Die Fernsehzuschauer hören oft vom Hoch über den Azoren und vom Tief über Island - diese Gebiete bestimmen tatsächlich maßgeblich unser Wetter in Mitteleuropa.

Das waren weniger als zwei Minuten. Aber der Eindruck bleibt: Das Wetter ist ein komplexes Phänomen.

Und es ist eine spannende Herausforderung, es den Menschen näherzubringen. Das versuche ich nicht nur mit den täglichen Wettervorhersagen, sondern auch mit allgemeinverständlichen Vorträgen - wie jetzt in Hannover.

Bei Ihrem Vortrag zum „November der Wissenschaft“ ist der Klimawandel Thema. Ist der schon eingetroffen?

Sicher ist: Es wird deutlich wärmer. In Deutschland sind die Temperaturen in den vergangenen 100 Jahren im Schnitt um 1,2 Grad gestiegen, weltweit um 0,8 Grad; seit der Eiszeit sind es vier Grad mehr. Es geht also schneller. Das liegt zur einen Hälfte an physikalischen Gesetzmäßigkeiten, zur anderen Hälfte ist der Mensch schuld, vor allem durch den massiven Eintrag von Treibhausgasen in die Atmosphäre. Von einer Klimakatastrophe sollte man aber nicht sprechen, das macht nur Angst. Doch an einer Energiewende führt kein Weg vorbei.

Vor der Kamera haben Sie Entertainerqualitäten. Lernt man das Moderieren im Meteorologiestudium?

Nicht wirklich. Die Wettervorhersage macht nur einen kleinen Teil der Meteorologie aus, aber es ist der bekannteste. Ich wusste immer, dass ich mich darauf spezialisieren wollte. Ich wollte das Flugwetter für Piloten vorhersagen - auch wegen meiner Leidenschaft für die Segelfliegerei. Dass ich beim Fernsehen gelandet bin, war eher Zufall. Beim Moderieren bin ich Autodidakt.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Mein Arbeitsplatz sind die Bavaria-Filmstudios in München. Acht bis zehn Stunden am Tag beobachte ich das aktuelle Wettergeschehen über Computermodelle, Satelliten- und Radarfilme. Das werten wir aus. Für die Zuschauer, die am Abend den Fernseher einschalten, suche ich sozusagen die Höhepunkte heraus. Ich bereite jeden Tag zehn verschiedene Sendungen vor, neben dem „Wetter vor acht“ vor der „Tagesschau“ und der Prognose nach den „Tagesthemen“ sind das mehrere Sendungen für die dritten Programme der ARD. Ganz wichtig: Es ist alles live, nichts wird vom Teleprompter abgelesen. Ich stelle mich einfach hin und erzähle, was ich erlebt habe.

Eine letzte Frage: Wird es dieses Jahr mal wieder weiße Weihnachten geben?

Natürlich. Und zwar wird es an Heiligabend in Hannovers Südstadt genau um 17.24 Uhr anfangen zu schneien. Im Ernst: Das kann kein seriöser Meteorologe beantworten.

Interview: Juliane Kaune

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Guns N'Roses 1992 in Hannover

Guns N'Roses kehren 2017 nach Hannover zurück - nach 25 Jahren. Bilder vom Konzert aus dem Jahr 1992 im Niedersachsenstadion.