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Wie hart Energieanbieter an Haustüren werben

„Tür-zu-Tür-Verträge“ Wie hart Energieanbieter an Haustüren werben

Viele Energieanbieter versuchen, Kunden mit spontan an der Haustür angebotenen Verträgen unter Druck zu setzen. Verboten sind solche Formen der Kundenwerbung nicht. Die Verbraucher-Zentrale Niedersachsen spricht jedoch von „unseriösen Methoden“.

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„Clever sein und Kosten sparen“: Mit Werbeslogans versuchen die Vermittler, potenziellen Kunden die Energieangebote schmackhaft zu machen.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Als es an der Tür klingelte, war Paola Novoa mit ihren Gedanken ganz woanders. Sie war mit ihrer sechs Monate alten Tochter allein zu Haus und ständig darauf bedacht, die Kleine nicht aus den Augen zu lassen. Als sie öffnete, stand dort ein freundlicher Herr von der „Energie-Beratung Niedersachsen“. Er erklärte, dass er im Auftrag des Energiekonzerns RWE unterwegs sei, zeigte einen Ausweis und bot an, über günstige Stromtarife zu informieren. „Ich habe gesagt, dass ich nichts unterschreiben werde“, sagt Paola Novoa. Doch irgendwie schaffte es der nette Herr dann doch, eine Unterschrift von ihr zu bekommen. Nur für ein unverbindliches Tarifangebot, wie er versicherte. Doch als der Mann gegangen war, stellte die junge Mutter fest, dass sie einen Strom- und Gasvertrag abgeschlossen hatte.

Im Nachhinein weiß die Südstädterin gar nicht mehr, wie ihr so etwas passieren konnte. Doch der „Energie-Berater“ habe alle ihre Bedenken nicht gelten lassen. „Mehrfach hat er versichert, dass es sich nicht um einen Vertrag handelt.“ Als er die Zählerstände ablas, behauptete er, dies diene dazu herauszufinden, ob die Familie für eines der Sparangebote infrage kommt. „Ich wollte die Situation einfach so schnell wie möglich beenden und dachte, alles könnte noch unangenehmer werden, wenn ich nicht unterschreibe“, berichtet Paola Novoa.

Für die Verbraucher-Zentrale Niedersachsen (VZN) ist das kein Einzelfall. „Es ist ein typisches Beispiel, wie Verträge gutgläubigen Personen an der Haustür untergeschoben werden“, sagt VZN-Justiziarin Anke Kirchner. Immer wieder arbeiteten auch Energieanbieter mit dieser Masche. Der Wettbewerb in der Branche sei besonders hart. Verboten seien solche Formen der Kundenwerbung nicht. Aber es sei sehr fragwürdig, wenn potenzielle Kunden mit „unseriösen Methoden“ unter Druck gesetzt würden. Im aktuellen Fall habe der Vermittler an der Haustür offenkundig nicht die Wahrheit gesagt. Problematisch sei auch, dass die oft von Subunternehmen entsandten Mitarbeiter auf Provisionsbasis arbeiteten. Jeder unterschriebene Vertrag bedeute für sie bares Geld. „Man kann nur an die Energieversorger appellieren, ausschließlich mit seriösen Firmen zusammenzuarbeiten - wenn sie schon nicht auf diesen Vertriebsweg verzichten wollen“, sagt Kirchner. Die Stadtwerke Hannover setzen laut Sprecher Carlo Kallen nach „Testphasen im Umland“ nicht mehr auf diese Methode.

Bei der Südstädter Familie war eine Firma namens Impeak GmbH aus Potsdam im Einsatz. „Das ist einer unserer Vertriebspartner“, bestätigt RWE-Sprecher Mario Leikop auf HAZ-Anfrage. Der Energiekonzern arbeite neben anderen Vertriebsformen auch mit „Tür-zu-Tür-Verträgen“. Für die Kunden ergäben sich daraus Vorteile: „Die Tarife, die auf diesem Weg angeboten werden, liegen immer deutlich unter denen des örtlichen Grundversorgers.“ Grundsätzlich gebe es aber strenge Vorgaben für die Vermittler an der Haustür. Sie würden regelmäßig geschult. „Sollte sich einer der Mitarbeiter nicht korrekt verhalten haben, tut es uns leid, und wir werden das prüfen“, versichert Leikop.

Er verweist auch auf die Möglichkeit, binnen 14 Tagen den geschlossenen Vertrag zu kündigen. Genau das haben Paola Novoa und ihr Mann gleich am nächsten Tag getan.

Vertrag ist erst nach 14 Tagen gültig

Verträge an der Haustür sollte man grundsätzlich nicht abschließen, rät die Verbraucher-Zentrale Niedersachsen (VZN). „Das ist eine Situation, in der der Kunde gar nicht die Möglichkeit hat, die dargebotenen Informationen so genau zu prüfen, wie es erforderlich ist“, sagt Anke Kirchner, Justiziarin der VZN. Gerade bei komplexen Angeboten wie Stromverträgen sei dies praktisch nicht zu leisten. Dass sich der Kunde durch den Vermittler an der Haustür auf eine bestimmte Weise unter Druck gesetzt fühlt, auch wenn dieser noch so freundlich auftritt, sei kaum zu vermeiden. Ist der Haustür-Vertrag aber nun unterschrieben und merkt der Kunde im Nachhinein, dass er das Angebot doch nicht will, kann er den Kontrakt binnen 14 Tagen schriftlich widerrufen. „Das ist der einfachste und sicherste Weg“, sagt Kirchner. In der Regel sei es schwer zu beweisen, dass der Vermittler mit unseriösen Methoden oder falschen Angaben gearbeitet hat. „Da steht Aussage gegen Aussage.“

Juliane Kaune

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