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Wie Flüchtlinge in die Schulen kommen

Sprachlernklassen Wie Flüchtlinge in die Schulen kommen

In den städtischen Flüchtlingsunterkünften leben derzeit rund 600 Kinder, davon ist die Hälfte im schulpflichtigen Alter. Doch die Zahl nimmt rapide zu, auch weil deutschlandweit momentan rund 10.000 Kinder in Notunterkünften leben, wo keine Schulpflicht gilt. Daher sollen in den nächsten Monaten weitere Sprachlernklassen in Hannover entstehen. 

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 Flüchtlingskinder lernen in der Sprachlernklasse der Herschelschule Deutsch.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Noch gibt es vergleichsweise wenig Flüchtlingskinder an Hannovers Schulen – nach Angaben der Stadt besuchen derzeit rund 450 Kinder Sprachlernklassen. In den städtischen Flüchtlingsunterkünften leben rund 600 Kinder, davon ist die Hälfte im schulpflichtigen Alter, gut 200 sind jünger als zwei Jahre und 100 im Kita-Alter, also zwischen drei und fünf Jahre alt. Hinzu kommen 300 unbegleitete minderjährige Flüchtinge, meist Jungen, die teils auch im Umland leben.

Die meisten der Kinder in den Sprachlernklassen der Schulen dürften Flüchtlinge sein. Aus Datenschutzgründen darf das Land nicht festhalten, welche Nationalität ein Schüler hat. Erhoben wird seit diesem Schuljahr erstmals der Stand der Deutschkenntnisse. In den 30 Sprachlernklassen in der Stadt sitzen nicht nur Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien, dem Sudan und Afghanistan, sondern etwa auch Töchter spanischer Automanager und Söhne iranischer Ärzte, die in Hannover einen Job gefunden haben. Derzeit besucht im Mittel nur einer von 100 Schülern eine Sprachlernklasse. Doch in den nächsten Monaten dürfte sich dies ändern.

Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) rechnet damit, dass im Frühjahr 2016 die Zahl der Flüchtlinge an den Schulen rapide zunimmt. Warum?

In diesem Jahr sind bislang 17.100 Kinder mit geringen oder gar keinen Deutschkenntnissen an den niedersächsischen Schulen aufgenommen worden. Aber viele Flüchtlingskinder, die hier leben, sind noch gar nicht in der Schule. Mindestens weitere 10.000 Kinder unter 18 Jahren leben derzeit in den rund 40 Notunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen. Hier gilt noch keine Schulpflicht.

Während Björn Försterling, Schulexperte der FDP-Landtagsfraktion, meint, so würden wertvolle Wochen vergeudet, die man für die Integration nutzen könnte, sagt Ministerin Heiligenstadt, es mache keinen Sinn, Kinder für drei Wochen in eine Schule zu schicken, die sie dann doch wieder verlassen müssten. Deshalb greife die Schulpflicht erst, wenn die Flüchtlingsfamilien nach der Erstaufnahme auf die Kommunen verteilt werden.

Es könne auch nicht sein, dass einzelne Schulen, die in der Nähe einer Erstaufnahmeeinrichtung seien, plötzlich Hunderte von Kindern aufnehmen müssten. Die Verteilung solle gerecht erfolgen. Dessen ungeachtet gebe es schon jetzt ehrenamtliche Sprachförderung in den Einrichtungen. Das Land plant Deutschkurse über Videokonferenzen, wie es etwa auf den Ostfriesischen Inseln schon im Regelunterricht praktiziert wird.
Reicht dann die Zahl der bisherigen Sprachlernklassen?

In den nächsten Monaten sollen bis zu 550 Sprachlernklassen landesweit entstehen, auch in Hannover sind weitere geplant. Obwohl sich landesweit 1400 Bewerber gemeldet hatten, sind erst 19 konkrete Verträge mit Sprachlehrern zustande gekommen, darunter zwölf eigentlich pensionierte Pädagogen. Einige Interessenten beklagen, dass Pensionäre bevorzugt gegenüber Quereinsteigern eingestellt würden. Bis Anfang Dezember sind 60 neue Klassen an den Start gegangen.

Der CDU-Lantagsabgeordnete Ulf Thiele berichtete im Kultusausschuss des Landtages nun jedoch von einem Schulleiter, der vorsorglich eine Sprachlernklasse beantragen wollte, weil er mit vier weiteren Flüchtlingskindern rechnete, aber zu dem Zeitpunkt des Antrags noch nicht die geforderte Mindestzahl von zehn Schülern für eine Sprachlernklasse hatte. Die Landesschulbehörde habe den Antrag abgelehnt, die Flüchtlinge seien wie erwartet gekommen, jetzt habe der Schulleiter wieder eine Sprachlernklasse beantragt. Bis dahin seien die Kinder jedoch ohne Sprachunterricht. Heiligenstadt versprach, dass sie jeden Ablehnungsfall prüfen werde, oft verfügten die Schulen aber nicht über die nötigen Räume.

Werden die Kita-Gruppen größer, wenn Flüchtlingskinder dazukommen?

Wohl eher nicht. Viele Familien seien so traumatisiert, dass sie ihre kleinen Kinder lieber bei sich behalten als sie in Einrichtungen betreuen zu lassen, meint Heiligenstadt. Für unter Dreijährige würden vermutlich überhaupt keine Plätze benötigt. Zahlen darüber, wie viele Flüchtlinge in den 470 Kitas in Hannover betreut werden, hat die Stadt nicht.

Nach Schätzungen besuchen rund 50 Kinder aus den städtischen Flüchtlingsheimen eine Kita. Derzeit dürfen maximal 25 Kinder in einer Kindergartengruppe mit zwei Fachkräften sein. Bei den Krippen liegt die Obergrenze bei 15 Kindern pro Gruppe. Dabei wird es auch bleiben – auch angesichts steigender Flüchtlingszahlen. „An den Mindeststandards werde ich nicht rütteln“, betont Heiligenstadt. Außerdem gingen in eine Kita-Gruppe im Schnitt auch nur 22 Kinder. In Hannover sind die Gruppen jedoch ausgebucht     

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