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Wie das Handy den Raubmörder verriet

Beobachtung von Netznutzung Wie das Handy den Raubmörder verriet

Auf der Suche nach dem Stöckener Raubmörder wühlten sich die Ermittler durch Listen von Millionen Handynummern, die in den Netzen in Tatortnähe und zu den Tatzeiten angemeldet sind - und wurden schließlich fündig. Eine Nummer tauchte dabei immer wieder auf. So konnte der Täter schließlich gefasst werden.

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Oberstaatsanwalt Thomas Klinge (l.) und Vize-Polizeichef Thomas Rochell präsentieren die Fakten zur Festnahme des Stöckener Raubmörders (r.).

Quelle: Philipp von Ditfurth/Archiv

Hannover. Zwei Zivilfahrzeuge, ein Audi und ein Passat, biegen am Donnerstag gegen 11.30 Uhr in hohem Tempo vom Deisterkreisel in den Allerweg ein. Auf dem Dach der Wagen eingeschaltete Blaulichter. Die Gesichter der Fahrer mit Sturmhauben verdeckt, die hinteren Fenster der Wagen verdunkelt. Die Polizisten der Spezialeinheit sind auf dem Weg zum Präsidium. An Bord haben sie einen Mann, den sei seit Monaten Zeit bundesweit suchen: Den mutmaßlichen Raubmörder von Stöcken.

Auch einen Tag nach der Festnahme des Serienräubers in Dresden ist den Ermittlern die Erleichterung noch anzusehen. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz geben Polizeiführung und Staatsanwaltschaft überraschend detailreich Auskunft über das, was Hannovers Vize-Behördenleiter Thomas Rochell einen „personellen und psychischen Kraftakt“ nennt. Rund 3000 Spuren haben die Beamten der Ermittlungsgruppe „Discounter“ untersucht, die am 5. Dezember 2014, einen Tag nach den tödlichen Schüssen in dem Stöckener Supermarkt, eingerichtet worden ist.

Die Polizei sucht mit diesen Fotos nach dem Mann, der einen NP-Markt in Stöcken überfallen hat.

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Sie und die Kollegen aus den anderen betroffenen Bundesländern haben über Wochen und Monate nichts unversucht gelassen, um der spektakulären Raubserie ein Ende zu setzen. Sie haben Spezialisten des Landeskriminalamts Niedersachsen mit ins Boot geholt, die ein Profil des mutmaßlichen Täters erstellen. Sie haben speziell ausgebildete Hunde, sogenannte Mantrailer, die Tatorte abschnüffeln lassen, um Hinweise auf das Fluchtverhalten des Täters zu bekommen. Sie haben anhand der Bilder der Videoüberwachung ein Größengutachten des Raubmörders erstellt - es stimmt fast exakt. Sie haben Zeugen gefunden, die einen schwarzen BMW an zwei Tatorten gesehen haben. Eine Hinweisgeberin hat sogar das Nummernschild des Wagens notiert.

Kennzeichen ließ sich per Knopfdruck wenden

Doch zunächst ist der Mann, der bei den Raubüberfällen weder Handschuhe noch Maske benutzt hat, ein Phantom geblieben. Und das, obwohl er insgesamt 13 Schüsse an insgesamt acht Tatorten aus seiner Waffe der Marke Ceska abgegeben und damit verwertbare Spuren hinterlassen hat. Er kann sich seiner Sache zunächst auch sicher sein. In seinen Wagen hat er einen Mechanismus eingebaut, mit dem sich das Kennzeichen per Knopfdruck wenden ließ. Die eine Seite zeigte ein polnisches, die andere Seite ein gestohlenes deutsches Nummernschild - das hat die Zeugin gesehen und notiert. Außerdem war der Täter bislang polizeilich noch nie in Erscheinung getreten. Es gab von ihm also weder Fingerabdrücke noch DNA-Material bei den Behörden, weder in Deutschland noch in seiner polnischen Heimat.

Aber die Ermittler wühlten sich auch durch Listen von Millionen Handynummern, die in den Netzen in Tatortnähe und zu den Tatzeiten angemeldet sind - und wurden schließlich fündig. Eine Nummer tauchte an den fraglichen Orten und zu den fraglichen Zeiten immer wieder auf. Schließlich mussten die Ermittler nur noch abwarten, bis sich das Handy des Täters wieder in ein deutsches Handynetz einbuchte - die Gelegenheit für den Zugriff. „Er hielt sich nie lange in Deutschland auf, reiste nur zu den Taten ein und dann schnell wieder aus“, sagte Ingrid Rabbe, die Leiterin der Ermittlungsgruppe „Discounter“, über den Täter.

Unklar bleibt bislang das Motiv des Täters. Am Freitag durchsuchten Polizisten in Polen seine Wohnung, in der er mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Kind lebt. Noch ist unklar, ob dabei zumindest ein Teil der Beute sichergestellt werden konnte.

Der falsche Verdächtige

Den ersten vermeintlichen Fahndungserfolg nach dem Raubmord von Stöcken am 4. Dezember 2014 hatte die Polizei schnell zur Hand. Zwei Wochen nach dem tödlichen Überfall auf den NP-Markt nahmen Spezialkräfte der Polizei im nordrhein-westfälischen Hamm einen 48-Jährigen in seiner Wohnung fest. Nach dem Hinweis eines Zeugen, der den Verdächtigen auf einem der Videos wiedererkannt haben wollte und der wusste, dass der 48-Jährige mit osteuropäischem Akzent spricht, erließ das Amtsgericht Hannover einen Haftbefehl gegen den Mann.

Kurz darauf gab es für die Ermittler allerdings einen herben Rückschlag: Der 48-Jährige hatte für den Tatzeitpunkt in Stöcken und für den einen Tag später in Hemmingen verübten Raubüberfall ein wasserdichtes Alibi. Er konnte nachweisen, dass er sich zum Zeitpunkt des Überfalls gar nicht in Deutschland aufgehalten hatte. Auch war bei der Durchsuchung der Wohnung in Hamm die Tatwaffe nicht gefunden worden. Der 48-Jährige durfte deshalb die Polizeiwache nach einem Tag wieder verlassen.

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