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Wie das Stadtarchiv um seine Akten kämpft

Ausstellung Wie das Stadtarchiv um seine Akten kämpft

Im Stadtarchiv sind zwei Restauratoren eigens damit beschäftigt, bedrohte Quellen zu erhalten. In der Ausstellung "Papier ist nicht geduldig" präsentiert das Stadtarchiv nun, welchen Gefahren historische Dokumente ausgesetzt sind.

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Mäusefraß und Insektenbefall: Carsten Stühring und Cornelia Regin illustrieren, wo früher die größte Gefahr für Dokumente lag.

Quelle: Frank Wilde

Hannover. Es gibt Schimmelpilze und Weltkriege, Brände, Fluten und Mäusebisse. Doch der ärgste Feind des Archivars kommt ganz unspektakulär daher, und er ist ständig präsent: „Es ist eine schleichende Katastrophe“, sagt Cornelia Regin, Leiterin des Stadtarchivs: „Weil unsere Dokumente einfach zerfallen, steht unsere geschichtliche Überlieferung auf dem Spiel.“

„Letztlich ist es eine Geldfrage“ Das Drama nahm seinen Anfang Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals ging man dazu über, Papier nicht mehr aus Stoffresten, sondern industriell aus Holz herzustellen, mit säurehaltigem Leim – und dieser zersetzt die Dokumente heute langsam, aber sicher: „Der größte Teil unserer Akten ist aus solchem Papier hergestellt“, sagt Regin: „Inzwischen zerbröseln sie uns buchstäblich unter den Fingern – ein Megathema für alle Bibliotheken und Archive.“

Im Stadtarchiv beschäftigt sich jetzt die Ausstellung „Papier ist nicht geduldig“, konzipiert vom Arbeitskreis Nordrhein-Westfälischer Papierrestauratoren und ergänzt um Exponate aus Hannover, mit dem Thema. Papier muss idealerweise bei 18 Grad Celsius und maximal 55 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert werden, dunkel und verpackt in säurefreie Kartons. „Doch auch fachgerechte Lagerung kann den Zerfallsprozess nur verlangsamen“, sagt Carsten Stühring, der bei der Stadt für die Sicherung der Archivbestände zuständig ist.

Im Stadtarchiv sind zwei Restauratoren damit beschäftigt, bedrohte Quellen zu erhalten. In der Ausstellung "Papier ist nicht geduldig" präsentiert das Stadtarchiv nun, welchen Gefahren historische Dokumente ausgesetzt sind.

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Zwei Restauratoren arbeiten im Stadtarchiv daran, bedrohte Quellen zu erhalten. Doch teils sind sie noch immer damit beschäftigt, die Akten zu restaurieren, die beim Hochwasser 1946 im Rathauskeller überschwemmt wurden. Blatt für Blatt haben sie unlängst die Personalakte von Stadtdirektor Heinrich Tramm entschimmelt, indem sie jedes Stück Papier manuell unter einer Abzugshaube reinigten, dann in Alkohol badeten und am Ende nachleimten: „Ein Riesenaufwand“, sagt Regin. Ein paar Regalmeter mit den ersten Ratsprotokollen der Nachkriegszeit ließ das Stadtarchiv unlängst extern im Leipziger Zentrum für Bucherhaltung mit chemischen Lösungen entsäuern. Ein teures und aufwendiges Verfahren, das nur für kleine Kontingente praktikabel ist. „Das ist letztlich eine Geldfrage“, sagt Regin. Gemessen an den immensen Beständen des Archivs ist der Kampf gegen den Zerfall unserer Überlieferung ein Kampf gegen Windmühlenflügel.

Informationen auf Fax-Thermopapier aus den Neunzigern sind inzwischen buchstäblich verblichen, und das ökologisch hochwertige Recyclingpapier, das heute en vogue ist, zerfällt mit seinen kurzen Fasern besonders schnell. Unter Archivaren gilt die Faustregel: Je moderner das Speichermedium, desto kurzlebiger ist es auch. „Eine echte Lösung für das Problem gibt es noch nicht“, sagt Regin. Ihre düstere Prognose: „Wenn unsere Zeit keine Quellen hinterlässt, wird sie für Forscher kommender Generationen ein schwarzes Loch sein.“

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