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Aus der Stadt Wie gefährlich war unser Abwasser?
Hannover Aus der Stadt Wie gefährlich war unser Abwasser?
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00:15 25.02.2016
Von Mathias Klein
Im Umgang mit Toluol ist Vorsicht geboten. Es ist leicht entzündlich und kann verschiedene Gesundheitsschäden hervorrufen. In der Kläranlage (Bild) sorgte der Stoff für Störungen. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Hannovers Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette hat erstmals Stellung zur unerlaubten Einleitung giftiger Chemikalien ins hannoversche Kanalnetz genommen. Die Stadtentwässerung Hannover habe großen personellen und technischen Aufwand betreiben müssen, um die Firma Contitech als Verursacherin festzustellen, schreibt sie in einem Brief an die Mitglieder des Stadtentwässerungsausschusses. In dem Schreiben berichtet die Dezernentin von „Beprobungen und Messungen im Kanalnetz, Anbringung von Gasspürgeräten und Aktivsammlern“, Ortsterminen sowie der Überprüfung von potenziellen Einleitungsstellen.

Wie berichtet, hatte Contitech wochenlang offenbar versehentlich das Lösungsmittel Toluol ins Abwasser geleitet. Am 15. Dezember vergangenen Jahres und am 10. Januar 2016 sei die Konzentration der eingeleiteten Lösungsmittel so hoch gewesen, dass es „zu einer spürbaren Beeinträchtigung der biologischen Reinigungsstufe“ im Klärwerk gekommen sei, heißt es in dem Schreiben. Die Mitarbeiter der Kläranlage hätten das Problem aber in den Griff bekommen. Daher seien in dem ganzen Zeitraum der Einleitung die Grenzwerte für die Einleitung des geklärten Abwassers in die Leine eingehalten worden.

CDU spricht von Skandal

Die Umweltdezernentin reagiert mit dem Brief auf zunehmenden öffentlichen Druck. Ende vergangener Woche hatte die CDU die fehlende Information der Mitglieder des Stadtentwässerungsausschusses gerügt und in diesem Zusammenhang von einem Skandal gesprochen. Zugleich hatte die CDU eine gemeinsame Sondersitzung des Stadtentwässerungs- und des Umweltausschusses verlangt. Bekannt geworden war der Vorfall erst, nachdem ein Bewohner der Nordstadt der HAZ von Lösungsmittelgerüchen aus dem Abwasser berichtet hatte.

Nach Angaben von Tegtmeyer-Dette hatte die Polizei der Stadtentwässerung geraten, während der Suche nach dem Verursacher die Öffentlichkeit nicht zu informieren. Dadurch sollten die Ermittlungen nicht gefährdet werden. Die Stadtentwässerung hatte am 18. Januar Strafanzeige gegen unbekannt erstattet.

14-mal Einleitung des Lösungsmittels festgestellt

Seit dem 5. Dezember bis zum 18. Januar hatte die Stadtentwässerung insgesamt 14-mal die Einleitung des Lösungsmittels Toluol in die Kanalisation festgestellt, schreibt die Umweltdezernentin. „Die in der Intensität und Menge unterschiedlichen Einleitungen sind jeweils durch Geruchsbeschwerden und Störungsmeldungen bemerkt worden“, heißt es in dem Brief weiter. Wie die Stadt schon zuvor auf HAZ-Anfrage mitgeteilt hatte, gelangten insgesamt rund 380 Kubikmeter eines Toluol-Wasser-Gemischs ins Abwasser.

Nach der Entdeckung des Verursachers hätten Fachleute der Stadtentwässerung gemeinsam mit Contitech die Fehler in der Abwasserbehandlung analysiert und Maßnahmen zur Behebung der Fehler besprochen und festgelegt, schreibt sie weiter. Die Dezernentin kündigte an, über weitere Details in der Sitzung des Stadtentwässerungsausschusses am 7. März zu berichten.

Zu einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch den Chemikalienausstoß äußert sich Tegtmeyer-Dette nicht. Die Chemikalie Toluol ist ein Lösungsmittel ähnlich wie Benzol. Sie wird bei der Produktion von Antriebsriemen verwendet, um das Gummi elastischer zu machen. Toluol ist leicht entzündlich. Es kann Nerven-, Nieren- und möglicherweise auch Leberschäden verursachen. Das Unternehmen Contitech begründete die Einleitung der Chemikalie mit einem Fehler im Messsystem: Ein Prüfgerät sei defekt gewesen, daher sei die Einleitung nicht aufgefallen.

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