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Aus der Stadt Wie gut ist Hannovers Fahrrad-Infrastruktur?
Hannover Aus der Stadt Wie gut ist Hannovers Fahrrad-Infrastruktur?
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00:17 05.08.2015
An den Abstellbügeln vor dem Bauamt parkt regelmäßig auch Baudezernent Uwe Bodemann sein Rad. Jetzt steht das „Wunschbike“ daneben. Quelle: Kutter
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Hannover

Ein Fahrrad, das jetzt an einem Abstellbügel vor dem Bauamt neben dem Neuen Rathaus steht, ist nicht zu übersehen. Es ist mit goldener Folie verziert und trägt ein Schild mit formulierten Forderungen. Aufgestellt haben es die Fahrraddemonstranten der Bewegung Critical Mass, die an jedem letzten Freitagabend eines Monats in Hannover unterwegs sind. Adressat für das „Wunschbike“ ist Hannovers Baudezernent Uwe Bodemann, der selbst gern mit dem Rad in der Stadt unterwegs und dessen Dezernat für die Infrastruktur in der Landeshauptstadt zuständig ist.

„Es wird nur für die Autofahrer geplant“

Über die Qualität des Radverkehrs in Hannover gehen die Meinungen spätestens seit dem Besuch des dänischen Stadtplaners und weltweit renommierten Radfahrexperten Mikael Colville-Andersen ziemlich auseinander. Die Stadt verweist auf den steigenden Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen (siehe Kasten unten), auf Anstrengungen etwa bei der Beseitigung von Schwachstellen im Wegenetz und auf gewonnene Auszeichnungen wie zuletzt den mit 25 000 Euro dotierten Radverkehrspreis des Landes Niedersachsen. „Ich erkenne keine Strategie. Der Verkehrsraum wird für Autofahrer geplant, erst hinterher wird geguckt, wo noch Fahrräder hinpassen“, sagt dagegen Colville-Andersen. Seiner Meinung nach müsste es planerisch umgekehrt laufen.

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Vor dem Bauamt der Stadt Hannover haben Anhänger der Bewegung Critical Mass ein vergoldetes Fahrrad mit Forderungen an den Baudezernenten Uwe Bodemann abgestellt.

Die Fahrraddemonstranten teilen die Meinung des Dänen, wie man an dem Wunschbike unschwer ablesen kann. „Radfahren ist eine gleichberechtigte Fortbewegungsart“, lautet das Mantra. Vor allem wollen die Anhänger der „Critical Mass“-Bewegung erreichen, dass Fahrradfahren sicherer wird. Tatsächlich ist die Zahl der Unfälle mit Radfahrerbeteiligung in Hannover zuletzt wieder gestiegen, wobei die Radler in der Regel nicht die Verursacher sind.

Mehr kindersichere Radwege gefordert

Die Liste am goldenen Fahrrad beinhaltet viele Punkte: Der Radverkehrsanteil soll nicht bis 2025 auf 25 Prozent gesteigert werden, sondern bereits bis 2018. Bemängelt wird das Fehlen von kindersicheren Radwegen an Hauptverkehrsstraßen. Im Innenstadtbereich wünschen sich die Aktivisten einen baulich vom Rest der Verkehrsfläche getrennten Ring um die City sowie mehr Stellplätze am Bahnhof. Generell solle die Stadt mehr Geld für den Radverkehr ausgeben.

Das Thema ist längst in der Politik angekommen. Für den Wahlkampf deutet sich dabei ein rot-grüner Richtungsstreit an. Grüne Parteimitglieder haben sich Colville-Andersens Auffassung zu eigen gemacht und wollen das im Wahlkampf vertreten. Als SPD-Politiker sich ähnlich äußerten, sprach Parteichef Alptekin Kirci jedoch ein Machtwort: „Das Auto hat für Hannover eine andere Bedeutung als für Kopenhagen. Das dürfen wir nicht ignorieren.“

Radfahreranteil von 19 Prozent – aber kann man diesen Zahlen trauen?

Dünne Datenbasis: Wenn Städte wie Hannover ihre verkehrspolitischen Ziele formulieren, greifen sie gern zum sogenannten Modal Split. Der Begriff beschreibt, welchen prozentualen Anteil die Verkehrsmittel Auto, öffentlicher Nahverkehr, Fahrrad und Füße am Gesamtverkehrsaufkommen in einem bestimmten Gebiet haben. In der Stadt Hannover dominiert aktuell immer noch das Auto mit 37 Prozent. Es folgen die Fußgänger mit 24 Prozent vor dem Nahverkehr mit 20 Prozent und dem Fahrradverkehr mit 19 Prozent. Wenn das stimmt, dann hat der Fahrradverkehr in Hannover seit 2002 um sechs Prozentpunkte hinzugewonnen. Bis 2025 soll er 25 Prozent erreichen.

Die Erhebungen zum Modal Split werden im Auftrag des Verkehrsministeriums bundesweit durch das Marktforschungsinstitut Infas durchgeführt. Genutzt werden schriftliche, telefonische und internetbasierte Umfragen. Die erste Erhebung stammt aus dem Jahr 2002, die vorerst letzte aus dem Jahr 2008. Erst 2016 wird wieder gefragt. Weil die Region es genauer wissen wollte, hat sie 2012 bei Infas eine eigene Erhebung in Auftrag gegeben, bei der regionsweit 1700 Haushalte befragt wurden. Daraus stammen die oben angeführten Zahlen.

Kritiker etwa beim ADFC halten die Datenbasis für zu dünn und Umfragen generell für weniger tauglich, um den Modal Split zu ermitteln. Das sieht man auch in der Radfahrmetropole Kopenhagen so. Dort gibt es verteilt über die Stadt 400 Stationen, die rund um die Uhr das Verkehrsaufkommen messen.

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