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Wie haben die das nur angestellt?

Skimming in Hannover Wie haben die das nur angestellt?

Die Täter haben offenbar einen echten Coup gelandet: Seit bekannt wurde, dass es den Betrügern gelungen ist, mehrere ec-Geräte in einem Hornbach-Baumarkt in Linden-Süd zu manipulieren, rätseln Kriminalbeamte und Fachleute: Wie haben die Täter das angestellt?

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An der Kasse des Hornbach-Baumarkts in Linden-Süd werden die Kunden nun zur Unterschrift gebeten. Ihre Geheimnummer müssen sie vorerst nicht eingeben.

Quelle: Steiner

Hannover. „Wir wissen derzeit schlichtweg nicht, wie sie das Ding in Hannover gedreht haben“, sagt Margit Schneider von Euro Kartensysteme. Im Auftrag der deutschen Kreditwirtschaft fungiert die Firma als Service- und Ansprechpartner in allen Fragen rund um den kartengestützten Zahlungsverkehr. Nach HAZ-Informationen ist es den Tätern gelungen, zwischen dem 30. Juli und dem 13. August die Daten der ec-Karten von 258 Hornbachkunden auszuspähen. In rund 140 Fällen missbrauchten die Betrüger die Daten, um von den USA aus Geld von den deutschen Konten abzuheben. Zur Höhe des entstandenen Schadens will die Polizei keine Angaben machen.

In den vergangenen zwei Jahren ist dem Bundeskriminalamt nicht ein einziger vergleichbarer Fall bekannt geworden. Regelmäßig kommt es zu Manipulationen an Geldautomaten. „Aber das sogenannte Skimming am Point of Sale, also an der Kasse, setzt ein sehr viel höheres Maß an technischem Wissen voraus“, sagt Falco Schleier, Sprecher des Landeskriminalamts Niedersachsen. Zunächst müssen die Täter an die Geräte gelangen. Bei einer Reihe von Taten, die 2008 von einer rumänischen Bande in Hessen begangen wurden, stiegen die Täter nachts in mehrere Bau- und Supermärkte ein und entwendeten die Kartenlesegeräte. Mithilfe zweier Techniker, die sie aus Spanien einfliegen ließen, öffneten sie die Gehäuse und setzten eigene Platinen in die Geräte ein. Mehr als vier Millionen Euro sollen sie so von den Konten ihrer Opfer abgeräumt haben.

Im hannoverschen Fall gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Täter in den Baumarkt eingebrochen sind. Wie und wann also präparierten die Täter die Geräte für den Datenklau? Auffällig ist, dass am 9. August fünf ähnliche ec-Geräte aus einem Baumarkt in Garbsen gestohlen wurden. Bei diesen Terminals handelt es sich jedoch nicht um die Geräte, die die Polizei nun in Linden-Süd sicherstellte. Die wurden am Donnerstag von Kriminaltechnikern des Landeskriminalamts untersucht. Ein Experte des Bundeskriminalamts, der am Donnerstag eigens nach Hannover reiste, unterstützte die hannoverschen Fachleute. Fünf Geräte wurden überprüft, an zweien war manipuliert worden.

Die ec-Geräte sind über ein Kabel und einen Stecker mit der Kasse verbunden. Sie können mit wenigen Handgriffen entfernt werden. „Aber es ist alles andere als leicht, sie wieder in Gang zu bekommen, wenn man die Verbindung einmal getrennt hat“, sagt Nicolas Adolph vom Arbeitskreis der electronic-cash-Netzbetreiber. Zumeist leide dadurch die Konfiguration der ec-Terminals. „Nach den Taten der rumänischen Bande im Jahr 2008 gab es Überlegungen, ec-Geräte nachts wegzuschließen“, sagt Adolph. Der Gedanke sei verworfen worden. „Das hätte täglich zu technischen Problemen geführt.“

So suchen Hersteller und Einzelhändler noch immer nach einer verlässlichen Methode, die ec-Geräte zu schützen. Bislang vertraut man dabei auf ein Siegel am Gehäuse. Beim Öffnen des Geräts wird dieser Aufkleber beschädigt und der Eingriff fällt früher oder später auf. Auch die manipulierten Terminals in der Lindener Hornbach-Filiale trugen nach Angaben von Firmensprecherin Ursula Dauth solche Siegel – ob sie beschädigt waren, wurde am Donnerstag allerdings nicht bekannt. Bislang war das Personal angewiesen, die Siegel einmal täglich zu kontrollieren. Das soll nun mehrmals am Tag passieren.

Die verstärkte Kontrolle ist Teil eines Notfallplans, der seit am Donnerstag in allen Hornbach-Filialen im Raum Hannover gilt. Demnach muss bei Kartenzahlung bis auf Weiteres keine Geheimnummer eingegeben werden. „Es wird nur noch mit Unterschrift gearbeitet. So können Täter nicht mehr an die Geheimnummer gelangen“, sagt Firmensprecherin Dauth. Das Bezahlen per Unterschrift kam bisher nur bei geringen Beträgen zum Einsatz. Für die Händler ist es mit einem höheren Risiko verbunden, da beim Unterschriftverfahren auch mit gefälschten Karten oder trotz leerem Konto eingekauft werden kann. Dann bleibt der Händler auf den Kosten sitzen. Bei Hornbach steht derzeit jedoch die Begrenzung des Imageschadens im Vordergrund.

Dabei hätte es ebenso gut einen anderen Händler treffen können. Der Verband der Einzelhändler hat nach eigenen Angaben alle Geschäftsleute im Raum Hannover informiert. Weitere Manipulationen seien nicht gemeldet worden. Verbandsgeschäftsführer Ullrich Thiemann geht davon aus, dass es in naher Zukunft keine weiteren Fälle geben wird. „Wer jetzt zu manipulieren versucht, der fällt auf“, sagt Thiemann. Nach dem Betrug im Baumarkt sei die Wachsamkeit der Händler enorm gestiegen.

Vivien-Marie Drews, Michael Soboll

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