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Aus der Stadt Wie hart darf eine harte Hand sein?
Hannover Aus der Stadt Wie hart darf eine harte Hand sein?
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00:33 14.02.2009
Von Hans-Peter Wiechers
Die Ausbildung bei der Hundestaffel der Polizei ist hart. Aber für Diensthund Falk scheint die Sache trotzdem ein Riesenspaß zu sein. Quelle: Steiner

Falk grinst – falls Hunde wirklich grinsen können. Der Malinois befolgt freudig jeden Befehl seiner Chefin. Sitz! Platz! Steh! Immer sind die Ohren des belgischen Schäferhundes aufgerichtet, immer ist er ganz schnell an Katrin Grautes Seite. Falk hat Spaß an seiner Arbeit, das ist unverkennbar. Die beiden sind ein Team. Diensthund und Diensthundeführerin. Dienstort: Hundestaffel der hannoverschen Polizei in der alten Kaserne am Welfenplatz. Und keine Sekunde gibt es einen Zweifel daran, wer Koch ist und wer Kellner, wer Chef ist und wer die Befehle ausführt. Hier geht es zweifellos ziemlich zackig zu. Es ist aber nicht ein Kommisston, den das Gemäuer von 1867 atmet. Hunde brauchen kurze Kommandos. Ganze, freundliche Sätze versteht nur Kommissar Rex, der schöne Schäferhund, der in einer eigenen Fernsehserie Kriminalfälle aufklärt.

Falk und seine 36 Kollegen verschiedener Rassen in der Hundestaffel sind keine Kommissare, sondern Schutzhunde. Den Titel dürfen sie nach ihrer Grundausbildung führen. Sie laufen Streife und untersuchen dunkle Räume, in die ein Mensch sich nicht gleich hineintraut. Sie suchen und finden Verlorenes, manchmal sogar Tatwerkzeuge, und sie zeigen auch gern ihre makellosen Zahnreihen, wenn sie grölende und randalierende Fußballfans durch den hannoverschen Hauptbahnhof zur AWD-Arena begleiten. Wenn Schutzhunde im Einsatz sind, bedeutet das fast immer Stress für Tier und Hundeführer, und darum werden beide auch sorgsam ausgebildet.

Schon beim Kauf der Hunde beginnt eine strenge Auslese. Eine Standardübung sieht so aus: Der Junghund, zumeist etwa ein Jahr alt, wird isoliert, wird in einem ihm unbekannten Waldstück an einen Baum gebunden. Nach rund zehn Minuten nähert sich ein Mann dem Tier. Die Person muss nichts tun. Der Hund wird den Unbekannten als Bedrohung empfinden. Wenn das Tier jetzt zurückweicht, ist es schon beim ersten Test durchgefallen. Wer ein Polizeihund werden will, muss sich einer Bedrohung stellen. Nur triebstarke Hunde, wie es im Fachjargon heißt, stehen die Ausbildung durch.

Johnny ist ein triebstarker Malinois. Die Prüfungen zum Diensthund hat er trotzdem nicht bestanden, aber seine Geschichte macht seit einiger Zeit Schlagzeilen in Hannover. Ausbilder in der Hundestaffel der Polizei sollen ihn drangsaliert haben. Ob die beiden Männer wirklich Tierquäler sind, darüber wird jetzt gerade vor dem Amtsgericht heftig gestritten. Die Polizisten weisen jede Schuld zurück. Der Hund war ein Problemfall, der seine Führerin nicht respektierte und die Ausbilder biss. Die Beamten haben sich seiner darum besonders intensiv angenommen und die Maßnahmen auf einem Videofilm dokumentiert, der polizeiintern im Umlauf war. Mancher wertet diesen Film schon als Entlastung. Warum sollten Tierquäler ihre Taten in dieser Weise öffentlich machen?

Johnnys Hundeführerin hat die Ausbilder angezeigt und Oberstaatsanwalt Ulrich Iburg hat Anklage erhoben. Sein Beweismittel ist der Videofilm, und er hat ein Gutachten, das zu dem Schluss kommt, dass der Hund in dem Film gequält wurde. Die Verteidiger der Polizisten haben auch ein Gutachten, dessen Autor zu dem Schluss kommt, dass der Hund in dem Film nicht gequält wurde. So ist es häufiger bei Gericht. Jeder findet seinen passenden Gutachter. Für Oberstaatsanwalt Iburg geht es in diesem Prozess um Grundsätzliches: „Es muss eine Grenze gezogen werden zwischen zulässigen bestrafenden Erziehungsmitteln und Tierquälerei.“

Wortführer der drei Verteidiger ist Jörg von Storren. Der Prozess scheint ihm eine Herzenssache zu sein. Er ist seit 42 Jahren Vorsitzender des Polizeihundsportvereins Sarstedt und ein ziemlich bissiger Verteidiger. Kein Verhandlungstag, an dem von Storren sich nicht lautstarke Gefechte mit Richterin Paulmann-Heinke liefert. Zur Prozesseröffnung stellte er gleich mal einen Befangenheitsantrag. Das Verfahren hat sich inzwischen für Amtsgerichtsverhältnisse zu einer Art Großveranstaltung ausgewachsen. Vier Tage wurde bereits verhandelt, weitere Termine bis Ende März sind vor dem Gerichtssaal ausgehängt.

Eine Zuhörerin hat schon ein Plakat geschrieben: „Zumwinkel-Prozess 2 Tage, Hells-Angels-Prozess 2 Tage, Polizisten als Tierquäler mindestens 4 Tage“. Kaum ein Zuhörer versteht noch, warum eine überlastete Justiz sich eines möglicherweise kurzzeitig misshandelten Hundes mit solcher Intensität annimmt. Im Saal 3014 geht es unter anderem um die Frage „Hing das Tier (das mit zwei Leinen gebändigt wurde) für Sekunden in der Luft oder hopste es auf den Hinterbeinen? War der Einsatz eines Elektroreizgerätes zur Erziehung gerechtfertigt oder nicht?

Johnny, der belgische Schäferhund, hat seinen Dienst bei der hannoverschen Polizei inzwischen quittiert. Er lebt bei seiner früheren Diensthundeführerin. Die Verteidiger behaupten, dass das Tier auch in seiner neuen Rolle als Privathund auffällig geworden ist. Es soll ein Verfahren vor dem Amtsgericht in Hildesheim gegeben haben, weil Johnny eine Joggerin gebissen hat. Johnnys Besitzerin hat bei ihrem Auftritt vor Gericht eingeräumt, dass der Hund eine Läuferin angesprungen habe. Gebissen oder angesprungen? Die Gerichtsakten aus Hildesheim sind angefordert. Noch ein Nebenkriegsschauplatz.

Ein Novum war für das Amtsgericht auch der Auftritt von Johnnys Hundeführerin in diesem Prozess. Für ihre Befragung wurde eine Videoübertragungsstrecke eingerichtet. Von den Justizbehörden eigentlich angeschafft, um Vergewaltigungsopfern bei ihrer Aussage den unmittelbaren Kontakt zu ihren Peinigern zu ersparen. Die Zeugin der angeblichen Tierquälerei durfte ebenfalls in einem Nebenzimmer aussagen. Sie sei krank und es sei ihr nicht zuzumuten den beiden Kollegen, die sie auf die Anklagebank gebracht hat, Auge in Auge gegenüberzutreten, sagte der Arzt, bei dem sie derzeit in psychiatrischer Behandlung ist.

Die Verteidigung hat angekündigt gegen die Zeugin Strafanzeige stellen zu wollen, weil sie vor Gericht gelogen haben soll. Dass diese Frau von den Verteidigern mit viel Hingabe attackiert wird, hat einen besonderen Grund: Sie behauptet, die Ausbilder hätten Johnny mit einem Plastikkanister so hart gegen den Kopf geschlagen, dass er aus Augen, Mund und Nase blutete. Der dritte Punkt in der Liste der angeblichen Tierquälerei. Beim gestrigen Prozesstag marschierte eine Reihe von Zeugen auf. Sie hatten die Ausbildung miterlebt. Von Blut an Johnnys Schnauze oder Ohr wusste keiner zu berichten.

Erst einmal ein Punktsieg für die Angeklagten, deren Verteidiger jetzt angekündigt haben, auch noch den Polizeipräsidenten als Zeugen hören zu wollen.

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