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Wie hart darf man Elfjährige bestrafen?

Sexuelle Belästigung auf Klassenfahrt Wie hart darf man Elfjährige bestrafen?

War es unverhältnismäßig, zwei Elfjährige, die auf einer Klassenfahrt Mitschülerinnen unsittlich berührt haben sollen, monatelang vom Unterricht auszuschließen? Ist es fair, dass die Jungen die Schule jetzt ganz verlassen sollen? Die Vorgänge an der Grund- und Gesamtschule Süd in Langenhagen lassen Schulleiter in Hannover ratlos zurück. 

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Quelle: Symbolbild

Hannover. Bislang äußert sich nur der Anwalt der Eltern der beschuldigten Sechstklässler öffentlich. Die Schulleiterin und die Landesschulbehörde schweigen, um die betroffenen Schüler zu schützen, auch andere Eltern wollen nichts sagen. 

Schulleiter in Hannover tun sich deshalb schwer mit einer Einschätzung, weil viele Fragen nicht geklärt sind. Namentlich will ohnehin niemand genannt werden. Unsittliche Berührungen an Brust und Po seien auf alle Fälle ein grenzüberschreitendes Verhalten, das man ahnden müsse, heißt es. Die Frage sei nur, ob das gleich mit einem mehrmonatigen Unterrichtsausschluss geschehen müsse – möglicherweise sei das sogar kontraproduktiv. „Was sollen die Kinder den ganzen Tag machen?“, fragt einer, „herumsitzen und grübeln?“ Dann kämen sie möglicherweise erst recht auf dumme Gedanken. Weil viele Eltern berufstätig seien, könnten die Jungen ja auch gar nicht beaufsichtigt werden. Drei Monate seien für elfjährige Kinder eine sehr lange Zeit, den Anschluss an den Unterrichtsstoff in diesem Schuljahr würden sie auf alle Fälle verlieren. Ein paar Wochen Unterrichtsausschluss – etwa von der Klassenfahrt bis zur Klassenkonferenz – wären möglicherweise ausreichend gewesen.

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Weil sie Mitschülerinnen unsittlich berührt haben, sind zwei Elfjährige vom Unterricht ausgeschlossen. Ist das angemessen?

Statt des Schulwechsels wäre es eventuell besser gewesen, die Kinder in eine Parallelklasse zu überweisen, die nicht mit auf der Klassenfahrt war, sagen einige Schulleiter. Dies sei aber nur möglich, wenn keiner der Jungen schon einmal mit einer solchen Sanktion belegt worden sei. Eigentlich sei das Verhängen einer schärferen Strafe nur möglich, wenn sich die Elfjährigen in der Zwischenzeit eines weiteren Vergehens schuldig gemacht hätten, zum Beispiel durch Mobbing. Klassenkonferenzen sind für viele das letzte Mittel. „Sie können schnell zum Tribunal werden“, sagt ein Pädagoge. Für wirksamer hält er Einzelgespräche mit Schülern und Eltern.

Entscheidend für die Ahndungsmöglichkeit ist auch, ob die Jungen zum ersten Mal mit Taten dieser Art aufgefallen seien oder bereits Wiederholungstäter sind, heißt es. Sexuelle Belästigungen seien auf Klasenfahrten eher ein Randthema. Man müsse auch berücksichtigen, wie weit sich Elfjährige ihrer Taten bewusst seien. Nicht umsonst seien Kinder erst ab 14 Jahren strafmündig.

Als „unglücklich“ sehen es die Schulleiter an, dass die Eltern der beschuldigten Jungen per SMS über die Vorgänge informiert wurden. Besser sei immer eine direkte Kommunikation. Das hatten auch die Psychologen der Landesschulbehörde empfohlen. Die befragten Rektoren meinen: Wenn ein Kind sich auf einer Klassenfahrt massiv daneben benehme, müsse es sofort von den Eltern abgeholt werden.

Wenn Kinder frühreif sind

Schulpsychologen helfen: Immer wieder beklagen Eltern und Lehrer, dass Kinder immer frühreifer werden, auch in puncto Sexualität. Die Psychologen der Landesschulbehörde stehen hier mit Rat und Tat zur Seite. „Sexualität und sexuelle Grenzverletzungen spielen als Thema in der Beratung immer wieder eine Rolle“, heißt es. „In der Häufigkeit stechen diese Anfragen im Vergleich zu anderen Beratungsanlässen aber nicht hervor.“

Entgrenzung durch digitale Medien: Durch einen unreflektierten Zugang zu sexuellem Material – etwa im Internet – bestehe die Gefahr, dass die Jugendlichen vor und während der eigenen sexuellen Entwicklung und eigenen Erfahrungen mit „harter Pornografie“ belastet werden könnten, warnen die Psychologen. Zum anderen bestehe das Risiko, dass eigene Grenzen, zum Beispiel im Rahmen von Sexting, also sexuell aufgeladene Gespräche übers Mobiltelefon, verletzt werden können. Je mehr man aber über das Thema rede, desto eher wirke man auch einer Tabuisierung entgegen. Hierfür sei allerdings die Aufklärung und Reflexion seitens der Eltern unerlässlich.

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