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Aus der Stadt Wie malt man eigentlich ein Kinderbuch?
Hannover Aus der Stadt Wie malt man eigentlich ein Kinderbuch?
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20:41 23.01.2017
Von Jutta Rinas
Brockamp ist Illustratorin von Sachbüchern, solchen aus der Reihe „Wieso? Weshalb? Warum? Quelle: Ditfurth
Hannover

Holly Hosenknopf ist nicht ohne. Das sieht man ihr schon am frechen Gesichtsausdruck an. Die blonden Haare fallen ihr wild um den Kopf. Die knielange Jeans hat Schrammen im Stoff. Selbst der überdimensionale, namensgebende Hosenknopf signalisiert: Dieses Mädchen ist anders - und damit eine typische Figur von Meike Haberstock. „Wild, schräg, laut müssen sie sein - wie Kinder eben sind“, sagt die hannoversche Kinderbuchillustratorin über ihre Charaktere: „Ich finde es gut, wenn meine Figuren politisch unkorrekt sind.“ Warum eigentlich? Haberstock sagt lachend: „Welches Kind ist schon politisch korrekt?“

Gute Kinderbücher leben auch von ihren Bildern. Man bedenke die eigene Kindheit. Wer beispielsweise hat beim Gedanken an Astrid Lindgrens Geschichten aus Bullerbü nicht die Bilder der Estin Ilon Wikland vor Augen? Wer denkt bei Erich Kästners „Emil und die Detektive“ nicht gleich an Walter Triers in gleißendes Gelb getauchtes Cover mit den beiden um die Ecke lugenden Jungen? Prominent sind diese Künstler nicht. Dabei prägen sie - wenn sie gut sind - den Blick der Kinder auf die Welt.

Meike Haberstocks Blick auf die Welt ist einer, der von einer schier überbordenden Fantasie lebt. Nicht genug damit, dass die Frau, die erst seit etwas mehr als zwei Jahren Kinderbücher illustriert und schon zwölf Bücher bei so großen Verlagen wie Carlsen und Oetinger veröffentlicht hat, gerne verschiedene Typografien benutzt und verschiedenfarbige Sprechblasen wild über Buchseiten verteilt. Eine Bande höchst unkonventioneller Tiere spielt in ihrer „Holly“-Welt eine maßgebliche Rolle. Ausgerechnet Nilpferd Fee interessiert sich fürs Tanzen, für Schminke, für Glitzerkram. „Sie ist eben nicht so plump, wie man es von einem Nilpferd erwartet“, sagt Meike Haberstock und lacht schon wieder: „Ein kleines, dickes Nilpferd wie Fee trifft man nicht so oft.“

Die Figuren „kommen zu mir“

Wie entwickelt sie ihre Figuren? „Sie kommen zu mir“, sagt Haberstock schlicht. Eine ihrer Töchter heiße auch Holly, erzählt die Mutter dreier Kinder. Irgendwann habe sie das damals noch ganz kleine Zwillingskind angezogen und mit den Worten „Holly, nur der Hosenknopf fehlt noch“ beruhigt. Erst habe sie nur die Alliteration gemocht, dann sei plötzlich ein Bild von einem Mädchen in ihrem Kopf gewesen. „Das war der Anfang von Holly Hosenknopf.“

Ist es ihr wichtig, der Mädchenwelt von heute, in der die Farbe Rosa und die Frage nach dem Aussehen einen so großen Stellenwert einnehmen, etwas entgegenzusetzen? Sie habe keinen moralisch-pädagogischen Anspruch, sagt die 40-Jährige, die teilweise als reine Illustratorin arbeitet und manchmal - wie bei Holly - auch die Texte erfindet. Es sei ihr nur wichtig, dass der Blick von Kindern sich nicht auf die Prinzessinnenwelt beschränke: „Die Fantasie hat so viel mehr zu bieten.“

Bei Melanie Brockamp dagegen hat die Fantasie einen festen Rahmen. Ihre Kunst ist es, Figuren zu schaffen, die realitätsnah und zugleich nicht zu subjektiv sind. Figuren, in denen sich möglichst jedes Kind wiederfinden kann. Brockamp ist Illustratorin von Sachbüchern, solchen aus der Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ von Ravensburger beispielsweise. Die Reihe ist nach Verlagsangaben Deutschlands erfolgreichste Kindersachbuchreihe mit mehr als 20 Millionen verkauften Exemplaren - und heute fast in jeder Familie zu finden. Ein Sachbuch sei kein Abenteuerbuch, bei dem die Stimmung viel wichtiger sei als die Frage, ob der Apfel jetzt rund oder eher birnenförmig gezeichnet sei, betont Brockamp. Beim Sachbuch müssten kleinste Details stimmen: „Es bildet ja die Wirklichkeit ab.“ Brockamp hat beispielsweise den Ravensburger-Band zum Thema Prinzessinnen gestaltet. „Da musste ich genau darauf achten, dass die Perücken oder der Schmuck in die Zeit passen“, sagt die 43-Jährige. „Da kann ich kein Schleifchen machen, wo es mir gerade passt.“

Details müssen stimmen

Das Schöne an Brockamps Bildern ist, dass sie trotz der engen Vorgaben so lebendig sind. Auf der ersten Doppelseite des neuesten „Wieso? Weshalb? Warum?“-Bandes zum Thema Familie ist der Geburtstag einer Uroma dargestellt. Wie komplex die Verwandtschaftsverhältnisse über Großeltern, Eltern bis hin zu Enkeln sind - das soll schon ganz am Anfang durch die Gestaltung der verschiedenen Charaktere anklingen. Zugleich geht es darum, ein Gefühl für das Thema zu wecken, dass Familie eben nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen ist. Eine Frau ist schwanger, glücklich. Zwei Geschwister dagegen balgen sich wütend am Kaffeetisch. Wie fein Brockamp kleine Details abstimmt, zeigt ihre Arbeitsweise. Eine Figur aus dem neuen Ravensburger-Band über die Familie, gerade mal ein paar Zentimeter groß, hat sie mit Bleistift auf Transparentpapier gezeichnet. Als sie die winzige Brille verändern wollte, pauste sie die Figur ab - und setzte dem Mädchen auf der neuen Version stimmigere Guckgläser auf die Nase. Kein Wunder, dass die Mutter zweier Kinder auch Spezialistin für Wimmelbücher ist. Vier davon hat sie im Coppenrath-Verlag veröffentlicht: Sie sind mittlerweile in bis zu sieben Sprachen übersetzt, darunter Arabisch. Der Erfolg bewirkt, dass das Zeichnen für Brockamp, anders als für manch anderen Illustrator, keine brotlose Kunst ist: „Ich kann zurzeit ganz gut davon leben.“

Die Autorinnen

MelanieBrockamp, 
1973 in Rheda-Wiedenbrück geboren, studierte in Hannover Grafik-Design und arbeitete nach ihrem Diplom erst für einige Werbeagenturen. Ihr erstes Kinderbuch erschien 2002. Seither illustriert sie Kinderbücher für verschiedene Verlage. Ihr neuestes Buch „Rund um die Familie“ aus der „Wieso? Weshalb? Warum?-Reihe ist bei Ravensburger erschienen und kostet 14,99 Euro.

Meike Haberstock, 1976 in Münster/Westfalen geboren, brach erst ein Architekturstudium und später ihr Sozialpädagogikstudium in Berlin ab, um dann bei der renommierten Werbeagentur Springer & Jacoby als Texterin anzuheuern. Sie arbeitete viele Jahre in der Werbung, bevor sie sich den Kinderbüchern widmete. Seit vier Jahren lebt sie in Hannover. Von ihren Holly-Büchern gibt es mittlerweile zwei: Sie sind bei Oetinger erschienen und kosten 9,99 Euro.

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