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Aus der Stadt Wie sieht die Zukunft der Hort-Betreuung aus?
Hannover Aus der Stadt Wie sieht die Zukunft der Hort-Betreuung aus?
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00:15 17.06.2016
Von Saskia Döhner
In guten Händen: Die Hortgruppe am Mengendamm wird von Erzieherin Annika Maiwald betreut. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Finger weg von den Horten - keine Massentierhaltung für Grundschüler“, steht auf dem Plakat, das ein Mann auf der Zuschauertribüne im Freizeitheim Ricklingen zweieinhalb Stunden ungerührt hochhält. Bei der Anhörung des Jugendhilfe- und Bildungsausschusses geht es um eine bessere Verzahnung von Ganztagsgrundschulen und Horten und die Einbindung der Kooperationspartner. „Es war klar, dass es im Zuge der Ausweitung von Ganztagsschulen irgendwann auch um die Zukunfte der Horte gehen wird“, sagt SPD-Bildungsexperte Michael Klie. Es sei für Eltern nicht klar, warum eine Form der Nachmittagsbetreuung kostenlos sei und sie für die andere zur Kasse gebeten würden.

Für Peter Schulze vom Kita-Stadtelternrat liegt die logische Folge auf der Hand: „Die Horte müssen beitragsfrei gestellt werden.“ Und: „Die Qualität der Horte muss auf alle Fälle gehalten werden.“ Er verweist darauf, dass in Horten immer Erzieher oder Sozialassistenten für die Kinder zuständig seien. In den Ganztagsschulen sei dagegen nicht immer pädagogisches Fachpersonal im Einsatz. „Wir wollen Erzieher einstellen, aber der Bewerbermarkt ist leergefegt“, sagt Wolf Kohlstedt vom Stadtsportbund, der an der Grundschule Beuthener Straße (Mittelfeld), an der Henning-von-Tresckow-Grundschule (Wettbergen) und bald auch an der Grundschule Am Lindener Markt die Ganztagsbetreuung organisiert. Man versuche, wenigstens auf Sozialassistenten zurückzugreifen.

Die Albert-Schweitzer-Grundschule wird zum neuen Schuljahr eine vollgebundene Ganztagsschule - das Nachmittagsangebot ist Pflicht für alle Schüler, während an offenen Ganztagsschulen die Kinder an einem oder mehreren Nachmittagen teilnehmen können, aber nicht müssen. Jahrelang hatte das Land aus Kostengründen nur offene Ganztagsschulen genehmigt. Die rot-grüne Regierung hat sich den Ganztagsausbau auf die Fahnen geschrieben und erlaubt seit zwei Jahren auch die Gründung von verpflichtenden Ganztagsschulen.

Als Halbtagsschule habe man die Bedürfnisse der Familien nicht erfüllen können, sagt die kommissarische Leiterin der Albert-Schweitzer-Schule, Mechthild Aufderheide. Viele Kinder kämen aus bildungsfernen Schichten, könnten von ihren Eltern nicht unterstützt werden, und wenn Vater und Mutter berufstätig seien, fehle sowieso eine Bezugsperson. Zunächst arbeitete die Grundschule eng mit umliegenden Horten zusammen, aber die 160 Ganztagsplätze hätten für die 340 Schüler nicht ausgereicht. Seit 2011 kooperiert die Schule mit der Stadt und bietet an vier Tagen in der Woche Betreuung von 7 bis 17 Uhr.

Frank Post, der die Grundschule Fuhsestraße in Leinhausen leitet, eine offene Ganztagsschule, wirbt für eine bessere Verzahnung. „Wir haben zwei in sich geschlossene Systeme, die zwar unter einem Dach, aber sonst nebeneinander her arbeiten.“ So hätten die Mitarbeiter, die sich um die Nachmittagsangebote kümmerten, kein Stimmrecht in den schulischen Gremien, gemeinsame Konferenzen oder gegenseitige Vertretung seien nicht möglich. Zudem sei es auch wichtig, die räumlichen Voraussetzungen für Ganztagsangebote zu schaffen. In der Anhörung berichteten Kooperationspartner von Arbeitsgemeinschaften im Treppenhaus oder in Abstellräumen. Auch das Mittagessen müsse besser integriert werden, meint Post.

Lars Pohl von der CDU betont, die Eltern müssten die Wahl haben. Wer sein Kind in einen Hort geben möchte, dürfe nicht in eine Ganztagsschule gezwungen werden.

Zahlen und Fakten

17.000 Schüler besuchen in Hannover eine von 60 Grundschulen, 33 haben bereits einen Ganztagsbereich für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren. Es gibt auch 13 schulergänzende Maßnahmen, vier Grundschulen mit „Feuertopfmaßnahmen“ und drei Grundschulen im Programm „Schule im Stadtteil“. Insgesamt werden im Ganztagsschulangebot 6544 Kinder betreut. Demgegenüber stehen 4146 Grundschulkinder im Hort. In der Tagespflege befinden sich weitere 82 Schulkinder. Die Betreuungsquote in Ganztag und Hort beträgt derzeit insgesamt 63,4 Prozent. Den Bedarf schätzt die Stadt auf 78 Prozent. 

„Der Ganztag ist kein Ikea-Kinderland“

Nachgefragt bei Rita Maria Rzyski, Schuldezernentin

Frau Rzyski, Sie wollen eine Qualitätsoffensive in der Schulkinderbetreuung starten. Der Grundgedanke der Zusammenlegung von Horten und Grundschulen ist aber nicht mehr Qualität, sondern Einsparung – 10 Millionen Euro in 10 Jahren ...

Grundgedanke ist, die Qualität zu steigern und zwar unter anderem darüber, dass wir ein Konzept für die Schulkinderbetreuung erstellen, das die Qualitäten von Hort und Ganztagsgrundschule sinnvoll aufeinander bezieht und verbindet. Dabei geht es auch darum, die ganztägige Betreuung, so weit wie möglich und sinnvoll, am Standort Schule zu lokalisieren. Wenn wir weiterhin so verfahren, dass wir die Schulen nur am Vormittag nutzen und für den Nachmittag extra Räume vorhalten, werden wir das auf Dauer weder baulich, noch finanziell und personell stemmen können.

Wieso?

Wir haben im Moment rund 17000 Kinder in der Grundschule. Wenn wir davon ausgehen, dass davon rund 80 Prozent ganztags betreut werden sollen, ist klar, dass wir nicht für alle neue Räumlichkeiten finden oder sogar neu bauen können. Das wäre zu teuer und vor dem Hintergrund des angespannten Wohnungsmarktes gar nicht realisierbar. Außerdem würde es Kindern im Stadtgebiet Freiflächen zum Spielen nehmen. Wir müssen die Raumressource Schule also ganztägig nutzen. Das ist sinnvoll und spart Geld.

Am Ganztag gibt es bislang viel Kritik. Zum Beispiel die starren Öffnungszeiten.

Es ist wichtig, dass Kinder in Ruhe an Angeboten teilnehmen können. Wenn sie zum Beispiel zum Arzt müssen, können Eltern sie natürlich auch schon früher abholen. Allerdings: Ganztag ist kein Ikea-Kinderland. Wichtig ist aber auch, dass nicht mehr starr vorgeschrieben wird, wann Kinder im Ganztag sind. Der Erlass sieht ein Betreuungsangebot von maximal acht Stunden vor. In diesem Rahmen müssen die Schulen flexibler sein können.

Horte bieten auch Betreuung in den Ferien und an Brückentagen.

Das sind Qualitätsmerkmale, die wir übertragen haben. Wir sehen die Schulkinderbetreuung künftig als Paket, das die Bedürfnisse der Eltern gut aufnimmt, die Kompetenzen des Hortes nicht vernachlässigt und das Angebotsprofil der einzelnen Schulen schärft.

Eine weitere Kritik: Der Ganztag bietet AGs, aber keine verlässlichen Ansprechpartner.

Der Ganztag bietet beides. In jeder Ganztagsschule gibt es Betreuer, die ganztägig da sind. Das AG-Band wird gestaltet von Experten, die ihr Thema sehr kompetent vermitteln. Diese Bandbreite an fachlicher Expertise kann letztlich nur über die Einbeziehung von Theaterpädagogen, Designern, Kunstpädagogen oder Sportlern in den Ganztag eingebracht werden.

Was leistet Ihre Qualitätsoffensive noch?

Wir wollen ein Musterkonzept entwickeln, das flexibler auf die Bedarfe der Schulen reagiert. Im Moment ist es beispielsweise nicht möglich, dass Mitarbeiter des Kooperationspartners an Schulkonferenzen teilnehmen. Das hat arbeitsrechtliche Gründe. Schulleiter und Mitarbeiter wünschen sich so etwas aber, um sich besser direkt absprechen zu können. Da wollen wir ausloten, was möglich ist.

Interview: Jutta Rinas

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