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Aus der Stadt Wie sind die Zustände im Deutschen Pavillon nun?
Hannover Aus der Stadt Wie sind die Zustände im Deutschen Pavillon nun?
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20:11 19.05.2016
Von Conrad von Meding
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Hannover

Was stimmt denn nun? Zahlreiche Flüchtlinge im Deutschen Expo-Pavillon haben am Mittwoch demonstriert, weil sie mit acht bis neun weiteren Personen in einem Zelt schlafen müssten - und das über viele Monate hinweg. Die Stadt wiederum beteuert, das Gebäude sei derzeit nur etwa zur Hälfte belegt - woraus man schließen könnte, dass auch die Zelte nicht voll belegt sein müssen. Aufklärung aus erster Hand ist nicht möglich: Die Stadtverwaltung hat der HAZ auch Donnerstag trotz mehrfacher Nachfragen wieder strikt den Zutritt zu dem Gebäude untersagt.

Die Flüchtlinge selbst kennen solche Probleme nicht. Für die HAZ haben Kefah Alheraki (29) und seine Freunde Ahmad, Dyar und Mohammed Fotos aus dem Inneren gemacht. Sie zeigen beengte Wohnverhältnisse. Betten, die mit Laken so abgeschirmt sind, dass zumindest etwas Privatsphäre möglich ist. Dyar Omr wohnt mit insgesamt acht jungen Männern in einem Zelt. Neun scheint derzeit die Maximalbelegung zu sein, vor einigen Wochen waren es aber angeblich auch mal zwölf. Man versuche, eine gleichmäßige Verteilung zu erreichen, sagt Nadine Hunkert vom DRK, das die Notunterkunft betreibt. Von 410 Plätzen seien derzeit 210 in Nutzung. Ob es aber derzeit Maximalbelegungen in Zelten gebe, dazu gibt es keine Auskunft.

Alles scheint sauber - aber woher kommen dann die Mäuse, deren der Kammerjäger einen Monat lang nicht Herr wird, obwohl er alle zwei Tage im Haus ist? „Aus der Kanalisation“, sagt Kefah. Die flinken Tiere wuselten über den Boden. Nicht eine Maus oder zwei seien es, sondern viele, sagt Mohammed Chaban. Sogar eine Ratte sei gesichtet worden, nachts auf den Zuckertöpfen in der Kantine, heißt es. Die Stadt bestreitet, dass Ratten im Haus sind - die Flüchtlinge aber zeigen ein Foto von einer großen Nagerfalle, die Donnerstag aufgestellt worden sein soll.

Der Zutritt in die Flüchtlingsunterkunft im Deutschen Pavillon ist für Journalisten verboten. Nun haben Flüchtlinge selbst Fotos von ihrem Alltag gemacht und sie der HAZ zu Verfügung gestellt.

Aus den jungen Männern sprudeln die Geschichten förmlich heraus. Keinesfalls wollten sie missverstanden werden. Glücklich und dankbar seien sie für die Sicherheit in Deutschland. Vor allem nage die Perspektivlosigkeit ihrer Situation an ihnen. Kefah Alheraki kommt aus Daraa, einer Stadt nahe Damaskus. Er habe „Petroleum-Engineer“ studiert, ist aber kurz vor dem Abschluss vor dem Krieg geflohen. In Deutschland habe er sich ein neues, freies Leben aufbauen wollen.

„Aber jetzt bin ich seit neun Monaten hier“, sagt er: „Ich darf keinen Sprachkurs besuchen, ich darf nicht arbeiten, nicht studieren, nicht mal einen Termin für meinen Asylantrag gibt es.“ Und dann diese ewige Enge in der Notunterkunft.

„Wir wären froh, wenn wir wenigstens in Container umziehen dürften“, sagt sein Bruder Ahmad: Das sei dann zwar auch keine Wohnung, „aber da kann man eine Tür schließen“.

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