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Wie wird Garbsen zur Studenten-Stadt?

Neuer Campus Wie wird Garbsen zur Studenten-Stadt?

Die Maschinenbau-Fakultät der Leibniz-Universität verlässt 2019 Hannover. Studenten überlegen mit dem Freundeskreis Garbsen, wie sich das Leben und Arbeiten dann gestalten lässt.

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Ideen sammeln für Garbsen: Christian Koch, Julia Wöhler, Carsten Eggert, Lorenz Lünsmann, Hannes Fischer und Holger Bahl (von links).

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Es ist ein gewaltiger Schritt für die Leibniz-Universität. Im Herbst 2019 verlässt die Fakultät für Maschinenbau die Nordstadt komplett und bezieht einen neuen eigenen Campus in Garbsen vor den Toren Hannovers. Doch den Studenten erscheint die Aussicht alles andere als verlockend. „Viele Erstsemester gehen auch wegen des Studentenlebens in eine Stadt. Und das ist in Garbsen einfach nicht so etabliert“, sagt Masterstudent Hannes Fischer. Den 25-Jährigen selbst betrifft der Umzug zwar gar nicht mehr. Dennoch engagiert er sich mit einigen Mitstudenten, um die Bedingungen für nachfolgende Studis zu ebnen.

Bikesharing in Garbsen?

Warum nicht zum Beispiel ein Bikesharing anbieten, damit Studenten besser zum neuen Campus kommen? Die Gruppe hat bereits einige Ideen zusammengetragen, wie das Studieren in Garbsen angenehmer werden könnte, denn neue Gebäude allein werden dazu nicht ausreichen. Angestoßen hat die Gesprächsrunde der Freundeskreis Garbsen, ein rühriger Bürgerverein, der auch einige Professoren in seinen Reihen hat.

Holger Bahl, der stellvertretende Vereinsvorsitzende, trifft sich seit rund einem Jahr regelmäßig mit der Gruppe. Der Freundeskreis hatte Widerstände gespürt gegen die eigene Stadt, auch unter Professoren. Bahl lotet nun aus, was die Studenten wünschen und was davon vielleicht machbar ist.

Technische Institute vereint

Tatsächlich birgt der neue Campus einige Nachteile. Zwar verspricht er durch neue Ausstattung optimale Arbeitsbedingungen. Und vor allem kommen die Maschinenbauer endlich wieder an einem Standort zusammen. Denn sieben von 18 Instituten haben bereits 2004 als Produktionstechnisches Zentrum (PZH) Neubauten in Garbsen bezogen.

Campus mit Nachteilen

Allerdings werden die Studenten künftig in Randlage „auf der grünen Wiese“ lernen, eingerahmt von Bundesstraße und Autobahn. „Aus unserer Sicht wäre ein Standort in Hannover optimal, aber der Zug ist ja lange abgefahren“, meint Masterstudent Fischer. Die Planungen reichen tatsächlich Jahrzehnte zurück. Es gibt Stimmen, die sagen, Hannovers Stadtspitze habe es damals verpasst, die Uni bei der Grundstückssuche ausreichend zu unterstützen.

Manchen in der Gesprächsrunde ist das Uni-Gelände in Garbsen bereits wohlvertraut. „Wir wissen, wie nervig es ist, von der eigenen Haustür bis dort 45 bis 50 Minuten zu brauchen“, berichtet Masterstudent Christian Koch. Von der Stadtbahn bis zum Campus dauert es rund 15 Minuten zu Fuß. Die Region will eine Buslinie einrichten. „Ein Bus reicht zu den Hauptzeiten aber nicht aus“, gibt Koch zu bedenken.

Pendeln, selbst aus Garbsen

Pendeln müssen zukünftige Maschinenbau-Studenten auf jeden Fall, selbst wenn sie in Garbsen wohnen. Denn dort wird es keinen Saal für die großen Erstsemestervorlesungen mit rund 500 bis 700 Studenten geben. „Hier können wir von unserer Fakultät im Otto-Klüsener-Haus aus noch jeden Hörsaal in fünf bis zehn Minuten erreichen“, berichtet Lorenz Lünsmann. Die Leibniz-Uni will die Lehrveranstaltungen künftig so planen, dass die Studenten tageweise entweder in Garbsen oder in Hannover lernen.

Die Maschinenbauer sind keineswegs ein kleiner Haufen, eher eines der Herzstücke im Uni-Betrieb: Von den 27.600 Studenten der Leibniz-Uni beschäftigen sich inzwischen 4000 mit Themen wie Energietechnik, Industrieanlagen und der Digitalisierung von Produktionsabläufen. Die Forscher der Fakultät werben den größten Anteil an Drittmitteln für die Hochschule ein.

Ziel: engerer Austausch

Uni-Präsident Volker Epping setzt darauf, dass die Zusammenführung der Maschinenbau-Fakultät durch den engeren Austausch der Mitarbeiter einen weiteren Schub für die Forschung bringt. Seit 2004 hat sich die Zahl der Maschinenbau-Studenten verdoppelt. Auch deshalb sind die Neubauten dringend notwendig. Auf die frei werdenden Gebäude in Hannover warten längst andere Fakultäten, die ebenfalls angewachsen sind. „Wir mieten in der Nordstadt alles an, was wir bekommen können“, berichtet der Uni-Präsident.

Die Maschinenbau-Studenten haben unterdessen bei ihrem Sommerfest jüngere Kommilitonen nach deren Wünschen für Garbsen gefragt. Öffentliche Grünflächen in Campusnähe fielen den Studenten ein. „Sie wollen grillen oder bei gutem Wetter draußen lernen, wie jetzt im Georgengarten“, berichtet der 25-jährige Carsten Eggert. Eine studentisch geführte Kneipe auf dem Campus, Verpflegungsmöglichkeit bis in den Abend, Sport, eine Buslinie nach Garbsen, ausreichend Arbeitsräume und ein gefördertes Wohnheim stehen auf der langen Liste. Und eine Dusche für Radfahrer, die verschwitzt am Campus ankommen.

Manches lasse sich vielleicht erreichen, sagt Julia Wöhler, allerdings werden in Garbsen die Studenten anderer Fächer fehlen. Christian Koch nickt. „Es wird nicht möglich sein, das Nordstadt-Feeling zu kopieren.“

149-Millionen-Projekt

Auf neun Hektar entsteht seit 2016 in Garbsen ein komplett neuer Campus für die Maschinenbau-Fakultät der Leibniz-Uni. Land und Bund lassen sich die acht Neubauten inklusive Einrichtung 149 Millionen Euro kosten. Mit den bereits seit 2004 dort angesiedelten sieben Instituten des Produktionstechnischen Zentrums (PZH) sind dann alle 18 Institute der Maschinenbauer wieder an einem Ort vereint. 5300 Studenten und Beschäftigte werden vom Wintersemester 2019/2020 an in Garbsen lernen und arbeiten. Eine Erweiterungsfläche steht für ein Studentenwohnheim und eine Kita bereit.
bil

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