Grünes Licht für den Wiederaufbau des Schlosses in Herrenhausen: Die Genehmigung zum Einrichten der Baustelle ist jetzt erteilt worden, sodass bereits am Montag die Arbeiter anrücken und einen Zaun um den Ehrenhof im Großen Garten ziehen. In den folgenden Wochen rollen Bagger an, um die Erde bis zu zwei Meter tief auszuheben. Zudem herrschte gestern große Freude in der Stadtverwaltung.
Wegen einer Spende des Arbeitgeberverbands NiedersachsenMetall in Höhe von rund 1,25 Millionen Euro kann nun der unterirdische Trakt, der die beiden Flügel des Schlosses verbinden soll, gebaut werden. Dadurch gewinnt die Stadt voraussichtlich weitere 250 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Für die Seitentrakte, die ebenfalls als Museen dienen, kalkuliert die Stadt mit einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern. „Die großzügige Unterstützung des Verbandes der Metallindustriellen wird den Wissenschafts- und Kulturstandort Hannover stärken“, sagte Oberbürgermeister Stephan Weil am Freitag.
Auch Kulturdezernentin Marlis Drevermann und Thomas Schwark, Direktor des Historischen Museums, zeigten sich gleichermaßen „hocherfreut“ über die neuen Ausstellungsmöglichkeiten. „In dem vom Tageslicht weitgehend abgeschirmten unterirdischen Trakt haben wir die Möglichkeit, lichtempfindliches Kulturgut wie Pergamente und Textilien auszustellen“, sagte Schwark. Ob dort tatsächlich Exemplare der Leibniz-Handschriften gezeigt werden, wie zunächst diskutiert worden war, ließ der Museumschef offen.
Wie berichtet, investiert die Volkswagenstiftung 20 Millionen Euro in das neue Schloss, das nach den Plänen des Hamburger Architekturbüros Jastrzembski Kotulla errichtet wird. Während die Fassade dem historischen Original von Baumeister Georg Laves nachempfunden wird, entsteht im Inneren des Haupttraktes ein hochmodernes Zentrum für wissenschaftliche Tagungen. „Das wird ein Tagungsort von europäischem Rang“, sagte Jens Rehländer, Sprecher der Volkswagenstiftung.
Allein die Bewohner des Pagenhauses sehen dem Baustart mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn die Zufahrt zur Baustelle soll jetzt doch über die Alte Herrenhäuser Straße laufen. Die Alternative, einen Weg über die Gleise entlang der Herrenhäuser Straße zu ebnen und die Baumaschinen direkt zum Ehrenhof zu führen, sei zu aufwendig, sagte Rehländer. Die Anwohner befürchten, dass bei geschätzten 1000 Fahrten von tonnenschweren Lastwagen allein bis Dezember das jahrhundertealte Pagenhaus Schaden nimmt. „Wir haben vereinbart, dass die Lkw mit geringer Geschwindigkeit fahren“, sagte Rehländer. Zudem wolle man sich mit den Anwohnern im Winter noch einmal zusammensetzen, um eventuell entstandene Probleme zu besprechen. „Gut ist, dass sich die Bauleitung bei uns im Pagenhaus einquartiert“, sagte Anwohner Nikolaj Georgiew. Dann sei der Beschwerdeweg nicht so weit.
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