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Aus der Stadt „Wir fühlen uns wie Versuchsaffen“
Hannover Aus der Stadt „Wir fühlen uns wie Versuchsaffen“
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00:17 07.02.2018
„Hier werden Menschenaffen dauerbegast": Anwohner Jürgen Hosang hat das Plakat an der Podbi aus dem Fenster gehängt.  Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

 „Hier werden Menschenaffen dauerbegast“, steht in großen Buchstaben auf dem Transparent an einem Mehrfamilienhaus an der Podbi. Den sarkastischen Spruch hat Anwohner Jürgen Hosang entworfen und in Plakatform an die Hauswand installiert. Tausende Autos und Lkw dieseln täglich vor seinen Fenstern. „Wenn Affen mit Autoabgasen begast werden, regt sich die Nation auf, bei uns aber offenbar nicht“, sagt Hosang. 

Vor der Podbi 105 befindet sich die Ampelkreuzung Vier Grenzen, morgens quält sich trotz Umweltzone der Verkehr stadteinwärts, nachmittags stadtauswärts, und auch zwischendurch ist Dauerstau. „Wenn die Lkw an der Ampel anfahren, dann bekommen wir hier ziemlich etwas ab“, sagt Hosang. Lüften sei quasi überflüssig: Es komme mehr Dreck in die Wohnung als Frischluft. Der 39-jährige Sozialarbeiter hat sich in den vergangenen Wochen ziemlich darüber geärgert, dass das Schicksal von Versuchsaffen die Schlagzeilen bestimmten, die für fragwürdige Tests der Autolobby mit Dieselabgasen gequält wurden. Die will er nicht gutheißen – „aber wir haben das Problem hier täglich“, sagt er. 

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Jürgen Hosang wohnt an der Podbielskistraße und hat ein Transparent mit der Aufschrift „Hier werden Menschenaffen dauerbegast“ aus dem Fenster gehängt. An der Ampelkreuzung Vier Grenzen vor seiner Haustür staut sich oft der Verkehr, dann dieseln die Fahrzeuge vor sich hin.

Mit dem Plakat wolle er zeigen, dass auch die menschlichen Verwandten des Affen derartigen Versuchen ausgesetzt sind. „Wir haben leider das Gefühl, dass die Politik zu wenig für die betroffenen Bürger tut, sondern sich vor allem um die Interessen der Automobilkonzerne kümmert“, sagt Hosang. Dabei ist er kein rigoroser Autogegner. „Ich fahre selbst einen VW-T4, sogar mit Dieselmotor“, sagt Hosang, „aber ich nutze ihn wirklich nur, wenn es nötig ist – wenn ich ihn für Transporte brauche und für längere Strecken“ 

Vor den Fenstern von Hosang gibt es nicht nur Autoverkehr, sondern auch eine Stadtbahntrasse. Geht es nach dem Sozialarbeiter, dann würde die Politik mehr Anreize schaffen, auf öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. „Billiger müsste er werden, aber vor allem auch attraktiver ausgebaut werden“, sagt Hosang. Rund um die Uhr in dichten Takten fahren, auch an Wochenenden, dazu besser mit Park- und Ride-Abstellplätzen für Autos verzahnt werden: „Das Angebot an Bussen und Bahnen müsste so gut sein, dass es sich nicht mehr lohnt, mit dem Auto in die Stadt zu fahren.“ 

Vor allem aber will der List-Bewohner mit seinem Plakat auf die Gesundheitsgefährdung für Anwohner aufmerksam machen. Was gelungen ist: Das Transparent, ausgedruckt auf Din-A-4-Endlospappier und in Handarbeit laminiert, ist ein echter Blickfang.

Von Conrad von Meding

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