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Wird bald mehr an Hannovers Schulen saniert?

Streitpunkt Sanierungsstau Wird bald mehr an Hannovers Schulen saniert?

Schimmel, Raummangel, alte Ausstattung - Schulleiter und Eltern beklagen den Sanierungsstau an Hannover Schulen. Nun reagiert Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski auf die Vorwürfe. Freitag will sie mit Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette ein Investitionssonderprogramm vorstellen.

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Bilder wie aus unterschiedlichen Jahrhunderten: In der Tellkampfschule wird Physik teils in Räumen gelehrt, die wie aus der Zeit gefallen wirken.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Marode Toiletten, veraltete Naturwissenschaftsräume, einsturzgefährdete Gebäudetrakte: An Hannovers Schulen liegt, wie die HAZ berichtete, vieles im Argen, wie die Klagen von Schulleitern und Eltern eindrucksvoll belegen. „Wenn die Stadt jetzt allein für den Brandschutz einen zweistelligen Millionenbetrag einplant, kann das nicht nur an neuen Vorschriften liegen“, argwöhnt Ralf Kühnbaum-Grashorn, Elternvertreter im Schulausschuss. Der engagierte Vater beklagt die Vernachlässigung von Schulgebäuden und kritisiert, dass Sanierungsschritte oft nur scheibchenweise erfolgen.

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Hannovers Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski wehrt sich gegen Vorwürfe, dass die Sanierung von Schulen vernachlässigt wird. Was denken Sie?

Ein Paradebeispiel dafür ist die Tellkampfschule: Die Außensanierung sei bereits 2001 abgeschlossen worden, berichtet der stellvertretende Leiter Bernhard Bock. Seitdem passierte in Abständen immer mal wieder etwas. Dennoch bröseln die Holzfenster. Im Lehrerzimmer und dem Büro der Schulleiterin wird aktuell versucht, den Schimmel zu bekämpfen, der bei Kollegen bereits zu gesundheitlichen Problemen geführt habe, sagt Bock.

Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski, erst seit Kurzem im Amt, räumt ein, dass die Mittel für die Schulsanierung begrenzt seien. Dennoch wehrt sie sich gegen die Vorwürfe. „Zu sagen, dass wir nichts machen, ist ein heftiger und ungerechter Angriff.“ Freitag wollen Rzyski und Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette ein Investitionssonderprogramm vorstellen, das zumindest zum Teil den Schulen zugute kommen soll. „Die Kollegen engagieren sich sehr intensiv. Die Schulen sind uns nicht egal, ganz im Gegenteil“, betont Rzyski.

Fachleute aus dem Bereich Gebäudemanagement verweisen regelmäßig auf das arg begrenzte Budget für Sanierung und Ausbau der 105 städtischen Schulen und noch deutlich mehr Kitas – und das nicht nur hinter vorgehaltener Hand, sondern durchaus auch auf öffentlicher Bühne im Schulausschuss. Die Gewichtung im Haushalt liegt aber in der Entscheidung der Ratspolitiker, der Vorschlag in der Hand des Kämmerers.

Schuldirektoren, Eltern und die politische Opposition beklagen dass es einen massiven Sanierungsstau an Hannovers Schulen gibt. Auch an der Humboldtschule sind laut dem Direktor Henning Lawes Renovierungen nötig.

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Zuletzt führte Jörg Gronemann, stellvertretender Leiter des Fachbereichs, im November aus, eine Liste von Sanierungsprojekten an Schulen mit hoher Priorität lasse sich auch mit dem vom Kämmerer bereits angekündigten Sonderprogramm nicht abarbeiten. Im normalen Investitionsplan stehen von 2016 bis 2019 jedes Jahr rund 45 Millionen Euro, allerdings auch für andere städtische Gebäude wie Feuerwachen und das Theater am Aegi. Größere Posten sind Arbeiten an Goetheschule (25 Millionen) und IGS Südstadt (17 Millionen). Für den Ganztagsausbau an Grundschulen sind 33 Millionen veranschlagt. Priorität haben, wie Gronemann betonte, Pflichtaufgaben: Brandschutz sowie ausreichend Platz an Kitas und Schulen.

Neben den Problemen durch aufgeschobene Sanierungen stehen jetzt – wieder einmal – konkurrierende Anforderungen ins Haus. Im vergangenen Sommer konnte die angewachsene Schar der neuen Fünftklässler nur mit Ach und Krach an den Gymnasien untergebracht werden. „Im Grunde ist der Platz jetzt ausgereizt“, sagt Karl-Heinz Heinemann, Sprecher der Gymnasialleiter. Brigitte Helm, Leiterin der Sophienschule, rechnet damit, dass ihr ab 2017 Räume fehlen. Dennoch hat der Rat einem geplanten Neubau für das Gymnasium, der frühestens 2019 fertig würde, noch nicht zugestimmt. Ab 2020 brauchen etliche Schulen Anbauten, weil die Schüler ein Jahr länger am Gymnasium bleiben. Das betreffe auch bereits komplett sanierte Schulen, sagt Beate Günther, Sprecherin der Gymnasialleiter.

Eltern fordern Abbau des Sanierungsstaus

Im Laufe der vergangenen Jahre hat die Stadt einige ihrer 105 Schulen saniert oder sogar mit neuen Gebäuden und Anbauten bestückt. „Wenn die Stadt saniert, macht sie das sehr nachhaltig“, betont Beate Günther, Leiterin der Schillerschule und Sprecherin der Gymnasiumsrektoren. Nur bis es zur Sanierung komme, dauere es oft geraume Zeit. Abgeschlossen sind umfangreiche Arbeiten zum Beispiel an Elsa-Brändstöm-Schule, Bismarckschule, Lutherschule, Ricarda-Huch-Schule. Zur Finanzierung besonders umfangreicher Projekte greift die Stadt auf einen Haushaltstrick zurück. Die Neubaukosten für die IGS Mühlenberg von 65 Millionen Euro streckte die städtische Tochter GBH vor, die Stadt zahlt dafür 30 Jahre lang per Miete ab. Die Union Boden GmbH hat bei der Sanierung von Leibnizschule und Teilen der IGS List rund 32 Millionen Euro investiert.

Die Elternsprecher im Schulausschuss fordern eine Aufstellung der erfolgten und der ausstehenden Sanierungen – und Vorschläge zum Abbau des Sanierungsstaus. „Wir wollen wissen, wo wir stehen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum Projekte verschoben und andere vorgezogen werden“, sagt Ralf Kühnbaum-Grashorn.

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