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Wird das Ihme-Zentrum doch abgerissen?

Analyse der Stadt Wird das Ihme-Zentrum doch abgerissen?

Die Stadt spielt derzeit verschiedene Szenarien zur Zukunft des Ihme-Zentrums durch – dabei ist jetzt auch von einem möglichen Abriss die Rede. Die Stadt hat dem Investor des Gebäudekomplexes ein Ultimatum gestellt und droht mit dem Auszug, wenn nicht bis Ende des Jahres ein Konzept zur Sanierung vorliegen sollte.

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Die Zukunft des Ihme-Zentrums ist ungewiss.

Quelle: dpa

Hannover. Die Stadt kalkuliert bei ihren Überlegungen zur Zukunft des Ihme-Zentrums auch den Abriss des gesamten Komplexes ein - und zwar auf eigene Kosten. Das geht aus einer ausführlichen Analyse hervor, die seit Mittwoch einsehbar ist. In dem Papier spielt die Verwaltung die verschiedenen Varianten für den Bau durch.

Am Dienstag hatte die Stadt dem Investor des Ihme-Zentrums ein Ultimatum gestellt: Wenn er nicht bis Jahresende ein schlüssiges Sanierungskonzept vorlegt, zieht die Verwaltung ihre dort eingemieteten Fachbereiche ab. In dem Strategiepapier spielt die Stadt das Szenario weiter durch: Wie die Stadt würden sich auch die Stadtwerke zurückziehen. Wenn sich kein anderer Büromieter für die von Stadt und Stadtwerken gemieteten 56 000 Quadratmeter Bürofläche finde, was angesichts eines Sanierungsstaus von geschätzten 70 Millionen Euro unwahrscheinlich ist, dann müssten die gut 550 privaten Wohnungseigentümer für die Gewerbeareale jährliche Hausgeldzahlungen in Millionenhöhe übernehmen.

Das werde sehr kurzfristig zu vielen Privatinsolvenzen führen, sodass über einen Dominoeffekt bald auch Sanierungen nicht mehr bezahlt werden könnten. Als Konsequenz wäre das Ihme-Zentrum bald „nicht mehr verkehrssicher zu betreten“, heißt es im Bericht. Die städtische Bauaufsicht könne dann erst die Nutzung untersagen, danach den Abriss anordnen und diesen, falls die Wohnungseigentümer ihn nicht bezahlen können, auch selbst „vollstrecken“.

Andere Szenarien rechnen unter anderem den Erwerb von Mehrheiten im Ihme-Zentrum durch, kommen aber zu dem Schluss einer „für die nächsten 30 Jahre zu erwartenden Gesamtbelastung von 189 Millionen Euro“ zuzüglich kurzfristiger Investitionskosten von etwa 50 Millionen Euro. Eine Beteiligung der Stadt an dem Großgebäude sei „dauerhaft nicht wirtschaftlich darstellbar“. Die Idee, stattdessen über städtische Tochtergesellschaften wie die GBH oder die Stadtwerke die Anteile zu erwerben, führe auch nicht weiter, weil in den Unternehmen „die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes verpflichtet, die Übernahme unwirtschaftlicher Geschäfte auszuschließen“.

"Dann ist das Ihme-Zentrum für einen Euro zu haben"

Die Auszugsdrohung der Stadt hat in der Kommunalpolitik derweil ein unterschiedliches Echo ausgelöst. Während SPD und Grüne wie erwartet die Strategie der Stadtspitze stützen, kritisiert die CDU den Kurs. Einen Investor öffentlich unter Druck zu setzen sei „wenig hilfreich“, sagt CDU-Fraktionschef Jens Seidel. Der Stadt fehle zudem jegliche Strategie, wie sie mit dem Ihme-Zentrum langfristig umgehen wolle. Der Bezirksbürgermeister von Linden, Rainer-Jörg Grube (Grüne), versteht zwar die Verärgerung von Oberbürgermeister Stefan Schostok, fürchtet aber: „Wenn Stadt und Stadtwerke tatsächlich ausziehen, ist das Ihme-Zentrum für einen Euro zu haben.“

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Ist es richtig von der Stadt, beim Ihme-Zentrum jetzt ein Ultimatum zu setzen?

Die Stadt hat schon jetzt ihre Mietzahlungen mit Hinweis auf schwere Mängel am Gebäude um 15 bis 20 Prozent gekürzt und nun am Mittwoch angekündigt, einen Auszug der städtischen Mitarbeiter aus der Immobilie prüfen lassen zu wollen. Die Ratsgremien müssen dem Plan zustimmen. Die Stadtwerke, deren gemietete Büros im Ihme-Zentrum ebenfalls marode sind, sind schon weiter. Dort hat der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Kämmerer Marc Hansmann eine Million Euro bewilligt, um Auszugsszenarien konkret durchzuplanen und zum Beispiel Neubauten auf den anderen Stadtwerke-Grundstücken an der Glocksee und in der Ricklinger Stammestraße zu prüfen.

FDP-Ratsfraktionschef Wilfried Engelke findet die Strategie des Oberbürgermeisters richtig, endlich Druck auszuüben. „Ich fürchte nur, dass alles ein zahnloser Tiger bleiben wird - denn wo will die Stadt denn kurzfristig 26 000 Quadratmeter Bürofläche für ihre Fachbereiche herbekommen?“ Die Analyse der Stadt nennt dazu keine Details - klar wird aber, dass auch ein Auszug teuer wird. Selbst ohne Mietminderung sind die Büros im Ihme-Zentrum mit rund 7,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter deutlich günstiger als vergleichbare Büros in Hannover.

Sorge ums Maritim

„Der Haupteigentümer des Ihme-Zentrums hat auch das Maritim Grandhotel in der Innenstadt gekauft“, sagt FDP-Mann Engelke. „Auch dort geht es unter fadenscheinigen Begründungen nicht voran.“ Die Stadt hat das Gebäude für gut fünf Millionen Euro bis 2018 als Flüchtlingsunterkunft gemietet. Später soll es zum neuen Hotel umgebaut werden. Engelke fürchtet, „dass der Investor es stattdessen verfallen lässt.“

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