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Aus der Stadt Wie integer war der Star-Chirurg?
Hannover Aus der Stadt Wie integer war der Star-Chirurg?
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00:15 13.10.2015
Von Simon Benne
Der Sauerbruchweg in Groß-Buchholz ist nach dem Chirurgen Ferdinand Sauerbruch (1875–1951) benannt, dem vorgeworfen wird, wissentlich medizinische Versuche an Menschen mindestens in Kauf genommen zu haben. Quelle: HAZ
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Hannover

Ein selbstloser Menschenfreund. Ein väterlicher Typ von hohen ethischen Graden. So lernten Millionen Deutsche Ferdinand Sauerbruch kennen, als 1954, drei Jahre nach dem Tod des weltberühmten Chirurgen, dessen verfilmte Biografie „Sauerbruch – Das war mein Leben“ in die Kinos kam. Vielleicht auch deshalb sind viele jetzt überrascht, dass der Beirat zur Überprüfung von Straßennamen unlängst empfohlen hat, den Sauerbruchweg in Groß-Buchholz umzubenennen – wegen Verstrickungen des Mediziners in der NS-Zeit.

„Wenn der prominente Dr. Sauerbruch wirklich schwere Schuld auf sich geladen hätte, wäre das schon 1959 so bekannt gewesen, dass man den Weg gar nicht nach ihm hätte benennen dürfen“, sagt Bärbel Schubert, die seit 45 Jahren im Sauerbruchweg lebt. Tatsächlich liest sich die Stellungnahme des Beirats nicht wie ein Urteil über einen NS-Haupttäter: Sauerbruch war „weder Parteimitglied noch Antisemit und hielt bis zuletzt zu jüdischen Freunden wie Max Liebermann“, heißt es darin.

Der legendäre Chirurg, der spezielle Armprothesen konstruierte und eine Unterdruckkammer entwickelte, um Operationen am offenen Brustkorb durchführen zu können, war 1933 allerdings auch an einem öffentlichen Bekenntnis deutscher Hochschullehrer zu Hitler beteiligt. Er saß in Gremien wie dem Reichsforschungsrat, der auch Menschenversuche in KZ förderte. Im Mai 1943 nahm er an einer Fachärztetagung teil, bei der über Experimente an KZ-Häftlingen geredet wurde. Sauerbruch widersprach dabei nicht.

Zwar protestierte er persönlich beim Reichsjustizminister gegen das Euthanasieprogramm der Nazis, und die Gestapo verhörte ihn wegen seiner Kontakte zu Widerständlern, die sich in seinem Haus bei regelmäßigen Treffen versammelten. Doch nach dem Urteil des Straßennamenbeirats billigte Sauerbruch auch Anträge zu Forschungsvorhaben, die Experimente an Menschen einschlossen: „Damit hat er aktiv die Taten des NS-Unrechtssystems unterstützt.“

Als die roten Mehrfamilienhäuser im Sauerbruchweg gebaut wurden, waren die Wohnungen vor allem für Krankenschwestern des nahen Oststadtkrankenhauses gedacht. Viele Anwohner sehen die drohende Umbenennung kritisch: „Ich halte nichts davon“, sagt Peter Herfert: „Man darf die Vergangenheit nicht einfach ausradieren, und Sauerbruch hat als Arzt auch viel Gutes getan.“ Die Häuser in dem Weg gehören durchweg der „Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover“ (GBH). Deren Reaktion auf die mögliche Umbenennung fällt zurückhaltend aus: „Wir verhalten uns als städtische Gesellschaft unpolitisch“, erklärte die GBH auf eine Anfrage der HAZ. „Zu der Diskussion nehmen wir keine Stellung.“

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