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Wird keine Straße nach Helmut Schmidt benannt?

Altkanzler Wird keine Straße nach Helmut Schmidt benannt?

Er gilt als Inkarnation eines Elder Statesman, als Ikone der konservativen Sozialdemokratie – doch Hannovers SPD zögert damit, eine Straße nach dem verstorbenen Helmut Schmidt zu benennen. Zuvor müsse die Rolle des Altkanzlers als Wehrmachtsoffizier im Krieg genau geprüft werden, sagt Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne.

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Wird in Hannover eine Straße nach Altkanzler Helmut Schmidt benannt? Die SPD zögert.

Quelle: Archiv

Hannover.  „Das ist nie richtig beleuchtet worden“, sagt Pollähne. Zeitlebens habe Schmidt Nachfragen zu dem Thema unbeantwortet gelassen: „Aber das wird kommen müssen.“

Auch SPD-Ratsfraktionschefin Christine Kastning zeigt sich eher abwartend: „Bevor man eine Straße nach ihm benennt, muss man sich mit der Persönlichkeit auseinandersetzen, es wird eine wissenschaftliche Diskussion stattfinden“, sagte sie am Rande einer SPD-Veranstaltung zum Thema Erinnerungskultur im Neuen Rathaus.

Die Historikerin und Buchautorin Kristina Meyer („Die SPD und die NS-Vergangenheit“) sprach dort darüber, dass es in der SPD der Nachkriegszeit eine „permanente Gratwanderung“ zwischen der Aufarbeitung des NS-Unrechts und Aussöhnungsversuchen gegeben habe. So habe Kurt Schumacher gar Verbindungen zur Hiag („Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“) gepflegt, einer rechten Organisation ehemaliger Waffen-SS-Mitglieder. Auch Helmut Schmidt habe Kontakte zur Hiag gehabt: „Das ist mir unbegreiflich“, sagt Meyer. Schmidt habe sich kaum zu seinen Erlebnissen an der Ostfront geäußert, eine Debatte dazu stehe bis heute aus: „Wäre er früher gestorben, hätte es diese Diskussion längst gegeben.“

Pollähne zeigte sich zufrieden darüber, dass die Umbenennung der Sohnreystraße in der Südstadt inzwischen beschlossen ist. Der Blut-und-Boden-Dichter Heinrich Sohnrey sei „kein Mensch, der würdig ist, mit der Benennung einer Straße geehrt zu werden“. Er regte zudem die Umbenennung des Porscheweges in Vahrenwald an: Der Autokonstrukteur Ferdinand Porsche sei „einer der fürchterlichsten NS-Kollaborateure“ gewesen.

Im vergangenen Jahr hatte ein wissenschaftlicher Beirat die Umbenennung mehrerer Straßen empfohlen, deren Namensgeber in NS-Unrecht verstrickt waren: „Es wird auch einen Sozialdemokraten treffen, der sich bei Arisierungen die Finger schmutzig gemacht hat“, sagt Pollähne mit Blick auf die Julius-Brecht-Straße. Der Wohnungsbaupolitiker Brecht hatte bis 1962 für die SPD im Bundestag gesessen. Gleichwohl mahnte Pollähne zur Besonnenheit: „Man muss nicht jeden Konservativen in die Tonne treten“, sagte er: „Wir sind schließlich keine Bilderstürmer.“

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Antrag der Ratsfraktion

In der Debatte um eine Helmut-Schmidt-Straße in Hannover rudert die SPD am Freitag zurück: die Fraktion der Sozialdemokraten will nun im Stadtrat beantragen, eine Straße oder einen Platz nach dem Altkanzler zu benennen. Bislang hatte es geheißen, zunächst wolle man Schmidts Rolle als Wehrmachtsoffizier genauer untersuchen.

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