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Aus der Stadt Könnte hier die neue Conti-Zentrale stehen?
Hannover Aus der Stadt Könnte hier die neue Conti-Zentrale stehen?
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00:16 29.11.2015
Da wäre Platz: An der Hans-Böckler-Allee gibt es eine Brachfläche. Quelle: Herzog/M
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Hannover

Ein neues Gebäude für mehr als 1200 Beschäftigte braucht Platz, und da wird es in Hannover eng. Zwar gäbe es mit dem ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhof an der Hamburger Allee ein Baugrundstück, das groß genug sein dürfte, aber hier will die Deutsche Bahn ihre hannoversche Zentrale errichten. Der Architektenwettbewerb für das Projekt wird demnächst abgeschlossen.

Unbebaute Flächen gibt es noch entlang der Hans-Böckler-Allee nahe der Pferdeturm-Kreuzung. Auf einem der Grundstücke will der Immobilienkonzern ECE einen Bürokomplex errichten, mit einer vermietbaren Fläche von 30 000 Quadratmetern. Das wäre auch für Conti-Maßstäbe passend, falls dem Konzern eine Mietlösung für seine Zentrale vorschwebt. Das Grundstück gleich gegenüber auf der anderen Seite der Hans-Böckler-Allee scheint bisher noch nicht verplant zu sein. Auf der Fläche schlägt bisweilen ein Geranienmarkt seine Zelte auf, angeblich hat ein Investor eine Bauvoranfrage für das Grundstück gestellt, doch passiert ist bisher wenig.

Fragt man Immobilienexperten, wird immer wieder auf ein Areal an der Vahrenwalder Straße/Ecke Sahlkamp hingewiesen. Drei Entwürfe für Bürobauten liegen bereits vor. Mit einer Fläche von bis zu 38 000 Quadratmetern käme auch dieses sogenannte City Gate Nord in Betracht. Weitere Baugrundstücke befinden sich am Stadtrand, etwa in Lahe. Möglicherweise strebt Conti einen Neubau auf eigenem Gelände an, etwa an der Kopernikusstraße/Ecke Philipsbornstraße. Die Stadt Hannover betont, dass es in der Hand des Unternehmens liege, wo die neue Conti-Zentrale entstehen soll. „Hannover bietet eine exzellente Perspektive“, sagt Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD). 

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Die Luftaufnahme zeigt das Gelände von Continental, auf dem - vermutlich die Wasserstadt Limmer entstehen soll.

Die Suche nach dem perfekten Standort

Mit den Zentralen der Conti verhielt es sich irgendwie anders als mit dem Konzerngeschäft. Während der Konzern trotz Rückschlägen wuchs, wurden die Hauptverwaltungssitze zwischenzeitlich kleiner. 

Die Keimzelle: Die heutige Continental AG ist im Jahr 1871 als Continental Caoutchouc & Gutta-Percha Compagnie AG gegründet worden. Das Gründungswerk und auch die erste Unternehmenszentrale befanden sich an der Vahrenwalder Straße. Dort residiert die Konzernspitze auch heute noch – allerdings in einem anderen Gebäude. Das alte existiert nicht mehr.

Ein repräsentativer Sitz: In den Jahren 1912 bis 1914 wurde nach den Plänen des Architekten Peter Behrens an der Vahrenwalder Straße ein repräsentativeres Domizil mit 100 Metern Fassaden­-
länge errichtet. Es wurde im Ersten Weltkrieg als Lagerhaus für das Militär genutzt. Im Zweiten Weltkrieg beschädigten Fliegerbomben das Haus sehr stark, der Konzern entschloss sich jedoch zum originalgetreuen Wiederaufbau. 1986 verkaufte die Conti das Haus an die Stadt Hannover. Diese richtete dort das Technologie Centrum TCH ein, das als Gründerschmiede diente und Starthilfe für junge Unternehmen leistete. Heute sitzen in dem Gebäude die gemeinsame Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft von Stadt und Region, Hannoverimpuls sowie die Marketing- und Tourismusgesellschaft.

Der Lulatsch: 1953 ging es für die Conti-Spitze hoch hinaus. Das in jenem Jahr nach Entwürfen von Ernst Zinsser fertiggestellte Verwaltungsgebäude am Königsworther Platz war damals mit seinen 15 Geschossen Rekordhalter unter Deutschlands Hochhäusern. Das hielt so lange, bis ihm unter anderem die Frankfurter Bankenriesen den Rang abliefen. Ursprünglich hatte das Haus am Maschsee stehen sollen, doch die Stadt wünschte sich im Westen der City ein Gebäude mit Torfunktion. 1995 übernahm die Universität den Gebäudekomplex, zu dem auch ein sechsgeschossiger Riegel gehört. Seitdem existiert der Name Conti-Campus. Vertreten sind Literatur, Sprachen, Wirtschaft und Recht.

Das Schmucklose: Zu Beginn der Neunzigerjahre ging es für die Geschäftsführung wieder an den alten Standort – nicht in den repräsentativen Behrens-Bau, sondern in ein weitgehend schmuckloses Zweckgebäude gleich nebenan an der Vahrenwalder Straße. Es gehört dem Konzern allerdings nicht. Als der vor gut 20 Jahren in wirtschaftlichen Turbulenzen steckte und mit einer versuchten feindlichen Übernahme durch den italienischen Konkurrenten Pirelli zu kämpfen hatte, verkaufte er das Haus an eine Immobilientochter der Deutschen Bank und ­leaste es zurück.     

Von Andreas Schinkel und Bernd Haase

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