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Wohin bei der „Nacht der Museen“ ?

Tour-Tipps Wohin bei der „Nacht der Museen“ ?

Unter Strom: Bei der „Nacht der Museen“ öffnen am Sonnabend 19 Häuser in Hannover ihre Türen. Wir haben aus der Fülle der Angebote einige Tipps für eine Tour zusammengestellt.

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Um „Werbung für Strom 1890 bis 2010“ geht es in der Ausstellung „elektrisierend“.

Quelle: Ralf Decker

Hannover. Jede Epoche hat ihre eigenen Mythen und Träume, Utopien und Verheißungen. Denen des Stromzeitalters lässt sich vielleicht am besten nachspüren, indem man die Werbung für Elektrizität unter die Lupe nimmt – Botschaften also, die ja ungewollt immer auch ein Spiegel all jener Sehnsüchte sind, deren Erfüllung sie verheißen. „Mutter hat jetzt Zeit für uns, denn sie kocht elektrisch“, frohlockten Kinder in einer Reklame für Elektroherde aus den dreißiger Jahren. Frauen am Staubsauger, heute der Inbegriff des Heimchens, waren in der Werbung damals das elegante, moderne Gegenmodell zu trampeligen Bäuerinnen, die ihre Teppiche noch per Hand ausklopften und weder Zeit für ihre Kinder noch für höhere Bildung hatten. Und die Elektrizität war eine Art Erfüllungsgehilfin weiblicher Emanzipation. Sie versprach Luxus, Muße, ein besseres Leben.

In der Nacht zum Sonntag fand in Hannover die "Nacht der Museen" statt. 19 Häuser vom Neuen Rathaus über das Landesmuseum bis zur Kestnergesellschaft haben dafür ihre Türen geöffnet.

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Um „Werbung für Strom 1890 bis 2010“ geht es in der Ausstellung „elektrisierend“, die am Sonnabend im Museum für Energiegeschichte(n) eröffnet. Pünktlich zur 13. „Nacht der Museen“, die wie in den Vorjahren rund 7000 Besucher in die 19 beteiligten Häuser locken soll. Mit Führungen und Lesungen, Aktionen für Kinder oder Konzerten zeigen die Museen buchstäblich, was in ihnen steckt. Für die Besucher ist es eine Mixtur aus Kulturtourismus und Party, aus nächtlichem Streifzug und Bildungstour. Große Traditionshäuser wie das Sprengel Museum sind ebenso dabei wie das neue WOK-Küchenmuseum (Spichernstraße 22).

Unter Strom: Bei der „Nacht der Museen“ öffnen am Sonnabend 19 Häuser in Hannover ihre Türen.

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In Museen ist bekanntlich all das versammelt, was einer Gesellschaft wichtig erscheint; sie sind Heimstätten unserer Identität – und sie führen vor, wie sich unsere Selbstbilder und Ideale immer wieder gewandelt haben. Ebenso wie unsere technischen Möglichkeiten. Die Ausstellung im Museum für Energiegeschichte(n) zeigt, wie der Komfort der Waschmaschinen und Elektroherde allmählich in den deutschen Alltag einsickerte. Anno 1910 waren erst 3,5 Prozent der Berliner Haushalte ans Stromnetz angeschlossen. Der Erste Weltkrieg („Deutsches elektrisches Licht ist billiger als amerikan. Petroleum“) und die zwanziger Jahre brachten die Wende; die „Metallfadenlampe“ wurde zum Massenprodukt.

Mit teils kuriosen Plakaten und Filmen, mit „Osram“-Aschenbechern und „AEG“-Sammelbildern illustriert die Ausstellung, wie Stromwerbung jeweils das anpries, was Konsumenten gerade haben (oder Produzenten gerade verkaufen) wollten. In den Sechzigern, als der Toaster noch „Brotröster“ hieß, wählte AEG für eine Waschmaschine mit dem Altphilologennamen „Lavamat nova regina“ den Slogan: „Mit diesem Schalter wählen Sie Freizeit“. Und die Atomindustrie zeigte Kühltürme von Kernkraftwerken inmitten idyllischer Seen, an denen sich Angler tummeln.

In der „Nacht der Museen“ können Besucher all diesen Reklamefiguren begegnen: Schauspieler eines Stegreiftheaters erwecken die Staubsaugermutti oder den Glühbirnenmann jeweils um 18, 20 und 22 Uhr zum Leben. Und um 19, 21 und 23 Uhr führt Kuratorin Regina Weber durch die Ausstellung – und zeigt, auf welch vielfältige Weise Strom Menschen immer wieder elektrisierte. Zumindest im übertragenen Sinne.

„elektrisierend“ ist bis zum 31. Oktober im Museum für Energiegeschichte(n), Humboldtstraße 32, zu sehen. Infos: 0511-12311634941.

Der wilde Osten

Zum 50. Jahrestag des Mauerbaus widmet sich das Historische Museum, Pferdestraße 6, ganz der Erinnerung an die DDR. Unter anderem ist dort die Kinderausstellung „Sag, was war die DDR?“ zu sehen – und von 18.30 Uhr an gibt es eine lange Filmnacht mit DDR-Fernsehklassikern. Außerdem stehen von 18 bis 21 Uhr Kinderaktionen in der neuen Besucherwerkstatt auf dem Programm. Die Dachterrasse ist zur „Sky Lounge am Beginenturm“ umfunktioniert. Dort warten Cocktails, Liegestühle und Jazzmusik auf müde Nachtschwärmer.

Im Selbstversuch

Für außergewöhnliche künstlerische Vorstöße ist die Kestnergesellschaft (Goseriede 11) immer zu haben: Bei der Museumsnacht unternimmt dort das Streichquartett „Quartett PLUS 1“ den spektakulären Versuch, sieben Stunden am Stück zu spielen – einen „Selbstversuch“ nennen sie das ambitionierte Unterfangen. Außerdem gibt es von 18 Uhr an jeweils zur vollen Stunde „Blitzführungen“ durch die Ausstellungen von André Butzer sowie Jos de Gruyter & Harald Thys. Und um 18, 19 und 20 Uhr stehen Blitzführungen für Kinder auf dem Programm.

1001 Nacht

Ganz im Zeichen des Orients präsentiert sich das Landesmuseum, Willy-Brandt-Allee 5. Von 18 Uhr an gibt es dort Attraktionen wie orientalischen Tanz, Henna-Malerei oder eine Zauber- und Fakirshow. Außerdem stehen von 18 Uhr an jeweils zur vollen Stunde Kurzführungen durch die Ausstellung „Landschaftsmalerei“ auf dem Programm. Und um 18 Uhr gibt es unter dem Motto „Kleine Haie, große Fische!“ einen Blick hinter die Kulissen des Vivariums.

Unterm Hammer

Das Haus im Georgengarten führt seit einiger Zeit den umfangreichen Namen „Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch“ – und es kann mit einem umfangreichen Programm aufwarten. Neben Führungen – auch durch die Ausstellung zu den „Fliegenden Blättern“ (20.30 Uhr) – ist das Figurentheater Marmelock mit „Der Traumdieb“ (18.30 und 20 Uhr) zu Gast. Anne Kraft präsentiert Stand-Up-Comedy (21 Uhr) –, und als besonderes Schmankerl kommen bei Auktionen um 19.30 und 21.30 Uhr Objekte aus dem Museumsfundus unter den Hammer.

Lichtblicke

Im Museum August Kestner am Trammplatz präsentiert unter anderem die Designergruppe Ding3000 ihre Entwürfe, es gibt „Workshops für Junge“ – und natürlich Kurzführungen durch die aktuelle Design-Ausstellung (18, 19, 22.30 und 23.30 Uhr), durch die ägyptische Sammlung (19.30 und 22 Uhr) oder die Antikensammlung (18.30 und 20.30 Uhr). Die vielleicht ungewöhnlichste Führung der Museumsnacht aber steht Schlag Mitternacht auf dem Programm: Bei einer Taschenlampenführung bringt das Museumsteam Licht ins Dunkel.

Reizvoller Kontrast

Eine reizvolle Mixtur aus ganz Altem und ganz Neuem verspricht das Projekt „Light on – Hannover“ im Neuen Rathaus. Stadtarchiv und Studierende der Fachhochschule haben eine Multimediapräsentation der Stadtgeschichte erarbeitet. Historische Foto- und Filmaufnahmen aus dem alten Hannover verschmelzen dabei mit bunten Farben; Sound-Light-Effekte verfremden das scheinbar Vertraute – und lassen es so reizvoll und fremd erscheinen. Beginn ist um 22 Uhr sowie um 23.15 Uhr, die Vorführung dauert jeweils 35 Minuten.

Tickets kosten 7 Euro

Die „Nacht der Museen“, gesponsert von e.on Avacon, dauert am heutigen Sonnabend von 18 bis 1 Uhr. Karten (7 Euro Eintritt für alle 19 Häuser, Kinder bis 14 Jahren haben freien Eintritt) gibt es in allen Museen. Die Tickets gelten auch für die Kulturbusse der Üstra: Auf drei Linien steuern diese die beteiligten Museen im 20-Minuten-Takt an. Nur zum Exposeum an der Expo-Plaza gibt es einen gesonderten Shuttle-Service des THW, dessen Fahrzeuge vorm Wilhelm-Busch-Museum, dem Historischen Museum und dem Museum August Kestner bereitstehen. Um 23 Uhr beginnt die Abschlussparty im Künstlerhaus in der Sophienstraße. Das komplette Programm der Museumsnacht gibt es auf Faltblättern, die in den beteiligten Einrichtungen ausliegen, oder im Internet unter www.hannover.de/nachtdermuseen.

Simon Benne

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