Björn Amelsberg ist ein pragmatischer Mensch. Mit Wasseradern, Wünschelruten, Energieströmen und Bergkristallen kann der 33-Jährige nur wenig anfangen. „Diesen Dingen stehe ich eher neutral gegenüber“, formuliert der Bankkaufmann vorsichtig und fügt dann schnell hinzu: „Ich will aber auch nicht ausschließen, dass diese spirituellen Dinge funktionieren, denn eines ist klar: Wir fühlen uns hier in unserer Wohnung sehr, sehr wohl.“
Die Wohnung, in der Amelsberg mit seiner Frau und den beiden Kindern im Alter von zwei Jahren und sieben Monaten lebt, ist knapp 90 Quadratmeter groß und hat dreieinhalb Zimmer. Sie liegt zwischen der Hildesheimer Straße und dem Engesohder Friedhof in dem im Jahr 2005 von der Wohnungsbaugenossenschaft Gartenheim und dem Architekten Peter Lassen errichteten Wohnkomplex mit dem exotischen Namen Vasati.
Vasati ist der Name einer mehr als 5000 Jahre alten indischen Lehre, in der auch das chinesische Feng-Shui ihren Ursprung hat. Sie handelt vom Leben im Einklang mit sich selbst, der Natur und dem Raum. Vasati bezieht den Fluss von Energieströmen, den Einfluss von Planeten und die Wirkung von Geometrie, Raumhöhen und Proportionen in die architektonische Wohnraumplanung mit ein. Ziel ist es, den Menschen ein harmonisches Wohnumfeld zu bieten, die Wohnungen mit einer Art Schutzschild gegen atmosphärische Störungen auszurüsten, wie Elektrosmog, Erdstrahlen und Wasseradern. Bereits der römische Baumeister Marcus Vitruv und der Renaissancearchitekt Andrea Palladio planten und bauten auf den Prinzipien von Vasati.
Doch so sehr Vasati auch in der Weltgeschichte verankert sein mag, für die hannoversche Wohnungsgenossenschaft Gartenheim bedeutete das Errichten des modernen, 97 Wohnungen umfassenden Mietkomplexes nach Vasati-Grundregeln absolutes Neuland.
Die Gebäude in Höhe des Döhrener Turms sind nach Nordosten geöffnet und nach Süden geschlossen, weil nach der Vasati-Lehre die Hauptenergieströme von Norden kommen. Die Knotenpunkte der Wasseradern liegen im Innenhof, um die Bewohner vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Das Trinkwasser wird energetisch aufbereitet, die Deckenhöhe beträgt 2,74 Meter, da diese Höhe der Lehre nach wohltuend wirkt, und im Wandputz sorgen spezielle Nutzmikroben dafür, dass es nicht so schnell zu Verkalkung und Schimmel kommt und der Feuchtigkeitshaushalt in der Wohnung sanft reguliert wird.
„So etwas gibt es bisher in der ganzen Welt nicht“, sagt Günter Haese, Geschäftsführer von Gartenheim, stolz. Es war seine Idee, Vasati im herkömmlichen Geschosswohnungsbau zu verwirklichen. Ob er selbst hundertprozentig an die fernöstliche Philosophie glaubt, ist ihm nicht zu entlocken. „Ich bin kein Esospinner, aber aufgeschlossen für neue Wege, für Ungewöhnliches“, sagt der Maschinenbauingenieur und verweist auf sein im Jahr 1997 in ökologisch korrekter Bauweise errichtetes Holzhaus, auf die Ernährungsumstellung, die er mit seiner Frau vollzogen hat und auf seine künstlerischen Wurzeln. Haeses Vater ist der mehrfach ausgezeichnete Düsseldorfer Künstler und Kunstprofessor Günter Haese.
Auslöser für Haeses Interesse an Vasati war das Treffen mit Marcus Schmieke, Physiker, Philosoph und Autor zahlreicher Bücher zum Thema. Schmieke hat Vasati in den Klöstern Indiens studiert und das Konzept für die Wohnanlage in Döhren entworfen. „Er hat einfach von Dingen erzählt, die mich als Ingenieur ansprachen“, sagt Haese. Denn es sei doch klar, dass der übliche Geschossbau in Schuhkartonweise nicht ideal für den Menschen sei, sondern ein Zugeständnis an die Tatsache, dass es nicht ausreichend Platz gebe. „Das können wir nicht ändern, wir können uns aber bemühen, den Geschossbau für den Menschen zu optimieren.
Das allerdings hat seinen Preis. Rund zehn Euro pro Quadratmeter kostet das Wohnen in den 67 bis 118 Quadratmeter großen Wohnungen auf dem insgesamt 8000 Quadratmeter großen Grundstück von Vasati 1.0. Die Nachfrage hat das nicht getrübt. Im Gegenteil: Sie war drei- bis viermal höher als das Angebot an Wohnungen. „Die Menschen, die in den Vasati-Wohnungen leben, passen nicht in eine Schublade. Die Bandbreite reicht von jungen Familien wie den Amelsbergs über alleinstehende Manager bis hin zu älteren Ehepaaren“, sagt Haese.
Für Matthias Günther, Diplom-Ökonom am hannoverschen Pestel-Institut und dort zuständig für Wohnungsmarktforschung, ist Vasati trotzdem nicht viel mehr als eine Marktnische für Gutverdienende. Von einem Trend zu dieser Art von Wohlfühlwohnen könne man schon deshalb nicht sprechen, weil sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung das nicht leisten könne. „Rund 80 Prozent der Mieter haben weniger als 1500 Euro netto im Monat zur Verfügung“, betont er. Das Projekt als solches aber lobt auch Günther. „Es ist wie mit den Docklands in London oder der Hafencity in Hamburg. Solche Projekte sind imagefördernd, Wohnmodelle für die Zukunft sind sie kaum.“
Haese muss das nicht berühren. Zurzeit wird Vasati 2.0 vermarktet, wiederum mit großem Erfolg. Die schönsten und größten Penthousewohnungen sind bereits vergeben. Insgesamt entstehen 57 Wohnungen auf insgesamt 5000 Quadratmetern. Die Gesamtinvestition für beide Bauabschnitte beläuft sich auf 34 Millionen Euro.
Der Mietpreis für Vasati 2.0 liegt mit bis zu 12,50 Euro pro Quadratmeter sogar noch höher als bei Vasati 1.0. Allerdings wird dafür auch in jede Wohnung ein brasilianischer Bergkristall eingebaut. Er soll vor schädlichen Strahlen, Kopfschmerzen und Entzündungen schützen. „Ob man dran glaubt oder nicht, muss jeder selbst wissen“, sagt Haese, „schaden tut er jedenfalls nicht.“
von Julia Pennigsdorf
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Kommentare
...zwei Klassen Gartenheim Genossenschaft... HOMÖ – 18.01.10
..."Das Trinkwasser wird energetisch aufbereitet, die Deckenhöhe beträgt 2,74 Meter, da diese Höhe der Lehre nach wohltuend wirkt, und im Wandputz sorgen spezielle Nutzmikroben dafür, dass es nicht so schnell zu Verkalkung und Schimmel kommt und der Feuchtigkeitshaushalt in der Wohnung sanft reguliert wird."Es muß einem wie der nackte Hohn vorkommen,wenn in anderen Wohnungen der Genossenschaft nichts oder nur zögernd etwas gemacht wird.Arme zwei Klassen Genossen........ tiktaktux – 22.09.09
ach, hier kann man ja gar keine links einstellen :-(auf der homepage von gartenheim kann man unter dem thema vasati 2.0 übrigens sehr schön erläutert finden, welche meinung anscheinend die geschäftsführung von ihrer umwelt hat:
"Ebenfalls gute Erfahrungen haben wir mit dem Einsatz von effektiven Mikroorganismen gemacht. Auch hier besteht das Grundprinzip in der Wiederherstellung einer natürlichen, lebensbejahenden Balance. Eine kleine Gruppe von Richtigdenkern nimmt den großen meinungslosen Rest zum Vorteil aller mit - Das Prinzip der Mikroorganismen lässt sich sehr anschaulich auch auf andere Dinge übertragen."
na dann man viel spaß *rotfl*
.... tiktaktux – 21.09.09
aber welchen stellenwert außer spielwiese der gelangweilten gutbetuchten hat schon esoterik, wenn man lesen muss, dass andersfarbige mit schlagstöcken durch den öpnv gejagt werden?.... tiktaktux – 21.09.09
Kommentar wurde von HAZ.de gelöscht. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen unter www.haz.de/Nutzungsbedingungen.Vasati versus – 21.09.09
- hat irgendwie nen Touch von Versace ;-) - da zahlen wir doch gern einen exklusiveren Mietpreis :-)Immer diese Nörgler Phüsig-Eggspärte – 21.09.09
@süden und die anderen NörglerWer sind sie schon, dass sie es wagen Kritik
am "Günter-Haese-Mausoleum" zu äussern.
Wahrscheinlich ist Ihr subatomares, zelluläres Chakra
völlig durcheinander.
Im Ernst - jeder der eine Maus bedienen kann wird
schnell in diesem pseudo-esoterischen Sumpf fündig.
Wir googeln: "esowatch schmieke"
Sind Sie überhaupt auf dem neusten Stand über "UFO's,
Ausserirdische und die multidimensionale Wirklichkeit"
Nochmal Google: "ufos schmieke exopolitik"
Guten Flug !
nach Nordosten geöffnet, süden – 21.09.09
nach Süden geschlossen? Wie muss ich das verstehen? Bringt nicht die Sonne von Süden Licht und Wärme in Räume?Oh je, oh je, welchen Bären will uns diese Bauphilosophie aufbinden?
Vasati Carsten – 21.09.09
Da das Ganze ein Erfolgsmodell ist, durften sowohl den Mietern als auch der Genossenschaft die 'qualifizierten' Kommentare hier herzlich egal sein. ;-)Nichtbeachtung ist vermutlich auch die sinnvollste Art des Umgangs mit diesen leider typisch hannöverschen Zeitgenossen, die zu allem und jedem eine (meistens negative) Meinung haben müssen.
Vasatikommentare Thomas Dierks – 21.09.09
Neid, Unzufriedenheit und Polemik sind die Berater der Ahnungslosen. Wer von denen kann's denn besser??Letztlich ist aber das unqualifizierte Geschrei der ignoranten "Experten" die beste Werbung.
Glauben Schamane – 21.09.09
Wer heilt hat Recht.Bergkristall gegen Lärm? Hartmut M. – 21.09.09
Hilft der Bergkristall auch gegen den Lärm der vielbefahrenen Hildesheimer Strasse? Die Lage sieht auf den ersten Blick gar nicht schlecht aus, aber nur für schwerhörige Leute deren nächste Wohnung der 50 Meter entfernte Engesoder Friedhof ist. Und Brauereien muss man auch mögen.Aufklärung Randi – 20.09.09
Ja, ist unfassbar, was Leute glauben, selbst Akademiker. Schalatane und Quacksalber haben Hochkonjunktur. Es wird Zeit, dass mal wider eine Epoche der Aufklärung kommt. Und er Anfang muss in den Schulen gemacht werden. Aber gerade Lehrerinnen scheinen ja besonders empfänglich für Esoterik zu sein.Bullshit M.G. – 20.09.09
Wie heißt es so schön: Jeden Tag steht irgendwo ein Idiot auf. Die Kunst besteht darin, ihn zu finden. Scheint jedenfalls mehrfach geklappt zu haben in dieser 'Wohnanlage'