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Wohnquartier wird Klima-Testgebiet

Bothfeld Wohnquartier wird Klima-Testgebiet

Kaltluftschneisen? Starkregenfolgen? Ein bundesweites Pilotprojekt startet am Waldrand in Bothfeld. Dort soll herausgefunden werden, wie man den sich spürbar ändernden Wetterbedingungen trotzen kann.

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„Vielfalt im Quartier“: Baurat Uwe Bodemann (v. li.), Planer Rüdiger Ebel (Blauraum) und Sven Martens (Gruppeomp) sowie Bauherr Lorenz Hansen.

Quelle: Frank Wilde

Hannover. Seit gut zehn Jahren lässt die Bundesregierung die Folgen des Klimawandels analysieren. In Hannover wird jetzt erstmals ein Neubaugebiet zur Testfläche, um herauszufinden, wie man den sich spürbar ändernden Wetterbedingungen trotzen kann. So wird beim Neubaugebiet Hilligenwöhren in Bothfeld etwa eine spezielle Messstation nahe dem benachbarten Waldrand installiert, um den Einfluss von Kaltluftschneisen zu messen. Alle Gebäude sind mit besonderen Schutzauflagen gegen Überhitzung entworfen, und auch gegen die Auswirkungen der immer häufigeren Starkregenfälle, die der Versicherer Allianz registriert, gibt es Vorkehrungen. „Es ist vorbildlich, dass sich Bauherr und Planer diesen Herausforderungen stellen“, lobte Stadtbaurat Uwe Bodemann gestern bei der Vorstellung der Pläne. Die Ergebnisse sollen über mehrere Jahre in die sogenannte Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) einfließen.

Im Baugebiet Hilligenwöhren errichtet das Unternehmen Gundlach 250 Wohneinheiten – und versucht dabei, nicht nur in Klimafragen neue Wege zu gehen. Bodemann strich heraus, dass der Bauherr bei dem Projekt eine ganz ungewöhnliche Vielfalt kultiviere: „Nicht nur bei der Architektur, sondern auch bei der Mischung der Menschen, die dort leben sollen.“ Alte und Junge, Familien und Singles, Betuchte und Finanzschwächere, Eigentümer und Mieter, Liebhaber von Geschosswohnungen ebenso wie künftige Stadthausbewohner sollen in dem Gebiet Nachbarn werden. Gundlach-Chef Lorenz Hansen kündigte an, dass bereits im Frühjahr Baustart für die Kita sein könnte, möglichst vor Ende 2018 könne sie zusammen mit den ersten Wohnungen fertig sein.

Das Unternehmen hatte dazu einen Planerwettbewerb gestartet, in dem zwölf Büros Entwürfe geliefert haben. Erstmals konnten interessierte Bürger schon vor der Juryentscheidung Anregungen geben und Kritik an Plänen äußern. Unter anderem wurde gefordert, mal wieder „richtige Dächer“ zu bauen statt immer nur Flachdächer. Zum Teil wird der Wunsch erfüllt.

Drei Büros sind als Sieger gekürt. Und so gibt es neun Häuser nach einem Entwurf von Blauraum-Architekten aus Hamburg in der einen Ecke, fünf rot geklinkerte Mehrfamilienhäuser vom Büro Gruppeomp aus Hannover in der anderen Ecke und drei vieleckige Häuser (sie ähneln dem Typ Mars-la-Tour-Straße im Zooviertel) von Alles-wird-gut aus Wien und Laser aus Hannover. Die scheinen pfiffig konstruiert mit innenliegenden Treppenhäusern, die durch ein großes Oberlicht beleuchtet werden, wie Juryleiterin Ingrid Spengler anmerkte: Der Entwurf sei fast schon „Anarchie“.

Alle Entwürfe sind bis Ende September in der Bauverwaltung neben dem Rathaus zu sehen.

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