Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Schöner wohnen in Hannover – aber wo nur?

Wohnungsmarkt Schöner wohnen in Hannover – aber wo nur?

Der Wohnungsmarkt in Hannover ist angespannt. Wer in begehrten Stadtteilen leben möchte, muss bei der Suche viel Glück und Geduld haben – und bereit sein, deutlich mehr Geld auszugeben. So wie Krankenschwester Birgit Milzner und Tischler Marco Burgdorf, die nach der Geburt von Sohn Benno eine größere Wohnung brauchen.

Voriger Artikel
Leitfaden für mehrsprachige Andachten vorgestellt
Nächster Artikel
9000 Starter laufen beim B2RUN in Hannover

„Wer gibt uns eine Wohnung?“ Birgit Milzner und Marco Burgdorf mit Sohn Benno wollen umziehen, aber trotz zweier Einkommen finden sie keine neue Bleibe in der Nähe der Tagesmutter. Foto: Franson [M]

Quelle: Samantha Franson/Montage

Hannover. Als im Herbst Sohn Benno kam, war klar, dass die Wohnung endgültig zu klein würde. 67 Quadratmeter, zwar in begehrter Wohnlage am Pfarrlandplatz, doch nur mit zwei Zimmern. Wohin aber zieht eine Familie, wenn Wohnungen Mangelware sind?

Linden zu verlassen kam für Birgit Milzner und Marco Burgdorf nicht in Betracht. Schon allein aus praktischen Erwägungen. „Wir haben endlich eine Tagesmutter in Linden gefunden - soll ich jetzt nach Stöcken ziehen und dann immer fahren?“, fragt Milzner. Das Leben ist auch so schon anstrengend genug. Sie ist Krankenschwester im Nordstadtkrankenhaus, er ist Tischler und Veranstaltungstechniker, zwischen Schichtdienst und auswärtigen Einsätzen bleibt ohnehin nicht viel Zeit für Familienleben. Jetzt ist das Wohnzimmer gleichzeitig Bennos Kinderzimmer. „Natürlich geht das irgendwie“, sagt die 41-Jährige, „aber auf Dauer ist das kein Zustand.“

Hannovers Bevölkerungszahl ist in den vergangenen sechs Jahren um 27.800 Menschen gewachsen. Die Zahl der Wohnungen stieg aber nur um 3200. Immerhin: Seit die Stadt ihre Wohninitiative gestartet hat, kommt der Neubau spürbar in Fahrt. Allein im vergangenen Jahr sind 1232 Wohnungen entstanden. Weil aber die Nachfrage größer ist als das Angebot, steigen die Preise spürbar.

Anteil der 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen im jeweiligen Stadtteil

„Seit drei Jahren suchen wir eigentlich schon“, sagt Marco Burgdorf. Es war ja klar, dass es nicht einfach werden würde. Aber so schwer? „Es ist schon erstaunlich, was man bei der Wohnungssuche erlebt.“

Etwa die Dame, die dem Paar eine Wohnung in den Ihme-Auen angeboten hatte, dem Baugebiet auf dem Gelände der alten Hautklinik. Das Budget reiche bis 900 Euro Kaltmiete, das habe man stets kommuniziert, sagt Birgit Milzner. Sie und ihr Mann hatten überall Zettel mit Wohnungssuchen aufgehängt, hatten Suchanzeigen geschaltet und in Sozialen Netzwerken Nachrichten hinterlassen. „Wir sind knapp über der Summe“, habe die Vermieterin aus den Ihme-Auen freundlich gesagt. Doch das „knapp drüber“ entpuppte sich schließlich als 1200 Euro Kaltmiete. „Die Wohnung war schön, aber wir hätten sie uns gar nicht anschauen müssen - es ist schon erstaunlich, welche Summen andere Leute knapp nennen“, ärgert sich Burgdorf.

Eine Wohnung am Schwarzen Bären, sogar mit Stuck, sollte am Ende sogar 1300 Euro Kaltmiete kosten. Eine Wohnung im Ihme-Zentrum lag zwar im Budget, „aber wenn man Schichtdienst arbeitet und manchmal erst nachts nach Hause kommt, möchte man durch dieses Gebäude dann doch nicht durchgehen“, sagt Milzner. Kürzlich war eine Wohnung in der Jacobsstraße im Angebot, vier Zimmer, renoviert, 900 Euro. „Der Vermieter hat drei Tage lang nur Besichtigungstermine gemacht - und am Ende hat eine Familie mit zwei Kindern den Zuschlag bekommen“, sagt Birgit Milzner. In ihrer Stimme klingt kein Groll, aber etwas Enttäuschung durch.

Anteil der  3- bis 4-Zimmer-Wohnungen  im jeweiligen Stadtteil

„Wer eine gute, renovierte Wohnung in einer attraktiven Lage will, muss sich eigentlich mittlerweile auf zehn Euro Kaltmiete pro Quadratmeter einstellen“, sagt Maklerin Maria del Carmen Weber vom Vorstand des Immobilienverbands IVD-Nord. „Natürlich ist das Gejammer groß, wenn man bisher 6,50 Euro gezahlt hat. Aber wenn man als Eigentümer seine Wohnung renoviert, dann kostet das heute gerne 35.000 bis 45.000 Euro - und dann kann man als Mieter ja mal rechnen, wie lange es dauert, bis das Geld wieder reinkommt.“

Dass die Wohnungssuche auch bei nicht wählerischen Menschen zwei Jahre oder länger dauert, hat man lange Zeit eigentlich nur aus Hamburg oder München gehört - inzwischen gibt es diese Geschichten immer öfter auch aus Hannover. Die Schwarzen Bretter an der Uni sind voll mit Wohnungsgesuchen, Firmen inserieren für Mitarbeiter, die nach Hannover ziehen, bei Besichtigungen bilden sich Warteschlangen, sogar die Zwangsversteigerungstermine im Amtsgericht sind häufig übervoll, wenn Wohnungen in begehrten Lagen vermietet werden.

Anteil der  für 5-Zimmer-Wohnungen (und größer)   im jeweiligen Stadtteil

„Viele Gruppen drängen gleichzeitig auf den Wohnungsmarkt der Großstädte“, sagt Karin Wolters, die Vorsitzende der Gutachterausschüsse, die jährlich alle notariellen Kaufverträge für die Marktbeobachtung auswerten. Rentner verkaufen ihre Häuser im Umland und suchen Wohnungen in der Stadt. Familien träumen häufig nicht mehr vom Haus im Grünen, sondern wollen auch in der Kinderphase in quirligen Stadtteilen wohnen bleiben. Der Flächenbedarf wächst - wer es sich leisten kann, wohnt häufig zu zweit auf 110 und mehr Quadratmetern. Und bald werden wohl auch Flüchtlinge aus den Notunterkünften auf den Wohnungsmarkt drängen. „Hannovers Immobilienpreise haben im vergangenen Jahr eine nie dagewesene Höhe erreicht, sie liegen über dem Peak von 1995 nach der Wiedervereinigung und auch über dem regionalen Peak von 2000 zur Expo“, sagt Wolters. Auch wenn es zwischenzeitlich danach aussah, als würden die Preise sich auf hohem Niveau einpendeln: „Erste Trendrechnungen für 2016 deuten einen weiteren Anstieg um etwa drei Prozent im Mittel an“, sagt Wolters.

Auch wenn viele Wohnungssuchende unter der Situation leiden - es gibt auch Glücksfälle. Kunsthistorikerin Martina Dlugaiczyk ist solch ein Glückspilz. „Ich wusste: Genau das ist meine Wohnung“, sagte sie nach dem Besichtigungstermin in Limmer. Altbau, 2,90 Meter hohe Decken, alte Dielen, knapp 70 Quadratmeter groß, 437 Euro Kaltmiete. Die gebürtige Hannoveranerin, die nach dem Abi weggezogen war, die letzten Jahre in Trier verbracht hat und jetzt als Hochschuldozentin zurückkehrt, hat auf ein Gesuche-Inserat in der HAZ Wohnungsangebote von fünf Vermietern erhalten. „Ich habe mir alle angeschaut und dann tatsächlich für die Traumwohnung den Zuschlag bekommen“, strahlt sie. In Trier, nahe Luxemburg, sei sie von den Mietpreisen ganz anderes gewohnt als in Hannover. „Da sind zehn bis zwölf Euro Kaltmietpreise völlig normal.“ Letzte Woche hat sie angefangen, ihre Kisten im Westen Hannovers auszupacken. Birgit Milzer, Marco Burgdorf und ihr sieben Monate alter Sohn hoffen, es ihr bald nachtun zu können.

So haben sich die Preise für Wohneigentum entwickelt

Hier entsteht neuer Wohnraum

Neubauten am Listholze : Unter dem Namen „Listholzer Uferblicke“ soll jetzt ein Neubauprojekt am Mittellandkanal Fahrt aufnehmen, das seit 2012 etwas in Vergessenheit geraten war. Gestern gab es die Mitteilung, dass der Baustart bevorsteht. Auf dem großen Areal östlich der Brücke Am Listholze errichtet die Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen (WGH) 69 Wohnungen in sogenannten Punkthäusern. Eine von allen Mietern gemeinsam nutzbare Freitreppe soll zum Uferweg führen, von der Tiefgarage aus sollen alle Wohnungen direkt erreichbar sein. Das Gelände, auf dem jahrelang Auto- und Schrotthändler wirtschafteten, soll in Kürze vorbereitet werden, im kommenden Jahr beginnt der Bau der Punkthäuser. Die Pläne gehen auf einen Entwurf zurück, mit dem sich das Hamburger Architekturbüro Blauraum 2012 gegen zehn Mitbewerber durchgesetzt hatte, er ist jetzt noch einmal überarbeitet worden. Die WGH investiert rund 15 Millionen Euro in das Projekt. Rückwärtig errichtet das Bauunternehmen Gundlach für etwa die gleiche Summe in fünf Reihenhauszeilen insgesamt 49 Eigenheime, die allerdings nicht zum Mieten, sondern zum Kauf sind. Beide versprechen, dass auf gut 20 000 Quadratmetern ein fröhliches Wohngebiet mit gemeinsamen Quartiershöfen und privaten Grünflächen entsteht. Auch die Uferpromenade soll in diesem Bereich bei der Gelegenheit aufgewertet werden.

Expansion im Süden: Mit derzeit 3800 geplanten Wohnungen ist am Kronsberg das größte Neubaugebiet Hannovers vorgesehen. Die Stadt will dort das zur Weltausstellung errichtete Wohnquartier um ein großes Areal im Süden erweitern. Geplant sind mehrere Kitas, eine neue Schule und Einzelhandelseinrichtung sowohl an der Endhaltestelle der Stadtbahntrasse als auch verteilt im Wohngebiet – wenn es Mietinteressenten für die Geschäfte gibt. Die Stadt hatte die Planung ursprünglich erst im nächsten Jahrzehnt realisieren wollen, hat das Großprojekt jetzt aber auf Druck der rot-grünen Ratsmehrheit vorgezogen. Kronsberg-Süd ist Teil der Wohnbauinitiative, mit der die Stadt dem Wohnraummangel begegnen will. Dabei ist auch der Weg hin zu dem Wohngebiet schon Programm: Erstmals hat die Stadt weit über die gesetzlich ohnehin geforderte Bürgerbeteiligung hinaus Bürger, Wohnungswirtschaft und Kommunalpolitik sehr früh in die Planungen einbezogen. Noch bis nächsten Dienstag läuft ein Bürgerdialog, in dem mehrere Planungsbüros vor jeweils rund 100 Zuschauern erzählen, wie sie vorgehen. Der Zeitplan ist ambitioniert: 2017 soll die Planung fertig sein.

Wohngebiet in Limmer: Im Südwesten Hannovers wird seit 1999 ein ehemaliges Industrieareal für Wohnbebauung vorbereitet – die Wasserstadt Limmer auf dem Gelände des alten Continental-Reifenwerks. Nach vielen Konflikten um Bebauungsdichte und -höhe hat man sich jetzt auf die Zahl von etwa 1800 Wohnungen geeinigt, bis zur Höhe von maximal acht Geschossen soll gebaut werden. Im ersten Bauabschnitt sollen 525 Wohnungen entstehen, dazu ein 1400 Quadratmeter großer Lebensmittelmarkt und eine Kita. Das Gelände soll dann in insgesamt vier weiteren Bauabschnitten entwickelt werden. Geplant ist ein umfangreiches Grünflächen- und Radwegekonzept. Umstritten ist derzeit noch, wie groß der Anteil an gefördertem Wohnraum sein soll und ob es gelingt, die am Gebiet vorbeiführende Bundesstraße (Wunstorfer Straße) zur Tempo-30-Zone zu machen – die örtlichen Gremien favorisieren das.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Neue Fotoausstellung im Sprengel-Museum

Unter dem Titel "Und plötzlich diese Weite" eröffnet am 10. Dezember im Sprengel Museum eine neue Ausstellung.