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Zahl der Kirchenaustritte steigt drastisch

Mitgliederschwund in Hannover Zahl der Kirchenaustritte steigt drastisch

Fast 4000 Mitglieder haben der katholischen und evangelischen Kirche in Hannover im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt. Grund für den drastischen Anstieg der Kirchenaustritte sind offenbar die verschickten Ankündigung der Banken, die Kirchensteuer auf Kapitalerträge künftig direkt abzuführen.

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 In der Marktkirche sind leere Stühle zwar ein eher seltenes Bild – dennoch kämpfen Kirchenobere gegen die Austrittswelle.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Die Kirchen stecken in einem epochalen Umbruch: „Über Jahrhunderte war es selbstverständlich, Kirchenmitglied zu sein - das ist jetzt ins Rutschen geraten“, sagt Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann. Tatsächlich sind die aktuellen Zahlen für Kirchenvertreter alarmierend: Nach Angaben der Stadt traten im Jahr 2014 in Hannover insgesamt 3931 Menschen aus den großen Kirchen aus - deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Der katholischen Kirche kehrten 921 Mitglieder den Rücken. Noch härter traf es die Lutheraner, die 2945 Austritte zu verzeichnen hatten. Schon 2013 war die Zahl der Austritte nach dem Bauskandal im Bistum Limburg sprunghaft angestiegen.

Die aktuelle Austrittswelle hängt offenkundig mit der 2014 verschickten Ankündigung der Banken zusammen, die Kirchensteuer auf Kapitalerträge künftig direkt abzuführen. Dadurch erhöhten sich die Kirchensteuern zwar nicht; es ging nur um eine Änderung beim Einzugsverfahren: „Viele Menschen interpretierten dies aber anders - oder sie nahmen die Mitteilung zum Anlass, über ihre Kirchenmitgliedschaft grundsätzlich nachzudenken“, sagt der städtische Pressesprecher Udo Möller.

Das deckt sich mit einer Beobachtung Heinemanns: „Im vergangenen Jahr traten auffällig viele Ältere aus - sie fürchteten offenbar um ihre Ersparnisse“, sagt er. In der Regel kehrten sonst eher jüngere Mitglieder der Kirche den Rücken - wenn beim Eintritt ins Berufsleben Kirchensteuer fällig wird. „Wenn es möglich wäre, würden viele auch aus der Bundesrepublik Deutschland austreten, um Steuern zu sparen“, sagt Heinemann.

Gleichwohl dürfte die Mitteilung der Banken für viele nur der letzte Anlass gewesen sein, den Austritt zu vollziehen: „Die Bindung vieler Menschen an die Institution Kirche wird immer brüchiger - was nicht bedeutet, dass sie auch den Glauben verlieren“, sagt Propst Martin Tenge, oberster Katholik der Region Hannover. Für die Austritte seien auch kircheninterne Krisen verantwortlich: „Der Papst korrigiert zwar das Bild, das viele von der katholischen Kirche haben, doch dieser Effekt schlägt noch nicht überall durch.“

Ein Rezept gegen den Mitgliederschwund haben die Kirchen noch nicht gefunden: „Wir versuchen, gute Arbeit zu machen“, sagt Heinemann. Etliche Gemeinden schreiben neuerdings zugezogene Mitglieder an oder laden Familien bei der Geburt eines Kindes gezielt zur Taufe ein. „In Lebenskrisen kann die Kirche Halt geben, und wir organisieren viele soziale Projekte“, sagt Tenge. „Trotzdem empfinden viele ihre Kirchensteuer nicht als einen Solidarbeitrag.“

Mitte 2014 gehörten von 525 000 Hannoveranern noch rund 171 000 der evangelischen Kirche und rund 72 000 der katholischen Kirche an, deren Zahl durch Zuzüge in etwa konstant bleibt. „Die Kirchen begegnen Problemen der Zeit oft nicht angemessen“, sagt Jürgen Steinecke, Geschäftsführer des Humanistischen Verbandes. Allerdings hätten auch Parteien und Vereine mit Mitgliederschwund zu kämpfen - ebenso wie sein eigener Verband: „Bei uns sind die ausgetretenen Kirchenmitglieder jedenfalls nicht eingetreten.“

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