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Aus der Stadt So hat sich die Kriminalität 2015 entwickelt
Hannover Aus der Stadt So hat sich die Kriminalität 2015 entwickelt
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00:17 20.02.2016
Von Tobias Morchner
Quelle: Elsner/Dillenberg/Montage
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Hannover

Weniger Wohnungseinbrüche, mehr Autoaufbrüche – das sind die wichtigsten Punkte der polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2015 in Hannover. Doch Polizeipräsident Volker Kluwe und sein Stellvertreter Thomas Rochell konnten bei der Präsentation der Zahlen und der Tabellen zu den Straftaten in der Stadt und dem Umland mit einer Premiere aufwarten: Erstmals äußerten sich die Behördenleiter dezidiert auch zu den Vergehen, die von Flüchtlingen begangen wurden. „Die hier aufhältigen Flüchtlinge sind nicht krimineller als anderswo“, lautete das Fazit.

Um zu diesem Schluss zu kommen, mussten Kluwe und Rochell allerdings eine Reihe von Erklärungen vorweg schicken. Zum einen ist der Begriff Flüchtling im Kontext der Kriminalstatistik nicht klar definiert. „Die Kriminalität im Kontext von Flüchtlingen kann daher nur auf Anhaltspunkten basieren“, sagt Kluwe. Für die Statistik hat die Behörde deshalb die Straftaten von Asylbewerbern, sogenannten Kontingents- beziehungsweise Bürgerkriegsflüchtlingen, Personen, die hier geduldet werden, und solchen, die sich unerlaubt hier aufhalten, ausgewertet. Gezielt ausgewertet werden Straftaten von Flüchtlingen erst seit November.

"Hannover hat eine hohe Anziehungskraft"

„Allein der Status Duldung kann bedeuten, dass sich diese Person bereits seit Jahren in Hannover aufhält“, sagte Kluwe. Dazu kommt der Umstand, dass nicht alle Straftaten von Flüchtlingen in Hannover auch von solchen begangen wurden, die in der Stadt oder dem Umland leben. „Hannover hat eine hohe Anziehungskraft – auch für Flüchtlinge. Sodass wir für das Jahr 2015 feststellen, dass mehr als die Hälfte der tatverdächtigen Flüchtlinge gar nicht aus Hannover stammt“, sagte der Polizeipräsident. Berücksichtigt werden müsse zudem, dass sich im Jahr 2014 deutlich weniger Flüchtlinge hier aufgehalten haben. Aus diesen Gründen ist es kaum möglich, die Zahl der Straftaten zu der der Flüchtlinge in der Region ins Verhältnis zu setzen.

Laut Statistik klärte die Polizei im Jahr 2015 genau 5329 Straftaten von Flüchtlingen und ermittelte 3064 Tatverdächtige. 2014 waren es 2515 Delikte und 1590 Tatverdächtige – so weit das statistisch zu erfassen ist. Dazu kommen die 3415 Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylgesetz. „Generell können wir sagen, dass Flüchtlinge vorrangig Straftaten der einfachen und mittleren Kriminalität begehen, also Ladendiebstähle oder Erschleichung von Leistungen“, sagte Kluwe.

Insgesamt verzeichnete die Polizeidirektion Hannover im Jahr 2015 121 119 Straftaten. Im Jahr 2014 waren es nur 116 719. Die Steigerung erklärt sich aus dem Anstieg der Zahlen im Bereich Ladendiebstahl (um 13,6 Prozent) beim Schwarzfahren (um 30,4 Prozent) und bei den Autoaufbrüchen (um 35,7 Prozent).

Quelle: HAZ-Grafik

Viele Schwarzfahrer und Ladendiebe: 121 119 Straftaten verzeichnete die Polizei insgesamt für 2015 – 3,8 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Die seit 2011 stetig wachsende Zahl der Delikte ließ sich also erneut nicht reduzieren. Rechnet man allerdings die Zahl der Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, der Schwarzfahrer und Ladendiebe heraus – also die harmloseren Delikte – steht Hannover mit 98 304 Delikten im Jahr 2015 nicht ganz so schlecht da.

  Quelle: HAZ-Grafik

Aufklärungsquote steigt: Entgegen dem Landestrend ist in Hannover die Zahl der Wohnungseinbrüche 2015 deutlich um knappe 3 Prozent zurück gegangen. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote bei diesem Delikt auf 25,8 Prozent. „Dieser Trend hält auch in den ersten Wochen des Jahres 2016 erfreulicherweise an“, sagte Polizei-Vizepräsident Thomas Rochell. Seit zwei Jahren werden alle Einbrüche in Hannover zentral von einer Sondereinheit bei der Polizeiinspektion Ost bearbeitet. Zudem hatte die Behörde ihr Beratungsangebot ausgeweitet.

Quelle: HAZ-Grafik

38 Taten registriert: Die Zahl der versuchten und vollendeten Tötungsdelikte in der Stadt und dem Umland war 2015 so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr. Insgesamt registrierte die Behörde 38 Taten. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um neun Fälle. Die Statistiker registrierten für das vergangene Jahr 29 versuchte Tötungsdelikte und neun vollendete Taten. Dazu zählt unter anderem auch der Mord an der Geschäftsfrau Andrea K. Die 49-Jährige wurde im Mai in ihrer Wohnung im Zooviertel von einem 27-Jährigen getötet.

Quelle: HAZ-Grafik

Junge Erwachsene häufig Opfer: Hier ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen. 10 786 Straftaten sind 2015 in die Statistik eingegangen. Das sind ganze 15 Fälle mehr als im Jahr zuvor. Angewachsen ist vor allem die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen. Die Zahl der leichten Fälle ist dagegen im Vergleich zum Vorjahr etwas rückläufig. Opfer werden hauptsächlich junge Erwachsene bis zu einem Alter von 21 Jahren. Die Aufklärungsquote bei diesem Delikt ist extrem hoch. Sie lag im vergangenen Jahr bei 88 Prozent.

Quelle: HAZ-Grafik

VW bei Dieben beliebt: Der deutlichste Anstieg in der Statistik ist bei der Zahl der Autoaufbrüche zu verzeichnen. Sie stieg von 3081 Fällen auf 4180 Delikte. Ebenfalls gestiegen ist die Zahl der Autodiebstähle – von 589 auf 752. „Gestohlen werden insbesondere Autos aus der VW-Gruppe und dabei meist Wagen älteren Baujahrs, die wohl als Ersatzteillager fungieren“, sagt Polizei-Vizepräsident Rochell. Wegen des deutlichen Anstiegs in diesem Bereich prüft die Polizeidirektion derzeit die Einrichtung einer Zentralstelle für den Kampf gegen Autoknacker.    

Quelle: HAZ-Grafik

Negative Entwicklung: 147 Vergewaltigungen registrierte die Polizeidirektion im vergangenen Jahr, 154 Fälle von Kindesmissbrauch und 137 Fälle, in denen pornografische Erzeugnisse verbreitet wurden. Damit ist die Gesamtzahl im Bereich Sexualstraftaten im vergangenen Jahr wieder angestiegen, nachdem sie im Jahr zuvor im Vergleich mit den Daten von 2013 deutlich gesunken war. Gestiegen ist allerdings auch die Aufklärungsquote in diesem Bereich. Die Zahl kletterte von 76, 9 Prozent im Jahr 2014 auf 79,5 Prozent im Jahr darauf.

 

Quelle: HAZ-Grafik

Flüchtlingsstraftaten: Nur selten in der Nähe der Heime: 5329 Straftaten von Flüchtlingen registrierte die Polizeidirektion im Jahr 2015. Das sind 4,5 Prozent der Gesamtstraftaten im Zuständigkeitsbereich der Behörde. 3064 Tatverdächtige konnten zu den Vergehen ermittelt werden. Dazu kommen noch 3415 Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylrecht. Der Anteil der Flüchtlinge an der Gesamtbevölkerung in Hannover beträgt derzeit 1,3 Prozent.
Anders als oft behauptet wird, geschehen die Straftaten nicht im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften. „Brennpunkte der Flüchtlingskriminalität sind das Steintor, der Bereich um das Jugendzentrum Glocksee und das Faust-Gelände“, sagt Polizeipräsident Volker Kluwe.

Seine Behörde setzt auch in diesem Bereich verstärkt auf Präventionsarbeit. „Wir gehen in die Flüchtlingsunterkünfte und arbeiten dort mit den Betreuern eng zusammen“, sagt Kluwe. Die Beamten verteilen Flugblätter in neun verschiedenen Sprachen, auf denen zum Teil auch so simple Dinge erklärt werden wie, dass man eine Fahrkarte kaufen muss, bevor man die U-Bahn oder den Bus benutzt. Viele der Flüchtlinge haben das Vertrauen in Autoritäten wie Polizisten oder Mitarbeiter von Behörden verloren, weil in ihren Heimatländern nur selten rechtsstaatliche Zustände herrschen. Dieses Vertrauen versuchen die hannoverschen Beamten auf diese Weise zurückzugewinnen.     

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