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Anwohner wollen Straßennamen behalten

Südstädter Sohnreystraße Anwohner wollen Straßennamen behalten

Zehn Straßen in Hannover sollen neue Namen bekommen, weil ihre Patrone politisch belastet sind. Auch die Südstädter Sohnreystraße ist betroffen. Doch bei den Anwohnern stößt das Vorhaben nicht auf Begeisterung. 

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Eine von zehn: Die nach dem Dichter Heinrich Sohnrey benannte Straße in der Südstadt steht auf der roten Liste des Beirats, der die Namen überprüft.

Quelle: Thomas

Hannover. In seiner Nachbarschaft gibt es nur noch ein Thema: „Alle reden über die drohende Umbenennung unserer Straße – und ich habe noch niemanden getroffen, der dafür ist“, sagt Wilfried Emmelmann. Seit 1956 lebt der Rentner in jener Straße in der Südstadt, die derzeit noch Sohnreystraße heißt. Doch das könnte sich bald ändern: Ein Beirat der Stadt hat empfohlen, die Namen von zehn Straßen zu ändern, weil deren Patrone politisch belastet sind – darunter ist auch die Sohnreystraße.

Die Straße mit ihren roten Backsteinbauten ist ein Kind der Zwanzigerjahre wie große Teile der Südstadt. Sie wurde 1928 nach Heinrich Sohnrey benannt; wohlgemerkt zu dessen Lebzeiten. Der „Solling-Dichter“ Sohnrey (1859–1948) galt damals vor allem als Verfasser von Dorfgeschichten. In „Zwischen Dorn und Korn“ hatte er aber auch über seine literarischen Anfänge in Hannover geschrieben.

Sohnrey baute die Wandervogel-Bewegung mit auf und kümmerte sich um Wohlfahrtspflege auf dem Land. Zugleich verfasste er völkische Schriften – und unterstützte die Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis. Als 88 Schriftsteller im Jahr 1933 ein Treuegelöbnis für Hitler unterzeichneten, war er dabei. Sein Roman „Fußstapfen am Meer“ (1928) strotzt vor antipolnischen und antisemitischen Einlassungen; der Roman „Das fremde Blut“ war 1938 eine einzige Warnung vor „Rassenschande“.

Gleichwohl sind viele Anwohner gegen eine Umbenennung. „Ich sehe darin keinen Sinn“, sagt Renate Küster. Eine Nachbarin hält den Wert einer Namensänderung für gering: „Es weiß doch kaum jemand, wer Sohnrey war.“ Andere hegen praktische Bedenken. „Ich bin nicht begeistert, überall eine neue Adresse angeben zu müssen“, sagt Melanie Jakisch.

In Sachen Sohnrey gibt es eine Art Umbenennungswelle: Die frühere Heinrich-Sohnrey-Realschule in Hann. Münden hat den Namen 2011 abgelegt. In Göttingen, Höxter, Hann. Münden und Springe entschied man, nach Sohnrey benannte Straßen umzubenennen. In Hannover verbindet die Sohnreystraße zwei Orte, die schon Umbenennungen hinter sich haben: Der Karl-Peters-Platz heißt seit 1991 Bertha-von-Suttner-Platz. Die Heinrich-Heine-Straße firmierte unter den Nazis als „Memeler Straße“ und bekam erst 1945 den alten Namen zurück.

Zwei andere Straßen in der Südstadt wurden umgewidmet: Die Wißmannstraße ist seit 2010 nicht mehr nach dem Kolonialisten Hermann von Wißmann benannt, sondern nach dem Kommunisten Hermann Wißmann. Die Nachtigalstraße heißt jetzt nach einem Theologen mit dem gleichen Nachnamen wie der Kolonialpolitiker. „Es ist absurd“, sagt ein Anwohner: „Wir müssen wohl einen anderen Prominenten namens Sohnrey finden, um unseren Namen behalten zu können.“     

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