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Zehntausende bei Langer Nacht der Kirchen

Gemeinden öffnen ihre Pforten Zehntausende bei Langer Nacht der Kirchen

Alle zwei Jahre zeigen Hannovers Gemeinden, welche Vielfalt in ihnen steckt: Zehntausende Besucher flanieren bei der Langen nacht der Kirchen durch den lauen Sommerabend - und erleben in den Kirchen ein buntes Programm aus Musik und Talkrunden, Tanz und Kabarett.

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Der Kinder- und Jugendchor singt bei der Langen Nacht der Kirchen in der Marktkirche

Quelle: von Ditfurth

Hannover. Es ist ein fremder Duft, der durch die Räume der Reformierten Kirche zieht. Der Geruch von Weihrauch vermischt sich mit dem von frischem Kaffee. "Die Bohnen kommen aus meiner Heimat", sagt Araya Kiflai, die selbst aus Eritrea stammt, und rüttelt die Röstpfanne über dem Feuer. Ein Halbdutzend Frauen sitzt im Kreis und schaut gebannt zu, wie sie die Kaffeezeremonie vollführt: "Dieses Ritual ist für uns eine Insel der Entspannung im Alltag", sagt sie.

Es ist Freitagabend, und der hannoversche Teil der Christenheit ist auf den Beinen. Alle zwei Jahre zeigen die Gemeinden bei der Langen Nacht der Kirchen, wie lebendig es in ihnen zugeht, wie bunt und offen die Weltreligion Christentum sein kann – und in welchem Maße die Kirchen noch immer kulturelle Zentren sind, Mitgliederschwund und Glaubenskrise zum Trotz.

Die nunmehr achte Ausgabe der Langen Nacht der Kirchen lockt mit mehr als 300 Stunden Theater, Talk und Tanz.

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Rund 38.000 Besucher flanieren nach Angabe der Organisatoren durch die laue Sommernacht; mehr als 350 Veranstaltungen stehen zur Auswahl. So gesehen herrscht ganz diesseitig ein „Leben in Fülle“, wie es bei Johannes heißt, Kapitel 10, Vers 10. In einem schummrigen Raum der Reformierten Kirche erzählt Karin Hieronimus Märchen: "Geschichten von Liebe, vom Teilen und vom Unsichtbaren - eben darüber, was die Welt verbindet", sagt sie. Das passt ganz gut.

Die Kirchennacht trägt das Motto "Hannover und die eine Welt". In der Marktkirche steht Reggae mit African Tam Tam auf dem Programm. Vorher dirigiert Liedermacher Fritz Baltruweit einen vielhundertköpfigen Besucherchor. Und als der Kinder- und Jugendchor unter der Leitung von Lisa Laage-Smidt berührende Weisen anstimmt, stehen in der Marktkirche Jugendliche neben jungen Familien und Rentner neben ihren Enkeln, um zuzuhören. Ein Querschnitt der Gesellschaft. In ihren guten Stunden sind die Kirchen immer noch das, was früher "Wetten, dass ..." war.

"Vieles von dem, was die Lange Nacht bietet, kann man bei uns das ganze Jahr über erleben", sagt Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann, "und doch erscheinen die Kirchen in dieser Nacht in einem anderen Licht. Rita Heib lehnt lässig an einem Pfeiler der Marktkirche. Seit Jahren ist die 63-Jährige bei jeder Kirchennacht dabei: "Gleich geht's weiter zur Kreuzkirche, und dann zum Chorkonzert in der Christuskirche", sagt sie. Bei jeder Kirchennacht nehme sie sich andere Stadtteile vor, diesmal sei die City dran.

Die Neustädter Kirche ist fast voll besetzt, als Lajos Rovatkay darüber redet, wie viel Temperament in Barockmusik stecken kann - und das dann gleich am Cembalo vorführt. Im Anschluss erklärt  Eike Christian Hirsch, warum Leibniz keine große politische Karriere machte: "Er konnte nicht reiten, nicht fechten und nicht trinken - damals Bedingungen, um ein wichtiger Mann zu werden."

Die Apostelkirche gibt es Vokalmusik; als der Jazz-Chor "Swing It" mit Rockklassikern wie "Riders on the Storm" auftritt, bleibt kein Fuß mehr still. Unter dem Motto "Kirche in Bewegung" bringt Tänzerin Carmen Salado unterdessen spanisches Temperament in die Matthäuskirche in der List. Im schwarzen, bodenlangen Kleid fegt sie dynamisch über den Boden, begleitet vom kraftvollen Gesang ihres Begleiters. Sichtlich erfreut lädt Landesbischof Ralf Meister die Gäste zum "Schauen, Hören und Erleben" ein.

Mal geht es in dieser Nacht frech zu, mal eher fromm, aber immer ziemlich fröhlich. Rund 1200 ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz. „Die Menschen kommen heute nicht mehr automatisch in die Kirchen“, sagt der katholische Propst Martin Tenge – da sei so eine Kirchennacht ein niedrigschwelliges Angebot, um das Publikum anzusprechen. Über all die Jahre habe sich das Konzept nie abgenutzt. Es klingt, als könnten sich die Gemeinden schon Gedanken über die nächste Kirchennacht in zwei Jahren machen.

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