In Hamburg versammelten sich nach Angaben des Bündnisses „Bildungsstreik 2009“ mehr als 15.000 Menschen in der Innenstadt. Die Polizei sprach von 11.000 Teilnehmern in Spitzenzeiten. Einem Sprecher zufolge waren etwa 300 Polizisten vor Ort. Auch in weiteren norddeutschen Städten gingen Schüler und Studenten auf die Straße.
Die größte Protestaktion in Hamburg, die am Nachmittag mit einer Kundgebung auf dem Rathausmarkt zu Ende ging, verlief den Angaben zufolge insgesamt friedlich. Lediglich wegen kleinerer Verstöße wurden sechs 14- und 15-Jährige zeitweise in Gewahrsam genommen. Die Studenten in der Hansestadt protestieren insbesondere gegen die Zustände an der Universität und den ihrer Ansicht nach autoritären Führungsstil von Präsidentin Monika Auweter-Kurtz. Die Initiatoren hatten im Vorfeld mit etwa 20 000 Demonstranten allein in Hamburg gerechnet.
In Niedersachsen beteiligten sich nach Schätzungen der Veranstalter mehrere zehntausend Schüler und Studenten an dem Protest. In Bremen zogen nach Angaben eines GEW-Sprechers rund 1500 Schüler und Studenten durch die Innenstadt und versammelten sich zu einer Kundgebung auf dem Marktplatz. Im schleswig-holsteinischen Flensburg demonstrierten etwa 1400 Studenten und Schüler auf dem Uni-Gelände.
Das Bündnis „Bildungsstreik 2009“ - ein Zusammenschluss von Schüler- und Studentenorganisationen, Gewerkschaften und sozialen Gruppen - hatte zu der bundesweiten Aktionswoche aufgerufen. Die Initiatoren prangern Missstände im deutschen Bildungssystem an und fordern bessere Lernbedingungen. Unter anderem verlangen sie kleinere Klassen, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems und die soziale Öffnung der Hochschulen.
In Hannover, Lüneburg, Braunschweig, Göttingen und Osnabrück waren unter anderem Demonstrationen, Versammlungen und öffentliche Diskussionen geplant. Auch Schulen und Hochschulen in kleineren niedersächsischen Städten wie Aurich, Soltau-Fallingbostel und Vechta beteiligten sich an dem bundesweiten Streik.
Niedersachsens SPD-Landeschef Garrelt Duin bezeichnete die Aktionen am Mittwoch in Hannover als „absolut berechtigt“. Er kritisierte besonders das neue Schulgesetz der schwarz-gelben Landesregierung, weil es für mehr Stress an Schulen und Unis sorge und der „frühzeitigen Selektion von jungen Menschen Vorschub leistet“. Duin bekräftigte das Ziel der SPD, die Studiengebühren in Niedersachsen abschaffen zu wollen. Die Proteste sollen den Initiatoren zufolge noch bis Ende der Woche andauern.
ddp
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Kommentare
Demo Rosi F. – 18.06.09
Mann ey, det sind ja insjesamt mehr als in Teheran.Bildung fängt nicht erst in der Schule an Georg Weil – 18.06.09
Bildung fängt nicht erst in der Schule an, sondern beginnt zuallererst zu haus in der Familie. Aber nicht alle Familien sind gleichermaßen gut gerüstet, um die Kinder auf eine erfolgreiche Schul- und Berufslaufbahn vorzubereiten und sie dabei zu unterstützen.Deshalb fordert der Kindertagesstätten-Stadtelternrat den gebührenfreien Zugang zu Krippe, Kindergarten und Hort allen Kindern zu ermöglichen.
Der Bildungserfolg darf nicht an der sozialen Herkunft scheitern.
In den Kindertagesstätten müssen sehr gut qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher mit den Kindern arbeiten, die sich nicht darauf beschränken, den Kindern das Stillesitzen beizubringen, sondern an der natürlichen Entdeckerfreude und Neugier der Kinder anknüpfen und sie dazu anleiten, die Welt zu entdecken und ihre Entdeckungen zu ordnen und anderen mitzuteilen.
Diese Bildungsarbeitarbeit schon mit den Kleinsten erfordert eine gründliche Ausbildung und eine angemessene Bezahlung. Der Streik der Erzieherinnen und Erzieher in den städtischen Kitas in diesen Wochen zeigt, dass hier ein großer Nachholbedarf besteht. Und dieser Streik der Erzieherinnen und Erzieher steht deshalb in direktem Zusammenhang mit diesem Bildungsstreik der Schülerinnen und Schüler und der Studierenden für mehr Bildungsgerechtigkeit.
Georg Weil (Kita-Stadtelternrat Hannover)