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Zentrum für NS-Geschichte kommt in alte Volkshochschule

700 Quadratmeter Zentrum für NS-Geschichte kommt in alte Volkshochschule

Der Streit um die Einrichtung eines Zentrums für Hannovers Geschichte in der Nazi-Zeit ist weitgehend beigelegt. Nach Informationen der HAZ soll der sogenannte Lernort im Gebäude der ehemaligen Volkshochschule gegenüber dem Rathaus untergebracht werden.

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Große Panoramafenster: Im Herbst 2015 wurde diese Illustration vorgestellt, da waren indes noch Geschäfte in der alten VHS geplant, die jetzt eingerüstet ist.

Quelle: RTW Architekten GmbH

Hannover. Im Gebäude der ehemaligen Volkshochschule gegenüber dem Rathaus soll ein Zentrum für NS-Geschichte entstehen. 700 Quadratmeter im Erdgeschoss und im Souterrain sind dafür vorgesehen. Große Panoramafenster sollen den Blick in das Dokumentationszentrum freigeben, der Eingang wird sich dort befinden, wo früher die Kneipe Philharmonie ihre Räume hatte. Wegen der Umbauten in der alten VHS wird der Lernort aber nicht vor 2019 eröffnen. Das geht aus einem Konzept hervor, das die Stadtverwaltung in Abstimmung mit einem Expertenrat entwickelt hat. Der Plan wird Mitte Mai im Kulturausschuss des Rates vorgestellt.

Seit mehreren Jahren wird in Hannover über eine Dokumentationsstelle diskutiert, die die Geschichte der Stadt während der NS-Zeit anschaulich darstellt. Insbesondere der Verein Netzwerk Erinnerung und Zukunft hat sich beständig für eine solche Einrichtung eingesetzt. Wo ein angemessener Standort sein könnte, und wie umfangreich die Ausstellung sein sollte, darüber gingen die Meinungen auseinander. Ein noch zu Zeiten von Kulturdezernentin Marlis Drevermann gegründeter Beirat sprach sich anfangs für einen Neubau aus, etwa in der Nähe des Maschsees. Die Kosten wären allerdings angesichts der angespannten Haushaltslage zu hoch gewesen.

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Anfang des Jahres kam das alte VHS Gebäude als möglicher Standort ins Gespräch. Anlass dürfte der Umstand gewesen sein, dass die Stadt sämtliche Räume anmieten wollte, um dort Verwaltungsbüros einzurichten. Ursprünglich gehörte die alte VHS der Stadt, sie verkaufte das marode Gebäude an die Baum Unternehmensgruppe, die das Haus derzeit saniert. Zunächst sollten nur 400 Quadratmeter für das geschichtspädagogische Zentrum reserviert werden, doch dagegen wehrten sich unter anderem die Grünen.

„Die jetzt anvisierten 700 Quadratmeter sind bereits die unterste Grenze für einen Lernort“, sagt Grünen-Kulturexperte Daniel Gardemin. Für einige wichtige Themen gebe es nicht genügend Platz. „Die Verantwortung von Industrie und Verwaltung während der ­NS-Zeit in Hannover wird nicht in einer Weise dargestellt, die wünschenswert wäre“, sagt Gardemin. Grundsätzlich stehe man dem Vorhaben aber nicht abgeneigt gegenüber.

Letzteres sehen auch SPD und FDP so, Partner der Grünen in der Mehrheitskoalition. „Um eine Förderung von Land und Bund zu bekommen, sollten wir jetzt mit dem Projekt beginnen“, sagt SPD-Kulturpolitiker Andreas Markurth. Er begrüßt, dass der neue Lernort für alle offenstehe - Schulklassen, Auszubildende, Senioren und alle interessierten Bürger. FPD-Fraktionschef Wilfried Engelke dringt darauf, dass der Öffentlichkeit das Konzept der Lernstätte vorgestellt wird. „Wir dürfen das nicht hinter verschlossenen Türen diskutieren“, sagt er.

Lernort – nicht nur zur Nazi-Vergangenheit?

In der Ratspolitik erheben sich Stimmen, die den künftigen Lernort zur Nazi-Vergangenheit Hannovers thematisch ausweiten wollen. Die rechtskonservativen „Hannoveraner“ wünschen sich, dass auch Ereignisse aus der „Demokratiegeschichte“ Deutschlands in den Räumen der alten VHS gezeigt werden. „Wir dürfen der Jugend nicht nur Negativbeispiele bieten“, meint „Hannoveraner“-Vertreter Gerhard Wruck am Freitag im Kulturausschuss. Die Satirepartei „Die Partei“ fordert im Gegenzug, dass Schüler auch an die Verbrechen der Kolonialzeit erinnert werden. Beide Anträge lehnen die anderen Parteien ab. Im Kern müsse es um Hannover in den zwölf Jahren Nazi-Herrschaft gehen, heißt es zur Begründung. „Diese Geschichte haben wir noch nicht erzählt“, sagt Grünen-Vertreter Oliver Kluck.

von Andreas Schinkel

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