Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Eine Zinsser-Revue in Bild und Modell

Architektur in Hannover Eine Zinsser-Revue in Bild und Modell

Der Architekt Ernst Zinsser (1904 – 1985) hat nicht nur das Wohnhaus für Konrad Adenauer entworfen. Er hat, wie kein anderer Nachkriegsarchitekt in Hannover, das Bild vom Wiederaufbau der Stadt geprägt. Noch bis 12. Dezember erinnert jetzt eine Modellausstellung an das Werk des hannoverschen Architekten.

Voriger Artikel
Reifenwechsel? Nur mit langer Wartezeit
Nächster Artikel
Unabhängiger Gutachter soll Unfallhergang klären

Conti-Campus als handgearbeitetes Modell – mit den Lehrbeauftragten Arlette Feltz-Süßenbach und Jens Broszeit sowie den Studentinnen Rebecca Baum und Franziska Roehse.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Zinsser hat, wie kein anderer Nachkriegsarchitekt in Hannover, das Bild vom Wiederaufbau der Stadt geprägt – in der Menge seines Schaffens und der Prominenz seiner Bauten mehr noch sogar als Dieter Oesterlen. Erstmals widmet sich jetzt eine umfangreiche Ausstellung seinen Werken und präsentiert diese nicht nur in Bildern, sondern in aufwendig handgearbeiteten Architekturmodellen. Zu verdanken ist das Studierenden der Architekturfakultät unter Prof. Zvonko Turkali und Jens Broszeit, die insgesamt gut zwei Dutzend Zinsser-Gebäude als Modelle nachgebaut haben. 17 davon sind ab Dienstagabend (8. November) öffentlich zu besichtigen.

Als Zinssers prominentestes Werk in Hannover gilt das ehemalige Conti-Hochhaus am Königsworther Platz, das heute zur Leibniz-Uni gehört. Der streng gerasterte Stahlskelettbau war mit seinen 15 Stockwerke das erste Nachkriegshochhaus in Deutschland überhaupt. Typisch für Zinsser ist die zurückhaltende, nüchterne Architektur, die alles Pompöse, Protzige aus der Nazizeit ablehnt. Einziger Schwung ist das ganz leicht konstruierte Flugdach über dem Eingang, ein Motiv, das Zinsser gerne verwendete und etwa beim Bürohaus der Kali-Chemie an der Hans-Böckler-Allee (heute: Solvay/Abott) enorm weit streckte.

Zinsser war bereits 1936 nach Hannover gekommen und plante hier vor allem Gebäude für die Vereinigten Leichtmetall-Werke an der Göttinger Chaussee/Schlorumpsweg – das Gelände wird heute unter anderem von Alcoa genutzt und gerade von der Stadt übernommen. Aber auch die markanten Stichweh-Gebäude, der Nachkriegsbau der Druckerei Edler + Krische in der Kestnerstraße, die Waldorfschule am Maschsee, das Hotel Am Leineschloss in der Altstadt oder die Erweiterung von Kastens Hotel Luisenhof und die heutige Kunsthalle mit Sechzigerjahrehalle auf dem Faust-Gelände (Versand- und Lagerhalle der Bettfedernfabrik) stammen von Zinsser. Viele seiner Kirchen, Schulen, Büro- und Wohnhäuser in Niedersachsen stehen unter Denkmalschutz oder wurden mit dem Architektenpreisen ausgezeichnet, einige sind trotz der Auszeichnungen bereits abgerissen.

Zinsser lehrte als Professor am Lehrstuhl für Entwerfen und Gebäudelehre der Architekturfakulät. Deshalb ist es nur konsequent, dass die dortigen Studierenden jetzt über den Modellbau die Proportionen der zinsserschen Gebäudekubaturen nachfühlen lernten. Fast alles ist von Hand gearbeitet, aus Sperrholz mit Stahllineal und Cuttermesser. „Das ist richtiges Handwerk, so bekommt man ein Gefühl für dreidimensionales Arbeiten“, sagt Masterstudentin Rebecca Baum. Die Ausstellung, dekoriert mit Fotos von Julian Martitz, wird am 8. November um 18 Uhr in der Architektenkammer, Friedrichswall 5, eröffnet. Es gibt Begrüßungsworte von Kammerpräsident Wolfgang Schneider und Prof. Turkali sowie einen Vortrag von Bauhistoriker Sid Auffarth. Erwartet werden auch Bauherrenvertreter, etwa Hanno Ziehm von der Firma Stichweh, und Zinssers langjähriger Büropartner, der 89-jährige Hans-Jürgen Meyer-Delvenstahl. Die Ausstellung ist bis Sonnabend zu üblichen Öffnungszeiten der Kammer kostenlos zu besichtigen.

Als Ausstellungskatalog ist eine Buch-Dokumentation im Jovis-Verlag erschienen, die auf fast 100 Seiten die Gebäude dokumentiert. Dass dabei die eigens gebastelten Modelle wieder zu zweidimensionalen Bildern "degradiert" werden, ist kein Manko: Sie geben der Darstellung des zinsserschen Oeuvres eine besondere, aufs wesentlichen konzentrierende Note.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Anfang Juli heiratete Ernst August Erbprinz von Hannover Ekaterina Malysheva. Auf unserer Themenseite finden Sie Bilder, Videos und Berichte zur Promi-Hochzeit des Jahres in Hannover.

Schüsse lösen sich aus Maschinenpistolen der Polizei

Zwei Mal haben sich in dieser Woche Schüsse aus Maschinenpistolen von Polizisten gelöst, die auf den Weihnachtsmärkten für Sicherheit sorgen sollen. Verletzt wurde niemand.