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Aus der Stadt Zirkus in Bedrängnis
Hannover Aus der Stadt Zirkus in Bedrängnis
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08:03 07.10.2011
Beim Gastspiel des Circus Krone in Hamburg gab es massive Proteste von Tierschützern. Quelle: Fred Dott
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Hannover

Las-Vegas-Atmosphäre, atemberaubende Artistik, tollkühne Stunts, tollpatschige Clowns: Wer den klassischen Zirkus liebt, kommt Ende Oktober wieder auf seine Kosten. Vom 19. bis 30. Oktober gastiert Europas größter Zirkus, Circus Krone, auf dem Schützenplatz. Am Donnerstag stellte das renommierte Unternehmen sein Programm zum 100-jährigen Jubiläum vor. Es trägt den Titel „Celebration“ und bietet die ganze Palette anspruchsvoller Zirkuskunst: 54 Artisten aus 14 Nationen sind dabei, außerdem 250 Tiere, darunter Tiger, Löwen, Elefanten und Seelöwen.

Das Zirkuszelt bietet 5000 Plätze, die Show dauert drei Stunden. Ein Weißclown ist ebenso dabei wie Artisten des Chinesischen Staatszirkus und Dressurpferde. Zu den Höhepunkten zählen die Elefantendressur mit Colonel Joe, dem nach Zirkusangaben mit sieben Tonnen und dreieinhalb Metern Höhe größten Elefantenbullen der Welt, der in Gefangenschaft lebt, sowie die Auftritte von King Tonga, einem weißen Löwen, und Nashornbulle Tsavo.

Doch die tierischen Stars bringen das Zirkusunternehmen jetzt in Bedrängnis. In Hamburg, wo Krone zurzeit noch gastiert, haben Tierschützer massiv gegen die Haltung exotischer Tiere demonstriert. Der Hamburger Senat hat seinerseits eine Bundesratsinitiative für ein Wildtierverbot in deutschen Zirkussen auf den Weg gebracht – der zweite Anlauf nach einer Initiative 2003. „Die Länder sind sich einig, dass ein Wildtierverbot jenseits der bestehenden Zirkusleitlinien bundeseinheitlich geregelt werden muss“, sagt Jörg Baumgarte, Leiter des Tierschutzreferates im niedersächsischen Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Insbesondere bei Elefanten, Flusspferden, Delfinen und Menschenaffen werde über ein Verbot nachgedacht. Diese Ansicht teilt auch die Bundestierärztekammer. „Wildtiere im Zirkus sind heute nicht mehr akzeptabel, die Erkenntnisse über ihre Bedürfnisse haben sich stark erweitert“, sagt Theo Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer. „In den temporären Gehegen können die Tiere keine Reviere einrichten, sich also nie zu Hause fühlen.“ Gleichwohl würden Zirkusse regelmäßig von Amtstierärzten kontrolliert.

Frank Keller, Sprecher des Circus Krone, nimmt die erneute Debatte um die Haltung wilder Tiere gelassen. „Es gibt immer wieder profilierungssüchtige Politiker, die sich mit Tierschutz schmücken wollen“, sagt Keller. Die Tiere im Circus Krone seien nicht mehr wild, sondern seit Generationen in Gefangenschaft geboren. „Wir sind selber Tierschützer“, betont Keller. Er räumt ein, dass früher übliche Tierdressuren wie radelnde Bären oder Tiger, die durch brennende Reifen springen, nicht mehr zeitgemäß seien. „Wir dressieren heute artgerecht.“

Das bescheinigt Krone auch der Berufsverband der Tierlehrer. Er sieht in den Kampagnen der Tierschützer regelrechtes Mobbing. „In der Zirkustierhaltung hat es in den vergangenen 20 Jahren viele Verbesserungen gegeben. Der Tierschutz wird bei Krone vorbildlich erfüllt“, betont der Vorsitzende des Verbands, Claus Kröplin.

Sein Programm umzustellen und langfristig von Tierdressuren mit Löwen oder Elefanten Abstand zu nehmen, darüber denkt Krone nicht nach. „In Hamburg haben wir wegen des sensationellen Erfolgs gerade verlängert. Aus Umfragen wissen wir, dass mehr als 80 Prozent unserer Zuschauer wegen der Tiernummern kommen“, sagt Keller. „Unser Programm ist klassisch: Tiere, Akrobatik und Clowns – für die ganze Familie. Und daran halten wir fest.“

Julia Pennigsdorf

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