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Aus der Stadt So rettet der Zoo den Rothalsstrauß vorm Aussterben
Hannover Aus der Stadt So rettet der Zoo den Rothalsstrauß vorm Aussterben
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18:13 18.07.2016
Die Rothalsstrauße lassen es sich im Zoo gut gehen. Quelle: dpa
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Hannover

Grazil laufen die kleinen Nordafrikanischen Rothalsstrauße durch das Gehege im Zoo Hannover. Sechs Jungvögel sind im Frühjahr geschlüpft, die Eier wurden in einer Brutmaschine ausgebrütet. Die kleinen Strauße sind sehr wertvoll, denn in freier Wildbahn ist der größte Laufvogel der Welt vom Aussterben bedroht. Der Nachwuchs sucht immer noch Schutz unter der Wärmelampe im Stall. "Strauße sind sehr soziale Tiere. Ein älterer Vogel zeigt den Kleinen, wie sie zum Beispiel Futter picken müssen", sagt Biologin Maren Frerking vom Zoo Hannover.

Vor fünf Jahren hat der Zoo Hannover ein Erhaltungsprogramm für den Nordafrikanischen Rothalsstrauß angeregt. Ursprünglich war der Laufvogel fast über den gesamten nordafrikanischen Raum verbreitet. Doch dann wurde die Modewelt auf seine großen, außergewöhnlichen Federn aufmerksam. Intensive Bejagung, Wilderei und politische Unruhen haben den Bestand stark dezimiert. In freier Wildbahn gibt es nur noch wenige Hundert Rothalsstrauße, die meisten davon im Tschad.

Eier aus einem Nationalpark geholt

"Wir züchten die Tiere, um auf die Bedrohung aufmerksam zu machen und einen kleinen Bestand in Europa zu haben", sagt Zoo-Sprecherin Simone Hagenmeyer. Um die Zucht zu starten, war Biologin Frerking mit dem damaligen Zoologischen Leiter Heiner Engel nach Marokko geflogen. "Dort haben wir in Abstimmung mit allen Behörden Eier aus einem Nationalpark geholt", berichtet sie. Das Zeitfenster sei eng gewesen, die Eier mussten innerhalb von zwei Wochen aus den Nestern genommen werden – noch bevor Hahn und Henne sie bebrüten. Denn auch der Hahn ist für die Brut zuständig und äußerst wehrhaft, wenn ihm Eier aus dem Nest gestohlen werden.

Die kostbare und zerbrechliche Fracht wurde nach Hannover gebracht. Das ging nur mit einem Direktflug – also in einem Ferienflieger. Die Kartons hätten auf den Sitzplätzen D, E und F in Reihe 22 im Flugzeug gestanden, erzählt Frerking. "Zweimal mussten wir gebuchte Flüge wieder absagen, da keine Eier in den Nestern lagen", schildert die Biologin die Probleme beim "Eierklau für den Artenschutz".

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Die Rothalsstrauße fressen aus einem Napf. 

In Hannover wurden die Eier in den Brüter gelegt. Die Mission war erfolgreich: Mittlerweile ist ein im Zoo geschlüpftes Paar geschlechtsreif – Henne Rana und Hahn Larbi, der nach dem Chefranger des marokkanischen Nationalparks benannt wurde. "Rana hat in diesem Jahr bereits 57 Eier gelegt, aber alle Eier können wir natürlich nicht ausbrüten", betont Hagenmeyer.

Tiere werden bis 2,70 Meter groß

Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatten sich sieben Küken nach etwa 42 Tagen in der Brutmaschine aus den Eiern gepickt – die "Generation Eins" im Zoo. Wenn die Kleinen mal erwachsen sind, haben sie eine Größe von bis zu 2,70 Meter, wiegen bis zu 150 Kilogramm und sind bis zu 70 Stundenkilometer schnell.

Außer dem Zoo Hannover beteiligen sich noch sechs Tierparks in Deutschland, England und den Niederlanden an der Zucht. Der Zoo arbeitet eng mit dem Sahara Conservation Fund (SCF) mit Sitz in der Schweiz zusammen. Die Organisation versucht unter extremsten Bedingungen, die verbliebenen Tiere zusammenzubringen, damit sie eine Chance haben, sich zu vermehren. Eier werden eingesammelt, ausgebrütet und die Jungen in geschützte Gebiete gebracht.

"Die Zuchterfolge für Nordafrikanische Rothalsstrauße innerhalb des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms sind von absolut entscheidender Bedeutung für das künftige Überleben dieser Art. Der Wiederaufbau eines Bestands wird auf die Zusammenarbeit von Zoos, privaten Züchtern und Wildtiermanagement-Stationen in Marokko, Tunesien, Niger, Tschad und Senegal angewiesen sein", sagt Bill Houston, stellvertretender Vorsitzender des Sahara Conservation Fund.

Vier hannoversche Jungvögel haben ein neues Zuhause im Zoo Kronberg im Taunus gefunden. "Wir fangen mit der Zucht an», sagt Geschäftsführer Thomas Kauffels. Aus dem Altbestand an Straußen sei nur eine Henne übrig geblieben, deshalb beteilige sich der Zoo an dem Zuchtprogramm für Nordafrikanische Rothalsstrauße. "Die Zucht dauert natürlich, so etwas geht nur langsam", weiß Biologin Frerking, die das Europäische Zuchtbuch führt. Ihre Hoffnung ruht auf den munteren Jungvögeln, die durch das Gehege toben.

dpa

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