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Stadt will weniger Autos in die City lassen

Zu hohe Schadstoffbelastung Stadt will weniger Autos in die City lassen

Die Luft in Hannover ist noch immer verschmutzt, EU-Grenzwerte werden regelmäßig überschritten. Schuld sind Autoabgase, besonders von Dieselfahrzeugen. Die Stadt überlegt nun drastische Maßnahmen: Sie denkt über Straßensperrungen nach.

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In Hannover

Quelle: Michael Thomas

Hannover. „Wir müssen den Individualverkehr deutlich reduzieren. Das muss das Ziel aller Maßnahmen sein“, sagte Elisabeth Czorny, Leiterin des Fachbereichs Umweltplanung, bei einer Anhörung am späten Montagabend im Bezirksrat Mitte. Mit „weichen Maßnahmen“, etwa mehr Werbung für Stadtbahnen und Busse, komme man nicht weiter. „Wir brauchen einschneidende Maßnahmen“, sagt die Umweltexpertin.

Tatsächlich steht die Stadt Hannover unter Druck. Zwar sind die Feinstaubwerte gesunken, doch beim gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxid liegt Hannover deutlich über dem EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Hohe Werten werden nicht nur an der Messstation Göttinger Straße registriert, sondern auch an weiteren fünf Messpunkten im Stadtgebiet. Sinkt die Belastung nicht, muss die Stadt mit Klagen von Umweltverbänden und Anwohnern rechnen. Die EU droht mit Strafen von 10.000 Euro pro Tag.

Hauptverursacher der Luftverschmutzung ist der Autoverkehr, und der hat in Hannover in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Zwischen 2008 und 2016 sei die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge in Hannover um mehr als 22.000 angestiegen, ein Zuwachs um elf Prozent, berichtet Czorny. Auch führen immer mehr Dieselautos durch die Straßen und verschmutzten die Luft. „Selbst Motoren der Euronorm 4 und 5 stoßen dreimal mehr Stickstoffdioxid aus als ein Benzinmotor“, sagte die Umweltplanerin. Beim neuesten Diesel-Typ (Euronorm 6) seien es immerhin noch 33 Prozent mehr.

Rechtsgrundlage für blaue Plakette unklar

Als mögliche Lösung hat die Stadt im Sommer die umstrittene blaue Umweltplakette für Dieselfahrzeuge ins Gespräch gebracht. Sie würde bedeuten, dass nur Dieselmotoren der Euronorm 6 in die City fahren dürfen. Proteste in Hannover, aber auch bundesweit flammten auf. Derzeit liegen die Pläne auf Eis, die Verkehrsminister der Bundesländer sind sich uneins.

Offenbar will Hannover nicht so lange warten, bis die Rechtsgrundlage für die blaue Plakette geklärt ist. Um die Luftverschmutzung in besonders belasteten Straßen rasch zu bekämpfen, scheint die Stadt Sperrungen nicht auszuschließen. Verschiedene Modelle rechne man derzeit durch, sagte Czorny. „Wohin weicht der Verkehr aus, wenn wir eine Straße sperren? Wo ist eine Umlenkung sinnvoll? Oder verlagert sich nur die Verkehrsdichte?“ Das alles stimme man mit dem Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim ab, das die Luftqualität in Hannover misst.

Die CDU im Bezirksrat bringt die blaue Plakette wieder ins Spiel. „Wenn Dieselmotoren die Hauptursache sind, müssen wir in erster Linie Dieselfahrzeuge in der City reduzieren“, sagt CDU-Bezirksratsherr Joachim Albrecht. Eine blaue Plakette sei daher überfällig.

Ende des Jahres soll das Maßnahmenpaket fertig sein, Anfang 2017 will die Stadt die Pläne veröffentlichen. „Jeder kann seine Einwände und Ideen vorbringen“, sagt Czorny. Im Frühjahr 2017 soll der Luftreinhalteplan Bezirksräten und Ratsgremien vorgelegt werden.

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