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Aus der Stadt Zu hip für die natürliche Geburt?
Hannover Aus der Stadt Zu hip für die natürliche Geburt?
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00:21 13.08.2015
Von Gabi Stief
Eine Kaiserschnittoperation belaste nicht nur die Mutter, sondern wirkt sich laut Studien auch nachteilig auf das Neugeborene aus. Quelle: dpa
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Hannover

Der Hebammenverband macht strukturelle Mängel in den Kliniken und ein verändertes Körperbewusstsein junger Frauen für den Anstieg verantwortlich. „Es ist heute hip und schick, schnell wieder fit zu sein und nicht lange im Bett zu liegen oder lange zu stillen“, beklagt die niedersächsische Verbandsvorsitzende Brigitte Salisch. „Alles muss leicht und einfach sein.“ Der Glaube vieler Schwangeren, dies erreichten sie mit einem Kaiserschnitt, sei ein großer Irrtum. „Wir müssen zurück zur Natürlichkeit, aber dies ist ein langer Weg.“

Der Hebammenverband, aber auch der Berufsverband der Frauenärzte setzen große Hoffnung auf eine landesweite Informationskampagne, mit der das niedersächsische Sozialministerium auf Initiative der rot-grünen Koalition seit Kurzem für die natürliche Geburt wirbt. Mittlerweile kommt jedes dritte Kind in Niedersachsen mit einem Kaiserschnitt zur Welt, an manchen Kliniken sogar jedes zweite. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist nur bei 15 Prozent der Entbindungen eine Operation medizinisch plausibel.

Brigitte Salisch, die viele Jahre als Hebamme in Barsinghausen gearbeitet hat, honoriert den Willen der Kliniken und Ärzte, mit Qualitätsmanagement gegenzusteuern. Doch es fehle das Geld und das Personal, um tatsächlich die Kaiserschnitt-Quote zu senken. Eine natürliche Geburt dauere manchmal acht Stunden; einige Schwangere bräuchten eine intensive Betreuung. „Weder die Zeit, noch die Betreuung werden gesondert bezahlt.“ Wer eine Schwangere beim Atmen unterstütze oder älteren Menschen beim Essen helfe, erlebe, dass dies von der Gesellschaft nicht als Wert anerkannt werde.

Zeitliche Planbarkeit durch Kaiserschnitt

Salisch fürchtet zudem, dass es im Zuge der Reduzierung der Geburtshilfe auf wenige Klinikstandorte demnächst in Hannover zu Engpässen kommen könnte. Das Resultat wäre eine weitere Verschärfung des Trends: Wenn vier Schwangere vor dem Kreißsaal warteten, biete ein Kaiserschnitt die Chance der besseren zeitlichen Planbarkeit.

Die Kampagne, die das Sozialministerium unter dem Titel „Bauchgefühl“ im März gestartet hat, will Ärzte, Kliniken, und Hebammen für das Thema sensibilisieren und Schwangere vor der vermeintlichen „Geburt light“ warnen.

Eine Kaiserschnittoperation belaste nicht nur die Mutter, sondern wirkt sich laut Studien auch nachteilig auf das Neugeborene aus. Außerdem ist ein Modellversuch „Hebammensprechstunden“ geplant und mehr Transparenz erwünscht. Bislang müssen die Kaiserschnitt-Quoten, die von Klinik zu Klinik sehr unterschiedlich ausfallen, nicht regelmäßig veröffentlicht werden.

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