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Aus der Stadt Zukunft der Brauerei Herrenhausen steht auf der Kippe
Hannover Aus der Stadt Zukunft der Brauerei Herrenhausen steht auf der Kippe
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22:37 26.04.2010
"Kein Herri mehr? Das wäre ein Grund, mit dem Biertrinken aufzuhören.": Wirtin Angelika Kaiser setzt in der "Klickmühle" auf hannoversche Tradition. Quelle: Michael Thomas
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Geschäftsführer Manfred Middendorff hat am Montag beim Amtsgericht Hannover für die Brauerei Herrenhausen die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit beantragt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Torsten Gutmann aus Lehrte zeigte sich nach einer ersten Durchsicht der Bücher „vorsichtig optimistisch, dass die Brauerei nicht veräußert werden muss, sondern aus sich heraus sanierungsfähig ist“. Auch die Arbeitsplätze sind vorerst gesichert, der Betrieb wird fortgeführt. Middendorff bleibt Geschäftsführer, steht aber unter Aufsicht. Die 67-köpfige Belegschaft wurde Montagnachmittag in einer eineinhalbstündigen Betriebsversammlung informiert.

Das Gesamtverfahren ist kompliziert, weil Herrenhäuser in sechs Tochtergesellschaften aufgespalten ist, die alle von Middendorff und teilweise seiner Frau geführt werden. Gegen drei davon hatte schon das Finanzamt Insolvenzverfahren wegen ausstehender Steuerzahlungen beantragt. Sie werden von der hannoverschen Anwältin Karina Schwarz betreut. Angeblich sind es drei Millionen Euro, die dem Fiskus noch zustehen, aber diese Summe bestätigten weder die Insolvenzverwalter noch die Finanzverwaltung.

Das Verfahren gegen die Brauerei-Gesellschaft gilt als das entscheidende, weil bei ihr das Vermögen der gesamten Gruppe liegt. Zur Höhe der Gesamtverbindlichkeiten wollte Gutmann keine Angaben machen. Eine dreistellige Zahl von Gläubigern steht in den Listen, darunter Banken, Sozialkassen und Lieferanten. Gutmann will jetzt möglichst schnell einen Gläubigerausschuss bilden. Er schätzt, dass in etwa drei Monaten das eigentliche Verfahren eröffnet werden kann. „Vermögensmasse dafür ist da“, sagte er. Auch die Buchführung sei aktuell und nachvollziehbar, erklärte Gutmann und trat damit zwischendurch immer mal wieder geäußerten Verdächtigungen entgegen, die Tochtergesellschaften hätten unter anderem dazu gedient, Vermögen zu verbergen. Bei der Staatsanwaltschaft Hannover sind in dieser Angelegenheit nach Angaben von Oberstaatsanwalt Manfred Knothe keine Anzeigen eingegangen. Die Behörde ermittelt allerdings weiter wegen Verdachts der Insolvenzverschleppung gegen Middendorff.

Die Mitarbeiter der nach Hektoliterausstoß derzeit größten hannoverschen Brauerei sind zum großen Teil ebenfalls in einer der Tochtergesellschaften untergebracht, der Herrenhäuser Produktions- und Technik Gesellschaft. Diese verleiht sie dann an die Brauerei. Das Konstrukt muss nach Auffassung von Thomas Bernhard, Sekretär der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten, möglichst zügig beendet werden. „Wir wollen, dass sie wieder direkt zur Brauerei gehören. Überhaupt halten wir es für angebracht, dass alles wieder unter einem Dach landet.“ Problem dabei sei allerdings, dass die Angestellten dafür kündigen müssten. Wie der Übergang juristisch sauber und für die Betroffenen sicher – das heißt vor allem ohne den Verlust von Ansprüchen – organisiert werden kann, müsse man schnell klären.

Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil sagte, die Stadt sehe keine Möglichkeiten, der Brauerei direkte Hilfen zukommen zu lassen. Das vorläufige Insolvenzverfahren bezeichnet er als Chance: „Es heißt, der Bierabsatz sei gut. Damit hat die Brauerei eine Zukunft.“

Bernd Haase

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