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"Kein Sprengmeister wird uns retten"

Debatte zum Ihme-Zentrum "Kein Sprengmeister wird uns retten"

Soll das Ihme-Zentrum zum Sanierungsgebiet werden? Der Verein Zukunftswerkstatt hat im Capitol seine Thesen vorgestellt. Aus der Kommunalpolitik gab es viele lobende Worte - allerdings ausdrücklich keine Zusage für die Sanierungspläne aus dem rot-grünen Rat.

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Wollen eine Zukunft fürs Ihme-Zuentrum: Constantin Alexander (li.) und Gerd Runge vom  Verein zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Bis hoch auf die Empore verteilten sich am Dienstagabend die interessierten Gäste im Capitol. Gut 300 Besucher dürften der Einladung des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum gefolgt sein. Sie lauschten der Vorstellung der zehn Thesen, die der Verein erarbeitet hat, und im Anschluss der von HAZ-Redakteur Jan Sedelies moderierten Diskussionsrunde mit Kommunalpolitikern von fünf Ratsfraktionen.

Die Diskussion ergab das für Wahlkampfzeiten typische Bild: Die Vertreter der Oppositionsparteien sagten weitgehend Unterstützung für die Forderungen der Initiative zu. Vom rot-grünen Mehrheitsbündnis aber war als einziger Ratspolitiker SPD-Mann Ewald Nagel gekommen und machte klar, dass er eine neuerliche vorbereitenden Untersuchung für die Einrichtung eines Sanierungsgebiets derzeit nicht unterstütze. Man sei gerade im Dialog mit dem Großeigentümer, dessen Ergebnis wolle man abwarten. Für die Grünen wiederum war kein Ratsherr gekommen, sondern der Lindener Bezirksratsherr Daniel Gardemin. Der sagte zwar Unterstützung für das Vereinskonzept zu, gehört dem in dieser Frage entscheidenden Rat aber gar nicht an, wie CDU-Mann Felix Blaschzyk bissig anmerkte. Dde Bezirksrat Linden-Limmer vertritt zum Ihme-Zentrum meist andere Positionen als der Rat.

Immerhin eines war Konsens auf dem Podium: "Abriss ist keine Option", wie SPD-Politiker Nagel klarstellte. Ihm pflichteten alle bei. "Kein Sprengmeister wird uns retten", hatte Architekt Gerd Runge vom Zukunftsverein eingangs gesagt. Es sei schade, dass solche Überlegungen der Stadtspitze an die Öffentlichkeit gelangt seien, rügte CDU-Politiker Blaschzyk.

Bei vielen weiteren Themen dagegen klafften Analyse und Strategie deutlich auseinander. Etwa in der Frage, ob das vom Oberbürgermeister gestellte Ultimatum an den Investor sinnvoll ist. "Es hat dazu geführt, dass der Investor sich im Ratsausschuss den Fragen gestellt hat", sagte Nagel: "Der Gesprächsfaden ist aufgenommen." Gerhard Kier (FDP) fragte provokant: "Bin ich im falschen Film? Wenn ich Gespräche führen will, dann baue ich keine Drohkulisse auf." Linken-Politiker Dirk Machentanz hingegen sagte: "Die Drohkulisse ist sinnvoll, sonst passiert ja nichts." Blaschzyk sagte, es müsse Schluss sein damit, dass Stadtspitze und Investor sich "gegenseitig über die Presse Ultimaten stellen".

Die weitestgehendste Forderung aus der Politik kam an dem Abend von CDU-Ratsherrn Blaschzyk. Wenn seine Partei bei der Kommunalwahl die Mehrheit erringe, werde man einen Plan B erarbeiten lassen, um bei gescheiterten Gesprächen mit dem Investor mit einer städtischen Tochtergesellschaft ins IhmeZentrum einzusteigen, kündigte er an. Das Thema, warum die Satdt nicht selbst Eigentümerin wird, trieb auch mehrere Besucher um. SPD-Ratsherr Nagel stellte allerdings klar, dass ein Investitionsbedarf in Höhe eines hohen dreistelligen Millionenbetrags bestehe und die Stadt für das gesamte Stadtgebiet im Jahr nur 110 Millionen Euro investiere - der finanzielle Einstieg der Stadt sei für ihn derzeit keine Option.

Die weitestgehendste Forderung eines Besuchers hingegen kam von einem Lothar aus dem Glocksee-Trägerverein, der anderen Ihme-Ufer residiert: Im Ihme-Zentrum werde sich auf herkömmliche Weise nichts ändern, sagte er: "Wir haben besetzt." Auf Nachfrage von Moderator Sedelies, ob er das auch für die leerstehenden Gewerbeareale des Ihme-Zzentrums empfehle, sagte er etwas wie: "Man muss einfach anfangen, selbst zu sanieren", was allerdings im aufbrausenden Applaus etwas unterging. Blaschzyk reagierte besonnen: "Das Modell Glocksee lässt sich sicherlich nicht auf das Ihme-Zentrum übertragen", sagte er. Linken-Politiker Machentanz sagte, er könne sich eher ein Genossenschaftsmodell vorstellen, mit dem bei einer neuerlichen pleite des Investors Gebäudeteile gekauft werden könnten. FDP-Politiker Kier konterte: "Das hört sich charmant an, aber nach dem Kauf müsste eine dreistellige Millionensumme investiert werden." 

An diesem Punkte setzte Grünen-Bezirkspolitiker Gardemin an. "Das Spielchen geht nicht ewig weiter", sagte er zu den dauernden Investorenpleiten: "Die Bausubstanz leidet." Die Stadt dürfe, wenn der Sanierungsbedarf zu groß wird, laut Baugesetz durchaus eingreifen und selbst handeln. Vorbilder dafür habe es "bei Schrottimmobilien in Bad Fallingbostel und wohl auch Bremerhaven" gegeben.

In eine ähnliche Richtung geht die Forderung des Vereins. Er will, dass die Stadt das Verfahren zur Einrichtung eines Sanierungsgebiets einleitet. Dann könnten unwillige Einzeleigentümer gezwungen werden, Veränderungen an der Eigentümerstruktur zuzustimmen, und dann könnte auch Fördergeld von Bund und Land beantragt werden.

SPD-Ratsherr Nagel verwies darauf, dass es 2007 schon einmal derartige vorbereitende Untersuchungen und auch Finanzzusagen vom Bund und der EU gegeben hat. Man könne prüfen, ob dieses Verfahren wieder aufgenommen werden kann, sagte er. Bei einem Teil des Geldes allerdings weiß man, wo es damals gelandet ist. Weil es im Ihme-Zentrum nicht voranging, wurde es zum Umbau des Klagesmarktkreisels in der Innenstadt benutzt.

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