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Zum Ramadan fasten 90.000 Muslime in der Region Hannover

Fastenzeit Zum Ramadan fasten 90.000 Muslime in der Region Hannover

Etwa 90.000 Muslime leben in der Region Hannover. Die meisten von ihnen, so schätzt Avni Altiner, Vorsitzender des Landesverbands der Muslime, beachten die Vorschriften des heiligen Monats Ramadan und üben sich im Verzicht. Ein Blick hinter die Kulissen.

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Die Frauen beten und essen getrennt von den Männern: Ramadan in der Jama-‘at-un-Nur-Moschee in Linden.

Quelle: Steiner

Hannover. Ihre Augen sind müde, doch ihre Lippen umspielt ein Lächeln. „Fasten ist eine Übung in Selbstdisziplin, und es schärft die Sinne“, sagt die 21-jährige Ela-Nur Kudil. Nie habe sie zuvor Lust auf Brot gehabt, jetzt läuft ihr beim Geruch des frisch gebackenen Fladenbrotes das Wasser im Munde zusammen. Seit dem 1. August nimmt Ela-Nur Kudil keinen Bissen und keinen Schluck zu sich, zumindest nicht zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Jetzt, pünktlich um 21.13 Uhr, ist der Tisch in der Lindener Hinterhofmoschee an der Dieckbornstraße reich gedeckt. Datteln und Salat, eine kräftige Gemüsesuppe, Hackbällchen mit Reis und frisches Obst stehen bereit. Gleich werden sich die etwa 30 Frauen jeden Alters an den Tisch setzen, das Fasten brechen, wie sie sagen, aber zuvor ruft der Muezzin zum Abendgebet.

Etwa 90.000 Muslime leben in der Region Hannover. Die meisten von ihnen, so schätzt Avni Altiner, Vorsitzender des Landesverbands der Muslime, beachten die Vorschriften des heiligen Monats Ramadan und üben sich im Verzicht. Einige nehmen Urlaub, die meisten gehen wie gewohnt zur Arbeit. Sie schrauben Autoteile zusammen, wühlen sich durch Zahlenreihen am Computer, halten Plädoyers vor Gericht – alles mit leerem Magen. Ihre letzte Mahlzeit haben sie um Punkt 4.13 Uhr zu sich genommen, kurz vor Sonnenaufgang. „Wenn Hitze und Durst zu groß werden, halte ich einfach meinen Kopf unter den Wasserhahn“, sagt ein Schweißer, der bei VW arbeitet. Muslimische Studenten und Schüler haben Glück, sie fasten dieses Jahr in den Ferien.

Ramadan in der "Jama 'at un Nur"-Moschee in Linden: Die Frauen beten und essen getrennt von den Mannern.

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Auch Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci müsste es seinen Glaubensbrüdern und -schwestern nachtun, im Kommunalwahlkampf aber, so meint er, sei Fasten denkbar ungünstig. „Aus religiöser Sicht ein schlechtes Argument“, findet Altiner, der ebenfalls der Moscheegemeinde in der Dieckbornstraße angehört. Dann müsse Kirci eben zahlen, findet er. Zehn Euro pro Tag, so lautet die Vorschrift, sollen diejenigen an Bedürftige entrichten, die aufgrund „schwerer Arbeit“ nicht fasten können.

Inzwischen hat der Imam sein Abendgebet beendet, die Männer und Frauen verlassen ihre Gebetsräume und setzen sich an die gedeckten Tafeln, in verschiedenen Räumen versteht sich. „Die Tür zwischen den Herren- und den Damenzimmern stehen offen“, betont Altiner. Tatsächlich bleibt man unter sich. Rund 30 hungrige männliche Gäste muss die Familie Erdem bewirten, ebenso viele Frauen werden von der Familie Eraslan bekocht. Für einen Sonnabendabend sei das nicht viel, meint Altiner, aber draußen regnet es in Strömen, die Lindener Muslime werden Schutz in ihren eigenen vier Wänden gesucht haben, vermutet er.

Jeden Abend bereitet eine andere Gastgeberfamilie das Essen vor. Tatsächlich wissen sie nie, wie viel sie kochen müssen, denn jeder ist eingeladen, das Fastenbrechen zu zelebrieren, ganz gleich, ob er Muslim oder Christ ist, ob er fastet oder seine gewohnten Mahlzeiten zu sich nimmt. „Im Ramadan stehen die Türen jeder Moschee offen“, sagt Altiner. Manchmal mussten sie schon mehr als 100 Gäste bewirten. Die Portionen fallen dann etwas kleiner aus, satt werde aber jeder, meint er.

Die Frauen haben ihr Mahl beendet und sitzen etwas erschöpft um den Tisch herum. „Man muss mit der Menge vorsichtig sein, wenn ich zu viel esse, bin ich völlig erschlagen“, sagt Ela-Nur Kudil. „Dann fühlst du dich wie ein Luftballon“, wirft eine ältere Frau ein und grinst. Auch die Männer sind beim Tee angelangt, der aus kleinen Gläsern mit viel Zucker getrunken wird. „Ich erinnere mich noch lebhaft an meine erste Fastenzeit“, sagt der 41-jährige Fevzi Erdogan. Damals war er im zarten Alter von acht Jahren und lebte noch in der Türkei. „Meine Mutter hatte mir anfangs eine Cola versprochen, damit ich das Fasten beginne“, sagt er. Jeder Tag, den er ohne Essen und Trinken hinter sich brachte, wurde mit einem kleinen Geschenk belohnt. Am Ende des Ramadans sei er unendlich stolz gewesen. „Du fühlst den Hunger und erahnst, wie es denen geht, die nichts zu essen haben“, sagt er. Die traditionelle Spende am Ende des Fastenmonats wollen alle Moscheen Hannovers in diesem Jahr den Hungernden in Ostafrika zukommen lassen.

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