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Studienbeginn auf Couch und Matratze

Fehlender Wohnraum Studienbeginn auf Couch und Matratze

Der Mangel an preiswertem Wohnraum in Hannover macht besonders Studenten zu schaffen, die neu in die Stadt kommen. Kurz vor Semesterstart an der Leibniz Universität haben etliche Erstsemester noch kein Zimmer gefunden. Das Studentenwerk hat deshalb Notunterkünfte eingerichtet.

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Für den Notfall: Für Erstsemester ohne Zimmer hat das Studentenwerk im Wohnheim Bischofsholer Damm ein Matratzenlager eingerichtet.

Hannover. Aufregung und Vorfreude ist zu spüren, wenn Erstsemester André Julius über seinen bevorstehenden Start ins Studium spricht. Doch bevor es am kommenden Montag an der Leibniz-Uni richtig losgeht, gibt es für den angehenden Informatikstudenten noch ein dickes Problem zu lösen: Bisher weiß der 18-Jährige aus dem ostfriesischen Esens immer noch nicht, wo er wohnen wird. Der Mangel an preiswertem Wohnraum in Hannover macht besonders Studenten zu schaffen, die neu in die Stadt kommen. So wie André.

Um die 40 Bewerbungen für WG-Zimmer oder eine kleine Wohnung hat der 18-Jährige in den vergangenen vier Wochen abgeschickt. Ein Freund, mit dem er zusammenziehen will, hat ebenfalls nach Wohnungen Ausschau gehalten. „Größtenteils habe ich einfach gar keine Antwort bekommen“, erzählt der 18-Jährige frustriert. Diese Woche konnte er zum ersten Mal eine Wohnung besichtigen - in Laatzen, rund 40 Minuten Fahrzeit mit der Stadtbahn bis zur Uni. „Momentan wäre mir das recht. Die Wohnung ist schön und hat sogar einen Balkon.“

Viele Angebote zu teuer

Allerdings ist es noch keineswegs ausgemacht, dass André den Zuschlag erhält. Viele andere Angebote waren für den Erstsemester-Studenten jedoch schlichtweg zu teuer. 260 bis allerhöchstens 300 Euro Warmmiete hat er veranschlagt. Das Geld für die Semestergebühren hat André sich bei Freunden zusammengeliehen, bis das Bafög kommt.

Angesichts der schwierigen Situation bietet die studentische Interessenvertretung Asta seit 2013 jeweils im Herbst in einer Schlafplatz-Börse Notunterkünfte an. Das ist mal ein Sofa oder auch ein Zimmer, befristet für ein paar Wochen, bis eine dauerhafte Bleibe gefunden ist. Dieses Jahr hätten sich besonders viele Studienanfänger gemeldet, die zum Semesterstart noch kein Zimmer gefunden haben, berichtet die Asta-Sozialreferentin. „Dabei bieten wir ja wirklich nur eine Notlösung an. Aber selbst dem können wir nicht mehr gerecht werden.“

Studentenwerk richtet Notunterkünfte her 

Das Studentenwerk Hannover hat sich ebenfalls gerüstet. Im Studentenwohnheim Bischofsholer Damm ist ein Gemeinschaftsraum mit zehn Matratzen ausgestattet worden. Das Bettzeug ist bereits bezogen. „Wir hoffen natürlich, dass das nicht gebraucht wird“, sagt Studentenwerks-Geschäftsführer Eberhard Hoffmann. Mehr ins Gewicht fällt jedoch, dass das Studentenwerk es in seinen Studentenwohnheimen in den ersten Wochen stillschweigend toleriert, wenn Mieter einen Freund ohne Bleibe bei sich wohnen lassen. Auf die meist preiswerten Zimmer in den subventionierten Häusern haben sich rund 2800 Studenten beworben - die meisten ohne Chance.

Auch der angehende Chemiestudent Safak Semihcan aus Minden steht noch auf der Warteliste. Der 21-Jährige ist diese Woche noch einmal in die Beratung des Studentenwerks gegangen - in der Hoffnung, dass er für sich und einen Freund doch noch eine gerade frei werdende Zwei-Zimmer-Wohnung ergattern kann. Zumindest eine privat angebotene Wohnung in Ahlem konnten die Berater ihm anbieten. Safaks Schwester, die ihn begleitet, fängt sofort an zu rechnen.

Hotelzimmer als teure Alternative

„450 Euro Kaltmiete: Also sagen wir warm 275 Euro pro Person. Das ist gut.“ Aber wo ist Ahlem? Sie selbst hatte Glück und konnte jetzt ein geräumiges Zimmer im Studentenwohnheim beziehen. „Notfalls schläft Safak erst mal bei mir. Die Matratze steht bereit.“

Cem Günay dagegen wird zunächst ein Hotelzimmer beziehen. Der 18-Jährige aus Delmenhorst beginnt am Montag sein Energietechnik-Studium und hat immer noch kein WG-Zimmer. Seit fast einem Monat klickt er sich durch die Anzeigen im Internet, drei Wohngemeinschaften luden ihn zur Besichtigung ein. „Bislang habe ich aber noch keine Rückmeldung, ob es klappt oder nicht“, erzählt er bei einer Grillfeier für Erstsemester. Am liebsten würde Günay in Uni-Nähe ziehen, denn „es macht ja keinen Sinn, wenn man jeden Tag eine Dreiviertelstunde fahren muss“. In seinem Freundeskreis gäbe es einige, die noch nach einer Bleibe in Hannover suchten. „Wir haben auch schon überlegt, eine WG zu gründen“, sagt der Student. Allerdings seien Wohnungen besonders schwer zu finden. Damit Günay nicht für mehrere Wochen im Hotel schlafen muss, hat ihm ein Freund seine Couch angeboten.

André aus Esens stand zwischendurch sogar kurz davor, den Studienplatz in Hannover wieder aufzugeben. „Dabei gefällt mir die Stadt richtig gut. Sie sieht schön aus, es gibt viele Angebote und die Leute sind sehr nett.“ Ein Freund hatte ihm zu einer Bewerbung in Halle geraten - da gebe es mehr Wohnungen. André will aber durchhalten. Der Asta hat ihm Notschlafplätze in Aussicht gestellt: ein Durchgangszimmer in einer WG mit Haustieren oder eine Art Gartenlaube mit Wasser- und Stromanschluss. „Internetzugang bekäme ich über das Haupthaus.“ Das wäre immer noch besser als nichts.

Von Bärbel Hilbig und Linda Tonn

Preiswerter Wohnraum ist rar

Bereits seit dem Wintersemester 2011 vergibt das Studentenwerk Hannover die Plätze in seinen Wohnheimen nur noch an Studienanfänger, die nicht aus der Region Hannover kommen. Denn die preiswerten Zimmer reichen für die Nachfrage bei Weitem nicht aus – und Studenten von auswärts sind besonders darauf angewiesen. Das Studentenwerk bietet 2330 Wohnheimplätze, von denen nach bisherigem Stand rund 785 zu diesem Wintersemester neu vermietet werden konnten. Beworben hatten sich fast 2780 Studenten. Gut 200 Anträge wurden abgelehnt, weil die Antragsteller die Bedingungen nicht erfüllten. 1785 Bewerber stehen noch auf der Warteliste. Wie viele tatsächlich noch auf ein Zimmer warten, überprüfen die Mitarbeiter in Kürze mit einem Rundschreiben.

Während die Zahl der Studenten in den vergangenen Jahren anstieg , ist das Angebot an geförderten Wohnheimplätzen kaum mitgewachsen. In Hannover ist die Situation besonders ungünstig. Bundesweit stehen für 9,86 Prozent der Studenten Wohnheime zur Verfügung. In Niedersachsen liegt die Versorgungsquote bei 9,93 Prozent, in Hannover bei 6,53 Prozent.

Entlastung ist nur begrenzt in Sicht. In der Nordstadt eröffnete mit „The Fizz“ jetzt ein privates Studentenwohnheim mit 303 Apartments ab 405 Euro Miete. Das Studentenwerk baut aktuell am Lody­weg eine Anlage mit 80 Plätzen. Geplant ist eine Erweiterung des Wohnheims Wilhelm-Busch-Straße für rund 70 Studenten.

bil     

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