Wegen der steigenden Zahl von Kindern in der Landeshauptstadt und des sich abzeichnenden Mangels an Kindergartenplätzen wollen die Grünen ein städtisches Sofortprogramm auf den Weg bringen. „Zur Not müssen vom Sommer an Container aufgestellt werden“, hatte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ingrid Wagemann, am Donnerstag am Rande der Ratssitzung gesagt. Mindestens 360 Familien von sogenannten Herbstkindern des Geburtsjahrgangs 2007 suchen derzeit einen Kindergartenplatz.
„Das ist kein Vorschlag von Rot-Grün“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Christine Kastning am Freitag. Die Idee der Unterbringung in Containern bezeichnete sie als „ein bisschen flott rausgeschossen“. Die SPD werde in der kommenden Woche prüfen, welche praktikablen Möglichkeiten es gebe, berichtete sie. Man könne sich aber die Vorschläge „nicht aus dem Ärmel schütteln“. Die SPD wolle unter anderem prüfen, wie die Auslastung der Kitas sei und ob es in vorhandenen Kindergärten noch Platz für weitere Gruppen gebe. Aber es müsse auch auf die Finanzierung geschaut werden, sagte die Fraktionschefin.
Die hannoversche Elterninitiative immerda begrüßt dagegen den Vorschlag der Grünen, Kitas übergangsweise in Containern einzurichten. Das sei zwar keine Ideallösung, sagte die Vorsitzende der Initiative, Ilka Sommer. „Es ist aber besser, als wenn haufenweise Eltern keinen Kindergartenplatz bekommen.“ Es komme lediglich darauf an, wie die Container umgestaltet und eingerichtet würden. Außerdem müsse das Personal qualifiziert sein.
Als weiteren Vorschlag zur Unterbringung von zusätzlichen Kindern in Kitas nennt Sommer die Einrichtung weiterer Waldkindergärten in der Eilenriede. „Da muss dann für die Kinder nur ein Bauwagen aufgestellt werden“, erläuterte Sommer. Außerdem gebe es viele Kindergärten, die ihre Halbtagsgruppen gern in Ganztagsgruppen umwandeln möchten.
Auch beim Kindergartenträger AWO wird der Vorschlag der Grünen als Übergangslösung begrüßt. „Es gibt ganz viele Eltern, die noch einen Platz für ihr Kind suchen – und es gibt darunter Eltern, die ganz verzweifelt sind“, sagte die stellvertretende AWO-Geschäftsführerin Michaela Bräuer-Pape.
Freie Kapazitäten, von denen SPD-Frau Kastning spricht, gebe es nicht. Vielleicht sei mal in einer Gruppe ein Platz frei, aber das sei die Ausnahme. Und auch ungenutzte Räume in Kitas, um zusätzliche Kinder unterzubringen, gebe es in den Einrichtungen der AWO nicht. „Da ist alles dicht“, sagte sie.
Unterstützung gibt es auch bei CDU und FDP. FDP-Fraktionschef Jens Meyburg sagte, man könne Container sicher so herrichten, dass sich auch Kinder darin wohlfühlten. „Als kurzfristige Lösung ist das besser als gar nichts“, meinte er. Mit Blick auf den Umbau des Krankenhauses Siloah sagte er, ganze Klink-stationen seien in Containern untergebracht.
Aus Sicht der CDU gibt es nur wenig Alternativen zu Containern, weil eine schnelle Lösung gefragt sei. „Mittlerweile gibt es Container, die auch vernünftig aussehen“, sagte die Sozialexpertin der Fraktion, Gabriele Jakob. Ein Vorteil der Container sei, dass man sie einfach an einen anderen Platz versetzen könne, wenn darin etwas anderes untergebracht werden soll. Jakob kann sich auch vorstellen, ein leer stehendes Haus mit Grundstück kurzfristig zum Kindergarten umzugestalten. „Auf jeden Fall müssen wir schnell reagieren“, sagte sie.
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